Die erst am Dienstag vereinbarte zweiwöchige Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran steht bereits wenige Stunden nach Inkrafttreten auf der Kippe. Laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim erwägt Teheran den Ausstieg aus dem Abkommen, nachdem Israel am Mittwoch massive Angriffe auf Hisbollah-Stellungen im gesamten Libanon durchgeführt hat. Gleichzeitig bleibt die Straße von Hormus, die wichtigste Seehandelsroute für Öl und Gas weltweit, nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg nahezu vollständig blockiert.
Die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete zudem, der Iran habe die Straße von Hormus wieder geschlossen. Eine „informierte sicherheits- und militärpolitische Quelle“ erklärte gegenüber Fars zudem, der Iran bereite eine „abschreckende Operation gegen militärische Ziele Israels in den besetzten Gebieten“ vor. In Teheran gewinne die Einschätzung an Gewicht, dass entweder die USA nicht in der Lage seien, den israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu „zu kontrollieren“, oder dass Israel vom US-Zentralkommando CENTCOM „freie Hand erhalten“ habe.
Israel unterscheidet zwischen Schauplätzen
Israels Verteidigungsminister Israel Katz bestätigte am Mittwoch per Videoerklärung einen „Überraschungsangriff auf hunderte Hisbollah-Mitglieder“ im Libanon. Er bezeichnete die Aktion als den schwersten Schlag gegen die Miliz seit der sogenannten „Operation Beepers“ im Jahr 2024, bei der von Israel manipulierte Pager und Funkgeräte hunderter Hisbollah-Mitglieder explodierten.
Die israelische Regierung erklärte, die Feuerpause mit dem Iran grundsätzlich zu unterstützen, betonte aber, diese gelte nicht für den Kampf gegen die Hisbollah. „Wir haben darauf bestanden, zwischen den Schauplätzen Iran und Libanon zu unterscheiden“, sagte Katz. Pakistan, das die Waffenruhe vermittelt hatte, vertritt hingegen die Position, der Libanon sei Teil des Abkommens. Pakistans Premierminister Sharif rief alle Seiten in den sozialen Medien dazu auf, „Zurückhaltung zu üben und die Waffenruhe für zwei Wochen zu respektieren“. Seinen Angaben nach sei Libanon in das Abkommen eingeschlossen.
Über 800 Schiffe im Persischen Golf eingeschlossen
Trotz der Waffenruhe bleibt die Lage in der Straße von Hormus angespannt. Nach Daten von Bloomberg haben seit Dienstagmorgen lediglich sieben Schiffe die Region verlassen, während drei einliefen – bei einem normalen Tagesaufkommen von rund 135 Durchfahrten. Mehr als 800 Frachtschiffe stecken demnach im Persischen Golf fest, die meisten warten auf die Ausfahrt. Darunter befinden sich laut dem Datenanbieter Kpler 426 Öl- und Kraftstofftanker, 34 Flüssiggastanker und 19 LNG-Schiffe.
Die Besatzung eines Schiffes berichtete laut Bloomberg, eine Warnung des Iran empfangen zu haben, wonach die Durchfahrt weiterhin eine Genehmigung Teherans erfordere. Der Iran hat zudem Transitgebühren von bis zu zwei Millionen US-Dollar pro Durchfahrt erhoben.
Große Reedereien reagierten laut Bloomberg zurückhaltend. A.P. Moller-Maersk, die zweitgrößte Containerreederei der Welt, erklärte, die Pause könne „Transitmöglichkeiten schaffen, biete aber noch keine vollständige maritime Sicherheit“. Die deutsche Hapag-Lloyd teilte mit, die Straße von Hormus vorerst weiter zu meiden. Der Branchenverband Bimco warnte, ein Verlassen des Persischen Golfs ohne vorherige Abstimmung mit den USA und dem Iran sei „mit erhöhtem Risiko verbunden und nicht ratsam“.


