Die Sicherheitslage rund um die Straße von Hormus verschärft sich weiter. In der Golfregion sind am Mittwoch drei Handelsschiffe bei mutmaßlichen Angriffen beschädigt worden, wie die britische Marinebehörde United Kingdom Maritime Trade Operations (UKMTO) mitteilte.
Demnach wurde ein unter thailändischer Flagge fahrender Frachter namens „Mayuree Naree“ etwa 20 Kilometer nördlich der omanischen Küste in der Meerenge von einem „unbekannten Geschoss“ getroffen. Der Einschlag löste nach Angaben der Behörde einen Brand aus. Die Besatzung habe das Schiff verlassen müssen und einen Notruf abgesetzt. Nach Angaben der thailändischen Marine wurden mindestens 20 Crewmitglieder gerettet.
Die iranischen Revolutionsgarden reklamierten später den Angriff auf das Schiff für sich. Der Frachter sei beschossen worden, nachdem er „Warnsignale und Aufforderungen“ ignoriert habe, hieß es in einer im staatlichen Rundfunk veröffentlichten Erklärung.
Frachter vor Küste der Vereinigten Arabischen Emirate angegriffen
Wenige Stunden später meldete die britische Behörde einen weiteren Angriff. Vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate sei ein Frachter ebenfalls von einem „unbekannten Geschoss“ getroffen worden. Dabei handelt es sich nach Angaben der maritimen Sicherheitsfirma Vanguard um den unter der Flagge der Marshallinseln fahrenden Massengutfrachter „Star Gwyneth“. Das Schiff meldete Schäden am Rumpf etwa 50 Seemeilen nordwestlich von Dubai. Die Besatzung blieb demnach unverletzt.
Bereits in der Nacht zum Mittwoch war ein dritter Vorfall gemeldet worden. Ein unter japanischer Flagge fahrender Containerfrachter namens „One Majesty“ wurde etwa 46 Kilometer nordwestlich des Emirats Ras Al-Chaimah beschossen. Nach Angaben der Sicherheitsfirma entstand dabei ein rund zehn Zentimeter großes Loch im Rumpf. Das Schiff sei auf dem Weg in einen sicheren Hafen, hieß es.
Unabhängig überprüfbare Angaben zu den Urhebern der Angriffe gibt es bislang nicht.
Unterdessen erklärten die iranischen Revolutionsgarden, sie hätten zwei Angriffe auf Schiffe vor der Südküste des Landes ausgeführt. Das Containerschiff „Express Rome“, das nach iranischer Darstellung in israelischem Besitz ist und unter liberianischer Flagge fährt, sei nach Warnungen beschossen und gestoppt worden. Auch der Frachter „Mayuree Naree“ sei attackiert worden, nachdem er „Warnsignale und Aufforderungen“ ignoriert habe, hieß es in einer im staatlichen Rundfunk veröffentlichten Erklärung.
Iran droht mit Angriffen auf Handelsschiffe
Irans Militärführung hatte zuvor angekündigt, Schiffe mit Bezug zu den USA, Israel und deren Partnern in der Region anzugreifen. „Wir werden niemals zulassen, dass auch nur ein Liter Öl zugunsten der USA, der Zionisten und ihrer Partner durch die Straße von Hormus transportiert wird“, sagte ein Militärsprecher des zentralen Hauptquartiers Chatam Al-Anbija laut staatlichen iranischen Medien. Die Kommandozentrale übernimmt im Kriegsfall die operative Führung des iranischen Militärs.
Der Sprecher drohte weiter: „Eure lebenswichtigen Zentren und Stützpunkte werden einer nach dem anderen in dem Feuer brennen, das ihr entfacht habt. Und sie werden wieder und wieder brennen.“
An die USA gerichtet erklärte er zudem: „Ihr solltet wissen, dass ihr den Öl- und Energiepreis nicht künstlich niedrig halten könnt.“ Der Ölpreis könne auf 200 US-Dollar pro Barrel steigen, da die Preise von der Sicherheit in der Region abhingen.
Am Dienstag hatten Irans Revolutionsgarden arabischen und europäischen Staaten dagegen freie Durchfahrt durch die Straße von Hormus in Aussicht gestellt – unter einer Bedingung: Die betreffenden Länder müssen zuvor die Botschafter der USA und Israels ausweisen.
Strategische Meerenge im Zentrum des Konflikts
Seit Beginn des Kriegs zwischen den USA, Israel und dem Iran Ende Februar kommt es in der Golfregion immer wieder zu Angriffen auf Schiffe. Die iranischen Revolutionsgarden haben nach eigenen Angaben zudem die Sperrung der Straße von Hormus veranlasst. Durch die Meerenge werden normalerweise fast 20 Prozent des weltweit gehandelten Rohöls transportiert.
Nach Branchenangaben wurden seit Beginn der Kämpfe mindestens 14 Handelsschiffe in der Region beschädigt oder angegriffen. Viele Reedereien meiden die Route inzwischen oder fahren nur noch unter erhöhten Sicherheitsmaßnahmen.
Ölpreise reagieren auf Eskalation
Die Angriffe wirken sich auch auf die Energiemärkte aus. Nach einem Rückgang am Dienstag sind die Ölpreise am Mittwoch wieder gestiegen. Der Preis für die Nordseesorte Brent legte im europäischen Handel um rund fünf Prozent auf 92,23 US-Dollar pro Barrel zu. Die US-Sorte WTI verteuerte sich um 5,9 Prozent auf 88,38 US-Dollar.
Am Dienstag waren die Preise noch gesunken, nachdem US-Präsident Donald Trump erklärt hatte, der Krieg gegen den Iran sei „so gut wie“ beendet. Israel und der Iran widersprachen dieser Darstellung jedoch.
Deutschland gibt Ölreserven frei
Unterdessen hat Deutschland angekündigt, einen Teil seiner strategischen Ölreserven freizugeben. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sagte am Mittwoch in Berlin, die Bundesregierung komme damit einer Bitte der Internationalen Energie-Agentur nach. Sie rechne dadurch mit sinkenden Kraftstoffpreisen.
Nach Angaben der Ministerin sollen mehrere Millionen Tonnen Öl aus den deutschen Notfallreserven auf den Markt gebracht werden. Die Freigabe wird von der Internationalen Energie-Agentur koordiniert, deren Mitgliedstaaten verpflichtet sind, Ölbestände für mindestens 90 Tage ihrer Nettoimporte vorzuhalten.
Deutschland verfügte laut Zahlen der Agentur im November vergangenen Jahres über 34,42 Millionen Tonnen Ölreserven. Ein großer Teil davon ist Rohöl, das vor allem in Norddeutschland gelagert wird.
Die Freigabe sei ein „gewaltiger“ Schritt, sagte Reiche. Es handele sich um die größte koordinierte Freigabe von Reserven in der Geschichte der Internationalen Energie-Agentur. Ziel sei vor allem ein Signal an die Märkte, da die derzeit hohen Preise vor allem durch Risikoaufschläge und Spekulation getrieben würden.



