Die Internationale Energieagentur (IEA) steht vor der größten koordinierten Freigabe strategischer Ölreserven in ihrer Geschichte. Die in Paris ansässige Organisation will ihre 32 Mitgliedsländer auffordern, insgesamt rund 400 Millionen Barrel Rohöl auf den Markt zu bringen – ein Drittel der gesamten staatlichen Notfallbestände der Gruppe. Damit reagiert die Agentur auf die massiven Verwerfungen am Ölmarkt infolge der US-israelischen Angriffe auf den Iran, wie der Guardian berichtet.
Die geplante Freigabe würde die bisherige Rekordmenge laut dem Guardian mehr als verdoppeln: Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine hatten die IEA-Staaten 2022 in zwei Tranchen insgesamt 182 Millionen Barrel freigegeben. Laut dem Plan sollen die Mitgliedsstaaten bis zu 90 Tage Zeit haben, die Ölbestände auf den Weltmarkt zu bringen.
Hintergrund der Maßnahme ist die faktische Blockade der Straße von Hormus, einer Meerenge vor der iranischen Küste, durch die etwa ein Fünftel des weltweit verschifften Öls und Gases transportiert wird. Seit fast zwei Wochen gelangen aus dem Nahen Osten kaum noch Öl und Gas auf den Weltmarkt; dem globalen Angebot fehlen dadurch täglich rund 20 Millionen Barrel Rohöl.
Die Folgen an den Märkten sind gravierend: Der Preis für die Nordsee-Ölsorte Brent sprang am Montag kurzzeitig auf 119,50 US-Dollar pro Barrel – ein Niveau, das zuletzt 2022 erreicht wurde. Nach Berichten über eine mögliche Marktintervention der G7-Staaten fiel der Preis wieder auf rund 90 US-Dollar pro Barrel.
G7-Staaten stellen sich hinter die IEA
Die IEA plante die Veröffentlichung ihrer Empfehlung laut Guardian vor einem geplanten Treffen der G7-Staats- und Regierungschefs unter dem Vorsitz des französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Die Gruppe der sieben führenden Industrienationen erklärte am Mittwochmorgen, sie unterstütze grundsätzlich den Einsatz strategischer Reserven, um Versorgungsprobleme und Marktvolatilität zu bekämpfen.
„Gemeinsam mit der IEA beobachten wir die Energiemärkte aufmerksam und koordinieren uns innerhalb der G7 sowie mit unseren internationalen Partnern und IEA-Mitgliedsländern“, hieß es in einer Erklärung der G7-Minister. Man befürworte „die Umsetzung proaktiver Maßnahmen zur Bewältigung der Situation, einschließlich des Einsatzes strategischer Reserven“.
Obwohl bislang kein G7-Land seit Kriegsbeginn im vergangenen Monat physische Engpässe bei der Ölversorgung verzeichnete, soll die koordinierte Freigabe die extremen Preisschwankungen dämpfen und die Märkte stabilisieren. Die IEA wurde 1974 als Reaktion auf die damalige Ölkrise im Nahen Osten gegründet und hat seither die Aufgabe, die Energieversorgung ihrer Mitgliedsstaaten in Krisenzeiten abzusichern.


