Krieg

Ukraine reagiert auf Iran-Waffenruhe: Selenskyj will nachziehen

Die Ukraine nutzt den Nahost-Waffenstillstand als Argument für Druck auf Moskau. Außenminister Andrii Sybiha richtet fordernde Worte an Washington.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj drängt auch für den Krieg in seinem Land auf eine Waffenruhe.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj drängt auch für den Krieg in seinem Land auf eine Waffenruhe.PRESIDENT OF UKRAINE/apaimages/imago

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die zwischen den USA und dem Iran vereinbarte zweiwöchige Waffenruhe als „richtige Entscheidung“ bezeichnet und zugleich den Westen aufgefordert, mit derselben Entschlossenheit auch Russland zu einem Waffenstillstand zu bewegen. „Die Ukraine sagt Russland erneut: Wir sind bereit, spiegelbildlich zu reagieren, wenn die russische Seite ihre Angriffe einstellt“, schrieb Selenskyj am Mittwoch auf Telegram.

Außenminister Andrij Sybiha wurde auf der Plattform X noch deutlicher: „Amerikanische Entschlossenheit funktioniert. Wir glauben, dass es an der Zeit ist, ausreichend Entschlossenheit aufzubringen, um Moskau zur Einstellung des Feuers und zur Beendigung seines Krieges gegen die Ukraine zu zwingen.“

Die Waffenruhe zwischen Washington und Teheran war unter pakistanischer Vermittlung zustande gekommen und signalisiert eine Deeskalation in dem mehr als einmonatigen Konflikt, der die Energiepreise in die Höhe getrieben und Tausende Menschenleben gefordert hat, wie das ukrainische Nachrichtenportal Kyiv Independent berichtete.

Kiew verweist auf eigene Rolle in der Region

Selenskyj unterstrich in seiner Stellungnahme auch die Rolle der Ukraine im Nahen Osten. Mehr als 200 ukrainische Militärexperten seien in die Region entsandt worden, um bei der Abwehr iranischer Drohnenangriffe zu helfen. „Ukrainische militärische Expertenteams werden weiterhin in der Region arbeiten, um die Sicherheitsfähigkeiten weiterzuentwickeln“, so der Präsident.

Der Verweis auf den Iran ist für Kiew von strategischer Relevanz: Teheran gilt als enger Verbündeter Moskaus und hat Russland Tausende sogenannter Kamikaze-Drohnen vom Typ Schahed geliefert, die regelmäßig bei Angriffen auf ukrainische Ziele eingesetzt werden. Darüber hinaus hat der Iran Russland laut Berichten bei der Entwicklung eigener Drohnen unterstützt.

Friedensbemühungen zwischen Kiew und Moskau stocken

Die ukrainische Führung hatte laut Kyiv Independent zuvor über US-Vermittler einen Vorschlag für eine sogenannte Energie-Waffenruhe an Russland übermittelt. Demnach würde die Ukraine Drohnenangriffe auf russische Öl- und Gasanlagen einstellen, während Moskau im Gegenzug Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur unterlassen würde. Der Kreml wies diese Initiative laut dem Kyiv Independent zurück.

Die von den USA vermittelten Friedensgespräche zwischen der Ukraine und Russland sind in den vergangenen Wochen weitgehend ins Stocken geraten. Dazu beigetragen haben dürfte auch, dass sich die Aufmerksamkeit von US-Präsident Donald Trump eher auf den Konflikt mit dem Iran verlagert hatte.

Russland lehnt dabei einen von Kiew akzeptierten Waffenstillstand entlang der aktuellen Frontlinie weiter ab und fordert, dass die Ukraine die gesamte Donbass-Region abtritt – einschließlich der Gebiete, die noch unter ukrainischer Kontrolle stehen.

Selenskyj betonte nun mit Blick auf den Iran-Deal, dass eine Waffenruhe Menschenleben bewahre, die Zerstörung von Städten und Dörfern verhindere und Kraftwerken sowie anderer Infrastruktur den Normalbetrieb ermögliche. „Für alle ist offensichtlich, dass ein Waffenstillstand die richtigen Voraussetzungen für Vereinbarungen schaffen kann“, erklärte er.