Der Tod eines chinesischen Forschers an der University of Michigan sorgt für wachsende Spannungen zwischen den USA und China. Der Wissenschaftler, laut CBS News als Danhao Wang identifiziert, wurde am 19. März tot in einem Universitätsgebäude gefunden.
Die Hochschulpolizei teilte mit, Wang sei nach einem Sturz aus größerer Höhe entdeckt worden. Der Fall werde als möglicher Suizid untersucht. Offizielle Stellen äußerten sich bislang nicht abschließend zu den Umständen.
Brisant ist jedoch, dass Wang kurz vor seinem Tod Kontakt zu US-Bundesermittlern hatte. Details zu diesem Gespräch sind nicht öffentlich. US-Behörden machten bislang keine Angaben dazu, ob ein Zusammenhang mit laufenden Ermittlungen besteht.
China spricht von „feindseligen Verhören“
Die chinesische Regierung reagierte ungewöhnlich deutlich. Ein Sprecher der Botschaft in Washington erklärte laut BBC, man sei „zutiefst erschüttert“ über den Fall. Peking habe „wiederholt ernste Vorstellungen“ bei US-Behörden und Universitäten vorgebracht.
Das chinesische Außenministerium ging noch weiter. Es erklärte, ein chinesischer Wissenschaftler habe sich das Leben genommen, nachdem er „feindseligen Befragungen durch US-Strafverfolgungsbehörden“ ausgesetzt gewesen sei. Diese hätten die Rechte chinesischer Staatsbürger verletzt und das Klima für wissenschaftlichen Austausch „vergiftet“. China forderte eine umfassende Untersuchung und eine „verantwortungsvolle Erklärung“ gegenüber der Familie.
Verunsicherung unter internationalen Forschern
An der University of Michigan wächst der Druck. Vertreter von Nachwuchswissenschaftlern berichten von großer Verunsicherung unter internationalen Forschern. Laut einer Organisation für Postdoktoranden sind rund 60 Prozent der Forschenden an der Universität aus dem Ausland.
Ein Sprecher der Gruppe erklärte gegenüber CBS News, viele internationale Wissenschaftler fühlten sich zunehmend unter Druck gesetzt. Man habe Mitglieder ausdrücklich dazu aufgefordert, nicht ohne Anwalt mit Ermittlungsbehörden zu sprechen.
Aktivisten sehen den Fall nicht als Einzelfall. Es gebe eine „Serie wiederholter Maßnahmen gegen chinesische Wissenschaftler“, sagte Megan Russell von der Organisation Codepink dem Sender.
Hintergrund: Misstrauen und Sicherheitsdebatte
Der Fall kommt zu einem Zeitpunkt, in dem das Verhältnis zwischen Washington und Peking ohnehin angespannt ist. Die USA haben in den vergangenen Jahren ihre Kontrollen gegenüber chinesischen Studierenden und Forschern verschärft und dies mit nationalen Sicherheitsinteressen begründet.
Bereits 2020 hatte US-Präsident Donald Trump während seiner ersten Amtszeit ein Dekret unterzeichnet, das chinesischen Forschern mit mutmaßlichen Militärkontakten die Einreise erschwerte. Auch später wurden Visa-Regeln wiederholt verschärft und teilweise wieder gelockert. Der aktuelle Fall dürfte die Debatte neu anheizen. Für China steht nicht nur die Aufklärung eines Todesfalls im Raum, sondern auch die Frage, ob chinesische Wissenschaftler in den USA ausreichend geschützt sind.
Forderungen nach Aufklärung
Während die Ermittlungen weiterlaufen, fordern Studenten und Initiativen an der Universität Antworten. Für die kommenden Tage ist eine Gedenkveranstaltung geplant. Die Universität erklärte, man unterstütze die Aufklärung und stelle Beratungsangebote für Betroffene bereit.



