Einwanderung

Gegen illegale Migration: Indien prüft Einsatz von Krokodilen und Giftschlangen

Statt Zäunen setzt Indien möglicherweise bald auf Krokodile und Schlangen, um illegale Grenzübertritte aus Bangladesch zu stoppen. Der Plan wird derzeit geprüft.

Indien prüft, ob unbewachte Flussabschnitte an der Grenze zu Bangladesch mit Reptilien bestückt werden können.
Indien prüft, ob unbewachte Flussabschnitte an der Grenze zu Bangladesch mit Reptilien bestückt werden können.Matthias Graben/imago

Die indische Regierung prüft, ob Krokodile und Giftschlangen an unbewachten Flussabschnitten entlang der Grenze zu Bangladesch eingesetzt werden könnten, um illegale Grenzübertritte zu verhindern. Das bestätigte der Grenzschutz-Offizier Manoj Barwal gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Die Reptilien sollen als „biologische Barriere“ in Gebieten dienen, in denen physische Grenzzäune nicht errichtet werden können.

Laut einem internen Memo der indischen Grenzschutztruppe BSF vom 26. März wurden Einheiten vor Ort angewiesen, den Plan aus „operativer Perspektive“ auf Machbarkeit zu prüfen, wie die Zeitung The Hindu berichtete. Das Dokument stehe im Einklang mit den Anweisungen von Innenminister Amit Shah, einem engen Vertrauten von Premierminister Narendra Modi.

Barwal bezeichnete den Vorschlag gegenüber AFP als „innovative Idee“, verwies jedoch auf „zahlreiche Herausforderungen“ – insbesondere hinsichtlich der Sicherheit der Anwohner an den Grenzflüssen und der Frage, wie die Tiere beschafft werden könnten.

Hunderte Kilometer Grenze ohne Zaun

Indien teilt mit Bangladesch eine über 4000 Kilometer lange Grenze, die durch Flüsse, Sümpfe und Mangrovenwälder geprägt ist. Rund 850 Kilometer sind laut The Independent nicht eingezäunt, davon gelten etwa 175 Kilometer wegen sumpfigem Terrain und Überschwemmungsgefahr als ungeeignet für physische Barrieren. 54 Flüsse, darunter der Ganges und der Brahmaputra, durchziehen das Grenzgebiet. Die betroffenen Abschnitte liegen vor allem in den Bundesstaaten Westbengalen, Assam, Meghalaya, Tripura und Mizoram, berichtet The Independent.

Neben dem Reptilien-Vorschlag setzt Indien bereits auf Drohnen, Infrarot-Nachtsichtgeräte und Spürhunde, wie The Sun berichtet.

Kritik von Menschenrechtsorganisationen

Die hindu-nationalistische Regierung unter Modi hat den Kampf gegen illegale Einwanderung seit 2014 zu einem zentralen politischen Ziel erklärt. Politiker der Regierungspartei BJP bezeichnen Migranten als „Eindringlinge“, die Indiens Identität gefährdeten, schreibt The Independent.

Menschenrechtsgruppen kritisieren, dass Tausende bengalischsprachige Muslime mit indischer Staatsbürgerschaft festgenommen oder ohne ordentliches Rechtsverfahren nach Bangladesch abgeschoben worden seien. Einige Betroffene gaben laut The Independent an, sie seien mit verbundenen Augen in einem Dschungel ausgesetzt worden. Menschenrechtler werfen der BJP vor, unter dem Deckmantel nationaler Sicherheit gezielt die muslimische Minderheit zu diskriminieren.

Die Rhetorik gegen Einwanderer verschärfte sich laut The Sun nach einem Angriff auf hinduistische Touristen in Kaschmir im April vergangenen Jahres, bei dem 26 Menschen getötet wurden. Modi bezeichnete die Tat als „abscheulich“ und kündigte an, die Täter vor Gericht zu bringen.