Iran-Krieg

Drohender Kerosinmangel: Klingbeil fordert Reiche zur Vorbereitung auf

Der Bundesfinanzminister fordert die Wirtschaftsministerin auf, auf einen drohenden Kerosinmangel vorzubereiten. Die IEA warnt vor Engpässen schon im kommenden Monat.

Katherina Reiche (CDU) geriet zuletzt mit Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) in einen offenen Konflikt.
Katherina Reiche (CDU) geriet zuletzt mit Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) in einen offenen Konflikt.Bernd von Jutrczenka/dpa

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat eindringlich vor den Folgen des Irankriegs für die deutsche Wirtschaft gewarnt und die Bundesregierung zu mehr Vorsorge bei der Treibstoffversorgung aufgerufen. „Wir müssen die Warnungen vor Kerosinknappheit sehr ernst nehmen“, sagte Klingbeil dem Spiegel. „Für mich ist klar: Wir sollten nicht nur das Preisproblem angehen, sondern müssen jederzeit auch die Versorgungssicherheit im Blick haben“.

Mit dieser Aussage richtet sich Klingbeil indirekt an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die einen akuten Mangel an Kerosin bislang verneint hat. Damit steht Reiche im Widerspruch zu Einschätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA), die bereits für den kommenden Monat Engpässe in Europa prognostiziert.

IEA: Flüge werden werden Kerosinmangels gestrichen

Laut IEA-Direktor Fatih Birol verfügt Europa nur noch über einen Kerosinvorrat von etwa sechs Wochen. „Bald werden wir hören, dass Flüge von Stadt A nach Stadt B wegen fehlenden Kerosins gestrichen werden“, sagte Birol der Nachrichtenagentur AP.

Klingbeil zog einen direkten Vergleich zur Energiekrise nach dem russischen Überfall auf die Ukraine: „Wir sind in einer Situation, die ähnlich herausfordernd ist wie die Energiekrise nach dem russischen Überfall auf die Ukraine“. Neben dem Kerosinproblem nannte er die hohen Spritpreise und den Mangel an Düngemitteln durch die Schließung der Straße von Hormus als drängende Themen.

Klingbeil hat angeordnet, die Lage an den Finanzmärkten seit Ausbruch des Irankriegs intensiver zu beobachten. Auch der von der Bundesregierung beschlossene Tankrabatt von 17 Cent pro Liter Sprit, der derzeit auf zwei Monate begrenzt ist, dürfte nach Einschätzung des Finanzministers Gegenstand einer Verlängerungsdebatte werden, wenn sich die Situation nicht entspannt.

Der Finanzminister verknüpft seine Warnungen mit einer Aufforderung an den Koalitionspartner Union. Deutschland müsse resilienter und weniger abhängig von fossilen Energieimporten werden. Auch beim Ausbau der erneuerbaren Energien und beim Netzausbau sieht er Reiche in der Pflicht.

Zuletzt gerieten Klingbeil und Reiche in einen offenen Streit, nachdem Reiche die SPD und Klingbeil im Streit über Entlastungen bei den Energiepreisen scharf kritisiert hatte.

Die EU-Kommission arbeitet laut einem Reuters vorliegenden Entwurf an Gegenmaßnahmen. Ab dem kommenden Monat soll eine EU-weite Erfassung der Raffineriekapazitäten für Ölprodukte eingeführt werden. Europa importiert rund 75 Prozent seines Flugkraftstoffs aus dem Nahen Osten, der Großteil davon wird durch die Straße von Hormus transportiert.