Geopolitik

Trump attackiert Nato und spielt erneut mit Grönland: „Erinnert euch an dieses Stück Eis“

Nach einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte verschärft Donald Trump seine Kritik am Bündnis. Seine Worte zu Grönland klingen wie eine Warnung.

US-Präsident Donald Trump (r) trifft sich mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte im Oval Office des Weißen Hauses (Archivbild).
US-Präsident Donald Trump (r) trifft sich mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte im Oval Office des Weißen Hauses (Archivbild).Alex Brandon/dpa

US-Präsident Donald Trump hat seine Angriffe auf die Nato nach einem Gespräch mit Generalsekretär Mark Rutte deutlich verschärft. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er in Großbuchstaben: „Die Nato war nicht da, als wir sie brauchten, und sie wird auch nicht da sein, wenn wir sie wieder brauchen.“

Trump wirft mehreren Bündnispartnern vor, die USA im Krieg gegen den Iran nicht ausreichend zu unterstützen. Konkret geht es unter anderem um die Sicherung der Straße von Hormus, eine der wichtigsten Handelsrouten für Öl und Flüssiggas weltweit. Mehrere europäische Staaten haben sich mit Zusagen bislang zurückgehalten.

Rutte bestätigte nach dem Treffen im Gespräch mit dem US-Sender CNN, Trump sei „eindeutig enttäuscht“. Zugleich sprach er von einer „sehr offenen Diskussion zwischen zwei Freunden“.

Trump: „Erinnert euch an Grönland“

Besonders brisant ist eine weitere Passage von Trumps Beitrag. Darin fordert er die Nato-Partner auf: „Erinnert euch an Grönland, dieses große, schlecht verwaltete Stück Eis.“

Die Äußerung knüpft an einen Streit an, der das Bündnis bereits zu Jahresbeginn belastet hatte. Damals hatte Trump erklärt, die USA wollten die strategisch wichtige Arktisinsel übernehmen, notfalls auch mit militärischem Druck. Nach heftigen Reaktionen aus Europa relativierte er diese Pläne, beharrte aber auf Gesprächen.

Grönland gehört zum Nato-Mitglied Dänemark, verfügt jedoch über weitgehende Autonomie. Die Regierung in Kopenhagen und die Führung in Grönland lehnen eine Übernahme durch die USA strikt ab.

Konflikt um den Iran als Auslöser

Hintergrund der aktuellen Spannungen ist der Krieg gegen den Iran. Teheran hatte nach Angriffen der Vereinigten Staaten und Israels Anfang März die Straße von Hormus blockiert. Der Schiffsverkehr kam weitgehend zum Erliegen, die Preise auf den Energiemärkten stiegen deutlich.

Washington drängt seitdem auf mehr Unterstützung durch Verbündete. Laut einem Bericht des Wall Street Journal erwägt die US-Regierung sogar, die Nato für fehlende Hilfe „zu bestrafen“, etwa durch einen Abzug von Truppen aus Ländern, die sich nicht beteiligt haben. Trump hatte bereits vor etwa drei Wochen die Nato-Verbündeten als „Feiglinge“ bezeichnet und gedroht: „Wir werden uns daran erinnern.“ Ohne die Vereinigten Staaten sei die Nato nichts weiter als „ein Papiertiger“.

Droht ein Bruch im Bündnis?

Trumps wiederholte Kritik schürt erneut Zweifel an der Verlässlichkeit der USA innerhalb der Nato. Auch ein möglicher Austritt steht im Raum. Allerdings müsste der US-Senat einem solchen Schritt mit Zweidrittelmehrheit zustimmen, was als äußerst unwahrscheinlich gilt.

Rutte wich Fragen zu einem möglichen Rückzug der USA aus. Er betonte jedoch, dass „eine große Mehrheit der europäischen Länder“ ihre Zusagen erfüllt habe.

Strategische Bedeutung der Arktis

Vor wenigen Monaten hatte der US-Präsident das Fundament der Nato bereits ins Wanken gebracht, indem er damit drohte, dem Bündnispartner Dänemark Grönland zu wegzunehmen - bevor er abrupt zurückruderte. Rutte, der als Vermittler zwischen Trump und dem Rest der Allianz gilt, hatte damals dazu beigetragen, den Streit um die US-Besitzansprüche auf das dänische Autonomiegebiet zu entschärfen.

Die erneute Bezugnahme auf Grönland zeigt erneut, wie zentral die Arktis für die geopolitischen Überlegungen der US-Regierung ist. Trump hatte seinen Vorstoß unter anderem damit begründet, die Insel müsse vor Einfluss aus Russland und China geschützt werden.

Grönland ist zu rund vier Fünfteln mit Eis bedeckt, aber reich an Rohstoffen und militärisch strategisch gelegen. Auf der Insel leben knapp 57.000 Menschen. Die Regierung in Dänemark warnte bereits, eine Annexion Grönlands durch die USA würde das westliche Verteidigungsbündnis grundlegend erschüttern.