Indien erwägt als Reaktion auf den Iran-Krieg offenbar die Rückkehr zu Öllieferungen aus Russland. Das berichtet die amerikanische Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider, die mit der Angelegenheit vertraut sind. Grund für die Überlegungen ist demnach die Sperrung der Straße von Hormus, die Indiens Ölfluss nahezu zum Erliegen gebracht hat, da etwa die Hälfte der indischen Ölimporte über diesen Weg laufen.
Indiens Pläne sind deshalb brisant, weil sich das Land seit Monaten immer mehr von russischem Öl distanziert – vor allem wegen des zunehmenden Drucks aus den USA. Präsident Donald Trump hatte Neu-Delhi niedrigere Strafzölle in Aussicht gestellt, falls es seine Ölimporte aus Russland drosselt.
Im Februar sind Indiens Ölimporte aus Russland auf 1,2 Millionen Barrel pro Tag gesunken, so wenig wie seit November 2022 nicht mehr. Stattdessen steuern erstmals seit Jahren wieder Tanker aus Venezuela Indien an, die Berliner Zeitung berichtete. Nun steht eine Rückkehr zu russischem Öl im Raum.
Indiens Regierung diskutiert Rückkehr zu Öl aus Russland
Am Wochenende trafen sich Vertreter indischer Staatsraffinerien und Regierungsbeamte, um Notfallpläne für die Krise im Iran auszuarbeiten. Eine der diskutierten Optionen sei der Zugriff auf russische Rohöllieferungen, die sich derzeit in der Nähe von Indiens Gewässern befinden, heißt es. Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine wurde Indien zum wichtigsten Abnehmer von russischem Rohöl auf dem Seeweg, hat seine Importe angesichts des wachsenden Drucks der USA aber gedrosselt und seit einigen Wochen auf ein Minimum beschränkt.
Indien verfügt Angaben von Bloomberg zufolge über Reserven aus kommerziellen und staatlichen Quellen, die für bis zu zwei Wochen reichen könnten. Angesichts der drohenden Knappheit drängen Beamte des Ölministeriums das Außenministerium nun dazu, Washington um mehr Handlungsspielraum zu bitten. Ende letzter Woche befanden sich 9,5 Millionen Barrel russisches Öl in asiatischen Gewässern, heißt es. Indiens Ölministerium reagierte nicht auf Anfragen von Bloomberg.
Auf der Plattform X erklärte das Ministerium am Montag, man beobachte die Situation weiterhin – es würden „alle Maßnahmen ergriffen, um die Verfügbarkeit und Bezahlbarkeit der wichtigsten Erdölprodukte im Land sicherzustellen“. Alternativen zu russischen Öllieferungen sind laut den Insidern die Anbindung an Indiens strategische Ölreserve, die Beschleunigung von Lieferungen aus Venezuela und die Aufforderung an inländische Produzenten, ihre Fördermengen zu erhöhen. Zudem könnte die Regierung bei einer anhaltenden Krise anordnen, den Export von Treibstoff zu drosseln, um die Versorgung der heimischen Verbraucher sicherzustellen, erklärten die Insider.
In view of ongoing geopolitical developments in the Middle East, the Minister of Petroleum & Natural Gas reviewed the supply situation for crude oil, LPG, and other petroleum products with senior officials from the Ministry and PSUs.
— Ministry of Petroleum and Natural Gas #MoPNG (@PetroleumMin) March 2, 2026
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LNG in Europa: Profitiert Russland vom Iran-Krieg?
Doch nicht nur für Indien hat der Iran-Krieg große Folgen. Auch in Europa mehren sich die Sorgenfalten darüber, wie sich die Krise auf die Energieversorgung auswirken könnte. Zwar geht der größte Teil des Öls und des Gases, die durch die Straße von Hormus transportiert werden – was etwa 20 Prozent des weltweiten Ölhandels ausmacht – nach Asien.
Doch Experten befürchten, dass die Weltmarktpreise durch das knappe Angebot weiter steigen könnten, was sich direkt auf Europa auswirkt. Die Referenzsorte Brent Crude stieg am Montagmorgen um mehr als neun Prozent auf fast 80 US-Dollar pro Barrel – der höchste Stand seit Juni 2025. „Jede Blockade der Straße von Hormus könnte sofortige Preissprünge bei Öl und LNG auslösen, die Europa unabhängig von seinen begrenzten physischen Importen treffen würden“, sagte Simone Tagliapietra, Senior Fellow beim Brüsseler Thinktank Bruegel.
Am Montag hat Katar als Reaktion auf Angriffe auf zwei seiner LNG-Anlagen den Export von Flüssigerdgas gestoppt, was ebenfalls Folgen für Europa hat. Etwa zehn Prozent der europäischen LNG-Importe kommen aus dem arabischen Land. Der europäische Gasreferenzpreis (TTF) schoss im Anschluss an den Exportstopp um mehr als 50 Prozent nach oben und notierte am Montagmittag zeitweise auf dem Jahreshoch von 47,70 Euro pro Megawattstunde.




