Ein Mann im indischen Bundesstaat Odisha hat die sterblichen Überreste seiner Schwester zu einer Bankfiliale gebracht, um deren Tod nachzuweisen und Zugriff auf ihr Konto zu erhalten, wie etwa die Times of India berichtet. Er hatte die Leiche dem Bericht zufolge ausgegraben, nachdem Bankangestellte ihm mitgeteilt hatten, dass er ohne schriftlichen Nachweis ihres Todes nicht auf das Konto zugreifen könne.
Familienangehörige müssen in Indien laut BBC Dokumente wie eine Sterbeurkunde und Nachweise über die gesetzliche Erbfolge vorlegen, wenn ein Kontoinhaber stirbt, ohne einen Begünstigten benannt zu haben. Besonders in abgelegenen Dörfern kann der Zugang zu solchen Unterlagen jedoch eingeschränkt sein.
Behörden stellten Dokumente aus
Nach heftiger Kritik wies die Indian Overseas Bank, die die Odisha Grameen Bank betreibt, in der sich der Vorfall ereignete, Berichte als „inkorrekt“ zurück, wonach Mitarbeiter die physische Anwesenheit der Verstorbenen verlangt hätten, wie BBC berichtet. „Nach den Vorschriften sind Auszahlungen an Dritte ohne entsprechende Autorisierung nicht zulässig“, sagte ein Bankvertreter laut Times of India.
Der Mann in seinen Fünfzigern erklärte den Behörden, er habe das Verfahren nicht verstanden. „Ich wurde aufgefordert nachzuweisen, ob meine Schwester lebt oder tot ist. Da ich keine Unterlagen hatte, brachte ich ihre Überreste mit, um zu zeigen, dass sie tot ist“, sagte er laut der Zeitung. Bilder davon, wie der Mann offenbar eine teils in Plastik eingewickelte Leiche über der Schulter trug, wurden nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP von indischen Fernsehsendern verbreitet.
Nach Bekanntwerden des Falls schalteten sich die Behörden ein, berichtete die Times of India. Sie stellten die erforderlichen Dokumente aus, woraufhin das Geld an die Familie ausgezahlt wurde. Die Distriktverwaltung leitete eine Untersuchung ein und bot dem Mann zusätzlich eine Unterstützung von 30.000 Rupien (ca. 270 Euro) aus einem Hilfsfonds an.


