Justiz

Frauen betäubt und vergewaltigt? Weitere Anklagen gegen Marvin S.

Der 38-Jährige wurde im April unter anderem wegen Vergewaltigung und Körperverletzung schuldig gesprochen. Im Prozess kamen neue Vorwürfe ans Licht. Nun gibt es weitere Anklagen.

Marvin S. wurde im Juli zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.
Marvin S. wurde im Juli zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.Pressefoto Wagner

Erst vor einigen Wochen wurde der 38-Jährige wegen der brutalen Vergewaltigung einer Abiturientin zu einer Haftstrafe verurteilt. Er hatte mit der jungen Frau harte Drogen genommen, mit denen sie nicht umgehen konnte. Als sie bewusstlos war, missbrauchte und misshandelte er sie, beschmierte ihren Körper mit erniedrigenden Wörtern. Davon ist das Gericht überzeugt. Die Tat filmte er mit seinem Handy und dem des Opfers. Die Auswertung seines Mobiltelefons brachte die Ermittler auf einen fürchterlichen Verdacht.

Hat Marvin S. noch weitere Vergewaltigungen begangen? Aufnahmen auf dem Gerät legen das nahe. Nun hat das Berliner Landgericht zwei weitere Anklagen gegen Marvin S. zugelassen. Wie eine Sprecherin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, soll darüber ab dem 2. Oktober verhandelt werden.

Konkret geht es um vier Taten zulasten von zwei Frauen. Die mutmaßlichen Opfer sollen ebenfalls bewusstlos gewesen ein. Eine Tat soll sich im Februar 2020 zugetragen haben, die anderen drei in der Zeit von März bis Juni 2021. Die Anklage lautet auf Vergewaltigung wehrloser Personen. Der 38-Jährige soll auch diese Vorfälle mit seinem Handy aufgezeichnet haben. Das Gericht hat bislang elf Prozesstage bis Ende November geplant. Kommt es zur Verurteilung, strebt die Berliner Staatsanwaltschaft eine Sicherungsverwahrung für den Mann an.

Weitere Vorwürfe gegen Marvin S. wurden erst im Prozess bekannt

Der 38-Jährige war Mitte Juli wegen der Vergewaltigung einer bewusstlosen Abiturientin zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Auch der fahrlässigen Körperverletzung, Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und Besitzes von Kinderpornografie wurde er schuldig gesprochen. Die Ermittler hatten bei einer Durchsuchung Kinderpornografie im Umfang von 33 Stunden in seiner Wohnung gefunden.

Marvin S. wurde zu einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts hatte er im April 2022 die damals 20-Jährige in seiner Steglitzer Wohnung zum Konsum von verschiedenen Drogen animiert und ihren desolaten Zustand ausgenutzt, um einseitig sexuelle Handlungen vorzunehmen. Stunden später wurde die junge Frau ins Krankenhaus eingeliefert, nahezu leblos. Eine Notärztin hatte sie zwölf Minuten reanimieren müssen. Fünf Tage lang lag die Abiturientin im Koma, sie leidet bis heute unter den Langzeitfolgen.

Was genau passierte, war lange unklar. Das Opfer hat aufgrund einer retrograden Amnesie keine Erinnerung an die Nacht, die sie traumatisiert hat. S. schwieg lange. Doch einige Videos und Fotos, die S. mit seinem und dem Handy seines Opfers machte, gaben Aufschluss. Eines von ihnen zeigt augenscheinlich einvernehmlichen Sex. Andere zeigen, wie sich S. an einer kognitiv stark eingeschränkten oder bewusstlosen B. vergeht, sie missbraucht und misshandelt. Das Gericht sah es daher als erwiesen an, dass Marvin S. die Schülerin vergewaltigt hat, als sie nicht mehr Herrin ihrer Sinne war. Die junge Frau war bereits stark betrunken gewesen, als sie den Täter an einer Bushaltestelle kenngelernt hatte. In seiner Wohnung nahm sie mit S. zusammen – offenbar ohne Zwang, aber ohne das Risiko zu kennen – Heroin und Crack.

Das Gericht sprach von einem „verstörenden Tatbild“. Der Angeklagte hatte im Prozess erklärt, sexuelle Handlungen seien einvernehmlich gewesen. Das hielt das Gericht für nicht glaubwürdig. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Das Opfer, Nebenklägerin im Verfahren, hat laut Gerichtssprecherin Rechtsmittel eingelegt. Die neuen Vorwürfe wurden erst während des ersten Prozesses bekannt, als das Gericht das Handy des Angeklagten auswerten ließ. Der 38-Jährige wurde in der Folge im April 2025 im Gerichtssaal festgenommen und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft.