Iran-Krieg

Straße von Hormus bereits vermint? USA melden Zerstörung von 16 iranischen Minenlegebooten

Der Konflikt um die wichtige Öl-Wasserstraße eskaliert weiter. Der Iran soll begonnen haben, die Meerenge zu verminen. Die Ölpreise schwanken.

Start von Raketen- und Drohneneinheiten während einer militärischen Übung der Islamischen Revolutionsgarden im Persischen Golf und in der Straße von Hormus.
Start von Raketen- und Drohneneinheiten während einer militärischen Übung der Islamischen Revolutionsgarden im Persischen Golf und in der Straße von Hormus.Sepahnews/ZUMA Press Wire/dpa

Die US-Streitkräfte haben am Dienstag nach eigenen Angaben 16 iranische Minenlegeboote nahe der Straße von Hormus zerstört. Das teilte das US-Zentralkommando (Centcom) auf X mit und veröffentlichte Videomaterial des Angriffs. Zuvor hatten Geheimdienstquellen gegenüber CNN bestätigt, dass der Iran in den vergangenen Tagen begonnen hat, Seeminen in der strategisch zentralen Meerenge zu legen.

Durch die Straße von Hormus, die an ihrer engsten Stelle nur 34 Kilometer breit ist, fließt rund ein Fünftel der weltweiten Ölproduktion. Die Wasserstraße ist seit Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran vor elf Tagen faktisch für den Schiffsverkehr gesperrt. Die Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) hatten erklärt, sie würden „keinen Liter Öl“ passieren lassen, solange die Angriffe andauern.

Geheimdienstquellen nennen Meerenge „Tal des Todes“

Laut CNN wurden bislang einige Dutzend Minen verlegt. Der Iran verfüge jedoch noch über 80 bis 90 Prozent seiner Schnellboote und Minenlegerschiffe und könnte Hunderte weitere Minen ausbringen. Geheimdienstquellen beschrieben die Meerenge gegenüber CNN als „Tal des Todes“.

US-Präsident Donald Trump schrieb auf Truth Social, falls der Iran Minen gelegt habe – „und wir haben keine Berichte darüber“ –, sollten diese „SOFORT“ entfernt werden. Andernfalls werde Teheran Konsequenzen „auf einem nie zuvor gesehenen Niveau“ zu spüren bekommen. Weniger als zwei Stunden nach Trumps Beitrag veröffentlichte das US-Militär das Videomaterial der Angriffe auf die Minenlegeboote.

Verteidigungsminister Pete Hegseth schrieb auf X, die USA hätten auf Trumps Anweisung hin „inaktive Minenlegerschiffe mit gnadenloser Präzision ausgeschaltet“. Bei einer Pressekonferenz im Pentagon drohte Hegseth zudem, sollte der Iran den Ölfluss durch die Meerenge behindern, werde er „20-mal härter getroffen als bisher“.

Gelöschter Tweet des US-Energieministers löst Marktchaos aus

Für zusätzliche Turbulenzen sorgte am Dienstag ein vorschneller Beitrag von US-Energieminister Chris Wright auf X. Er behauptete, die US-Marine habe einen Öltanker durch die Straße von Hormus eskortiert, um den globalen Ölfluss sicherzustellen. Der Beitrag wurde kurz darauf gelöscht. Vertreter der Trump-Regierung dementierten die Darstellung – eine solche Eskortierung habe nicht stattgefunden. Ein Sprecher des Energieministeriums erklärte, der Beitrag sei von Mitarbeitern „falsch beschriftet“ worden.

Die Auswirkungen auf die Märkte waren dennoch erheblich: Der Preis für US-Rohöl fiel laut Wall Street Journal zeitweise um bis zu 19 Prozent, ein börsengehandelter Öl-Fonds verlor 84 Millionen Dollar an Marktkapitalisierung. Im Tagesverlauf schwankte der Ölpreis laut CNN zwischen mehr als 90 und weniger als 80 Dollar pro Barrel.

Ein Sprecher der Revolutionsgarden, Ali Mohammad Naini, dementierte in iranischen Staatsmedien die Eskortierung und drohte: „Jede Bewegung der US-Flotte und ihrer Verbündeten wird durch unsere Raketen und Drohnen gestoppt.“

Ölmärkte unter extremem Druck: Wichtige Entscheidung am Mittwoch

Derzeit sind nach CNN-Angaben fast 15 Millionen Barrel Rohöl pro Tag sowie weitere 4,5 Millionen Barrel raffinierter Kraftstoffe im Persischen Golf blockiert. Länder wie der Irak und Kuwait haben keine Alternative zur Verschiffung durch die Straße von Hormus. Saudi-Arabiens staatlicher Ölkonzern Aramco leitet Tanker um und will seine Ost-West-Pipeline bis Ende der Woche auf volle Kapazität von sieben Millionen Barrel täglich hochfahren, wie Aramco-Chef Amin Nasser mitteilte.

Die Internationale Energieagentur (IEA) schlug laut Wall Street Journal die bislang größte Freigabe strategischer Ölreserven ihrer Geschichte vor – sie würde die 182 Millionen Barrel übertreffen, die nach Russlands Einmarsch in die Ukraine 2022 freigegeben wurden. Eine Entscheidung der 32 Mitgliedsstaaten wird für Mittwoch erwartet.

General Dan Caine, der ranghöchste US-Militär, sagte, man prüfe verschiedene Optionen für die Eskortierung von Schiffen durch die Meerenge. Bereits in den 1980er-Jahren hatte der Iran die Wasserstraße während des sogenannten Tankerkriegs mit dem Irak vermint.