Die scheidende SPD-Co-Chefin Saskia Esken hat sich über den medialen Umgang mit ihr und die Debatte über ihre Person kritisiert. „Wenn die öffentliche Jagd begonnen hat, werden positive Stimmen auch gern ignoriert“, erklärte sie der Tageszeitung taz. Esken nannte die öffentliche Diskussion um ihre berufliche Zukunft „unangemessen“. Es gebe „so viele wichtige Themen, über die wir sprechen müssten“, sagte Esken. „Stattdessen redet man über Personalien. Das war schade.“
Esken war nach dem historisch schlechtesten Abschneiden der SPD bei einer Bundestagswahl im Februar verstärkt in die öffentliche Kritik geraten. Ihr Co-Parteichef Lars Klingbeil dagegen wurde zum Vizekanzler und Finanzminister in der neuen schwarz-roten Bundesregierung befördert.
Esken kündigte am Sonntag an, beim Parteitag im Juni nicht mehr für den Parteivorsitz zu kandidieren. Nachfolgerin an der Seite Klingbeils soll die neue Bundesarbeitsministerin und ehemalige Bundestagspräsidentin Bärbel Bas werden.
Wirklich mangelnde Unterstützung? Esken verrät Details über Bas-Interview
Frauen hätten es in der Politik außerdem schwerer als Männer, sagte Esken. „Wir müssen doppelt so viel bringen. Was die männliche Welt von politisch aktiven Frauen erwartet, ist höchst widersprüchlich und deshalb unerfüllbar.“
Esken erläuterte, dass etwa ein Interview mit Bas suggestiv als mangelnde Unterstützung für sie gedeutet wurde. „Frau Bas wurde in einem Interview gefragt, ob sie Lars Klingbeils Kandidatur als Parteivorsitzender unterstützt. Sie sagte Ja. Und hat darauf gewartet, dass man sie fragt, ob sie meine Kandidatur unterstützt“, sagte Esken. „Die Frage wurde nicht gestellt. Daraus wurde gemacht: ‚Bas schweigt zu Esken‘. Das ist eine miese Tour.“
Auch erklärte Esken: „Als Christine Lambrecht als Bundesministerin angegriffen wurde, gab es die Überlegung, ob ich mich für sie in die Bresche werfen sollte. Hätte ich es getan, hätte es geheißen: Jetzt braucht sie schon Unterstützung von der Parteivorsitzenden. Solidarität zu zeigen, ist ein schmaler Grat. Wenn sich jemand nicht öffentlich äußert, ist das nicht zwingend ein Zeichen mangelnder Solidarität.“


