Sie schleichen sich an. Sie tragen schwarze Masken über den Augen. Die kleinen Gangster hinterlassen Tapser in Beeten und richten mitunter Chaos an: die Waschbären, die in Berlin immer zahlreicher werden.
Wer einen Garten und eine Wildkamera hat, erhält mit etwas Glück interessante Aufnahmen – zum Beispiel so eine, die ein Gartenbesitzer aus Treptow-Köpenick jetzt der Berliner Zeitung zur Verfügung stellte: Eine ganze Waschbärenfamilie dringt in einen Garten ein und interessiert sich für das Hochbeet.
Manche Leute finden die aus Amerika stammenden Tiere, die sich in den vergangenen 80 Jahren stark in Deutschland verbreiteten, einfach nur niedlich. Andere sind von ihnen nicht besonders begeistert und sehen in Waschbären vor allem Schädlinge ohne natürlichen Feind, die zum Beispiel Vogelnester plündern.
Schätzungen zufolge leben in Berlin mittlerweile bis zu 10.000 Waschbären. Und so häufen sich bei den Behörden die Beschwerden. Denn die Tiere richten an Gebäuden und technischer Infrastruktur zum Teil erhebliche Schäden an. Besonders problematisch sei, dass sich Waschbären unter Dächern und in anderen Gebäudeteilen einnisten und dort teils massive Zerstörungen hinterlassen, heißt es in einer Antwort der Senatsverwaltung für Umwelt auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen, die wissen wollten, warum der Berliner Senat im vergangenen Jahr die Schonzeiten für Waschbären und auch für Nutrias gestrichen hat, in denen die Tiere nicht gejagt werden dürfen.
Waschbären gefährden Vögel und Amphibien
Laut Umweltverwaltung gefährden Waschbären und Nutrias in Schutzgebieten Vögel und Amphibien, weshalb eine Anpassung der Jagdzeiten für diese jagdbaren invasiven Arten erfolgt sei. Die regelmäßig wiederkehrenden Konfliktfälle, verbunden mit einer „regelmäßigen Beschwerdelage bzw. Hilfeersuchen der Bevölkerung“, hätten zur Aufhebung der Schonzeiten geführt.
Waschbären dürfen mittlerweile in elf Bundesländern das ganze Jahr über geschossen werden. In der Antwort der Umweltverwaltung auf die kritischen Nachfragen der Grünen heißt es dazu: „Mit einer ganzjährigen Bejagung ist keine nachhaltige Bestandsreduzierung möglich. Sie dient aber einem Management im Zusammenleben der städtischen Bevölkerung mit Wildtieren.“


