Tierrettung

Gestrandeter Wal: Meeresbiologe sieht nur geringe Rettungschance

Rettungsversuch mit Bagger soll Tier von Sandbank befreien. Doch es sieht nicht gut aus. Hat der Wal die Sandbank aufgesucht, um dort zu sterben?

Der in der Lübecker Bucht gestrandete Buckelwal hat eine weitere Nacht überstanden.
Der in der Lübecker Bucht gestrandete Buckelwal hat eine weitere Nacht überstanden.IMAGO/Susanne Hübner, Susanne Huebner

Ein auf einer Sandbank vor Niendorf im Kreis Ostholstein gestrandeter Buckelwal hält Tierschützer und Experten in Atem. Der Meeresbiologe und Tierschützer Robert Marc Lehmann tauchte am Morgen zu dem Tier und schätzt die Rettungschancen als gering ein. „Er reagiert, er hat beide Augen auf, er vokalisiert, aber er ist verdammt unsicher und er hat Angst", sagte Lehmann nach seinem Tauchgang dem NDR. Zudem hänge noch ein Seil aus dem Maul des Wals.

Dennoch gab Lehmann die Rettung nicht auf: „Es ist noch Leben drinnen, wenn ich ihn antippe, dann möchte er." Vom Ufer aus war zu beobachten, wie der Wal sich bewegte und Brummlaute von sich gab.

Für den nächsten Rettungsversuch soll nun ein schwimmender Schaufelbagger eingesetzt werden. Ziel ist es, eine Rinne in die Sandbank zu graben, damit der Wal ins tiefere Wasser gelangen kann. Ein zweiter Bagger soll von der Landseite aus unterstützen, erklärte Sven Partheil-Böhnke (FDP), Bürgermeister der Gemeinde Timmendorfer Strand, zu der Niendorf gehört. Die Stimmung vor Ort sei angespannt, niemand könne den Ausgang der Aktion vorhersagen, so Partheil-Böhnke.

Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) in Büsum im Kreis Dithmarschen beschrieb die Herausforderung: „Die Sandbank vor dem Wal ist etwa 50 bis 60 Meter breit. Das Ziel wäre, drei bis vier Meter auszubaggern, sodass genug Wasser unter dem Wal ist, sodass er da auch durchschwimmen kann."

Erster Rettungsversuch mit Saugbagger scheiterte

Bereits am Dienstag war ein Saugbagger im Einsatz, der unter dem Wal eine Schneise freilegen sollte. Das Gerät schaffte zwar einen ersten Kanal, doch dieser reichte nicht aus, um den Wal zum Schwimmen zu bewegen. Nach rund zwei Stunden musste der Versuch abgebrochen werden – der Sand erwies sich als zu fest.

Messungen des ITAW zeigen, dass es sich um ein gewaltiges Tier handelt: Der Wal ist zwischen 12 und 15 Metern lang und wiegt geschätzt rund 15 Tonnen, erklärte Joseph Schnitzler vom ITAW. Es sei äußerst schwierig, ein so massives Tier in tieferes Wasser zu bewegen. Seine Haut sei offenbar durch den geringen Salzgehalt der Ostsee stark angegriffen. Seevögel sitzen auf dem Tier und picken an ihm.

Experten vermuten, dass der Wal krank sein könnte

Fachleute vom ITAW gehen davon aus, dass es sich um einen jungen Walbullen handelt, der auf Wanderschaft war. ITAW-Sprecherin Groß erklärte, das Tier könnte versehentlich in den Flachwasserbereich geraten sein. Allerdings wirke der Wal auch nicht vollständig gesund und habe sich möglicherweise bewusst an diese Stelle begeben, um sich auszuruhen.

Noch düsterer fällt die Einschätzung anderer Tierschützer aus: Laut einem Sprecher der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd könnte der Wal die Sandbank aufgesucht haben, um dort zu sterben. Verena Platt-Till, Meeresschutzreferentin beim BUND Schleswig-Holstein, hält dieses Szenario ebenfalls für plausibel: „Manche Wale machen das: Sie suchen flache Gewässer auf, wenn es ihnen nicht gut geht. Sie stranden quasi, um zu sterben."