Die gute Nachricht vorneweg: Den beiden Ende März aus einem Regenrohr in Spandau befreiten Fuchswelpen soll es den Umständen entsprechend gut gehen. „Sie sind schon wieder flink und fröhlich“, sagt Mareike Seadini von der Berliner Fuchshilfe. Die Organisation im Neuköllner Ortsteil Buckow päppelt die beiden Fuchswelpen nach der Befreiung aus einem circa zwei Meter tiefen Regenrohr in Spandau durch die Feuerwehr auf.
Mareike Seadini schätzt, dass die Welpen tagelang ohne Nahrung und Wasser bei großer Kälte in der Enge unter dem Erdboden gefangen waren. „Sie waren nur noch Haut und Knochen, als sie zu uns kamen“, sagt sie.
Mit einer speziellen Welpenmilch und Infusionen mit Flüssigkeit sollen die beiden Jungtiere wieder zu Kräften kommen. „Wir haben sie besonders warm gehalten, sie waren stark unterkühlt“, sagt Seadini. Sie schätzt das Alter der beiden Tiere auf sieben Wochen und geht davon aus, dass es sich bei der Fähe und dem Rüden um Geschwister aus dem selben Wurf handelt. Die Füchsin sei kleiner und schwächer als ihr mutmaßlicher Bruder. Sie müsse etwas mehr kämpfen, schildert die Tierschützerin.
Die Berliner Fuchshilfe nahm die beiden Jungtiere nach dem Einsatz von Polizei und Feuerwehr in Spandau in Obhut. Anwohner hatten Alarm geschlagen, nachdem sie tagelang Tierschreie vernommen hatten. Mitglieder der Feuerwehr zogen die Welpen aus dem Rohr und brachten sie zunächst auf ein Polizeirevier.
Seadini schätzt, dass die beiden Welpen zwei bis drei Wochen bei der Fuchshilfe verbleiben werden. Dann würden sie ausgewildert. Vorgesehen sei, sie in der Nähe des Fundortes auszusetzen. Sie sollen im Idealfall ihr Muttertier wiederfinden. „Wir wissen aber nicht, ob die Mutter nach dem Trubel schon weitergezogen ist, sagt Seadini.
Die Berliner Fuchshilfe sprach in einem Post auf der Internetplattform Instagram von einer späten Rettung für die Welpen. „Warum die Anwohner, die die Schreie der Kleinen seit Tagen gehört haben, erst heute Hilfe holte, wissen wir nicht“, heißt es in einem Beitrag vom 30. März. Es müsse schnell geholfen werden, wenn Tiere verletzt wirkten oder sich in Gefahr befänden, betont die Tierschützerin.
Professionelle Helfer sollten Tiere retten
Berliner sollten die Fuchshilfe informieren und bis zum Eintreffen der Tierschützer vor Ort bleiben, statt auf eigene Faust einem verwundeten oder sich in Gefahr befindenden Tier zu helfen, rät die Organisation. Fotos oder Videos vom Zustand der Füchse ermöglichten eine bessere Einschätzung der Lage.
Auch Derk Ehlert, Wildtierexperte des Landes Berlin, rät von eigenem Eingreifen ab. Im Zweifel sollten sich geschulte Helfer um Tiere in Gefahr kümmern, betont Ehlert. Er warnt aber davor, zu schnell aktiv zu werden. Wenn ein Jungtier auf dem Boden kauere und auf Menschen verloren wirke, sollte nicht sofort eingegriffen werden. In der Regel seien die Elterntiere in der Nähe. Und sie kümmerten sich.
Werde ein Tier nach einem Hilfseinsatz aus seiner Umgebung entfernt und auf einer Auffangstation versorgt, drohe der Kontakt zu den Elterntieren abzureißen. „Nach einigen Wochen stellt sich die Frage, ob das Tier überhaupt wieder in die Natur entlassen werden kann“, sagt Ehlert. Es sei dann auf Menschen geprägt.
Artenschützer wollen Vielfalt bewahren
Tier- und Artenschützer haben unterschiedliche Positionen. Tierschutz betont das Wohlbefinden und die Rechte des einzelnen Lebewesens. Beim Artenschutz geht es um den Erhalt der Tierpopulation und die biologische Vielfalt.
Derk Ehlert kümmert sich im Auftrag des Landes um die Berliner Wildtierarten. Er macht sich um die Füchse Berlins wenig Sorgen. Der auf 4500 Füchse geschätzte Bestand habe sich gut eingerichtet in der Großstadt. Jäger müssten die Füchse in der Stadt nicht fürchten. „Wir sehen, dass die Reviere in der Stadt kleiner sind. Das ist ein deutlicher Hinweis auf ein gutes Nahrungsangebot für Füchse in Berlin“, sagt Ehlert.
Füchse fressen Ratten und Mäuse
Das sieht auch Mareike Seadini ähnlich. Füchse könnten sich in Berlin an vielen Ratten und Mäusen stattessen. Sie bekämpften mit ihrem Appetit Berlins Rattenplage auf natürliche Weise. „Dafür sollten wir ihnen dankbar sein“, sagt sie.
Eine Gefahr für Füchse gehe in der Großstadt von Infektionskrankheiten wie der Staupe aus, erklärt Ehlert. Zivilisationsbedingte Gefahrenquellen wie der Straßenverkehr stellten für Menschen wie Tiere in der Stadt ein Risiko dar. Der Sturz der beiden Welpen sei aus seiner Sicht ein Unfall gewesen sein. „Das dürfte beim Herumtollen der Tiere passiert sein“, sagt er.
Das Abdecken von Löchern oder offenen Rohren könne Tieren ein qualvolles Verenden ersparen. „Aber das Interesse wäre jetzt nicht so groß, wenn Frösche oder Ratten in dem Rohr festgesteckt hätten“, sagt Ehlert.
Empathie für Jungtiere ist menschlich
Er vergleicht die Anteilnahme an der Rettung der Fuchswelpen in Spandau mit dem öffentlichen Interesse an dem gestrandeten Buckelwal vor dem Timmendorfer Strand. Die Empfindungen seien „typisch menschlich“. Psychologen sprechen vom Kindchenschema. Runde Gesichter, große Augen und tollpatschige Bewegungen lösten bei Menschen ein Bedürfnis aus, sich um Jungtiere mit diesen Merkmalen zu kümmern. Wale gelten aufgrund ihrer Intelligenz als Menschen nahestehend.










