Kriminalität

„Rechtsstaatliche Grundsätze mit Füßen getreten“: Remmo-Angehörige stehen vor Gericht

Wegen mutmaßlicher Rache-Anschlägen auf Autos von Justizmitarbeitern stehen vier Männer, darunter Remmo-Angehörige, vor Gericht. Die Polizei fordert harte Konsequenzen.

Prozessauftakt am Landgericht Berlin: Die Angeklagten, darunter Angehörige der Großfamilie Remmo, verbergen ihre Gesichter hinter Sichtschutzmappen.
Prozessauftakt am Landgericht Berlin: Die Angeklagten, darunter Angehörige der Großfamilie Remmo, verbergen ihre Gesichter hinter Sichtschutzmappen.Olaf Wagner

Am heutigen 16. März 2026 hat vor dem Landgericht Berlin ein aufsehenerregender Prozess gegen vier Angeklagte begonnen, darunter Mitglieder der bekannten arabischen Großfamilie Remmo.

Im Zentrum des auf zunächst acht Verhandlungstage angesetzten Verfahrens steht eine Serie von Brandstiftungen und Brandstiftungsversuchen im Umfeld von Haftanstalten im Zeitraum von März bis Juni 2024. Laut Anklage wurden dabei insgesamt 21 Autos und zwei Motorräder beschädigt.

Einschüchterung von Justizbediensteten und Rachemotiv

Die ersten beiden Taten richteten sich gezielt gegen Fahrzeuge von Mitarbeitern der JVA Heidering, die in Großbeeren in Brandenburg liegt. Weitere Brände ereigneten sich später in Berlin, nahe den Haftanstalten in Moabit und dem offenen Vollzug in Spandau. Ein heute 28-jähriger, zur Tatzeit 27-jähriger Hauptangeklagter soll aus der Haft heraus zumindest zwei dieser Taten angestiftet haben.

Als Motiv gilt Rache: Am Tag vor der ersten Tat, einem laut Ermittlungen gescheiterten Brandstiftungsversuch am 16. März 2024, war dem Hauptangeklagten bei einer Kontrolle ein illegales Mobiltelefon aus dem Haftraum abgenommen worden. Komplizen in Freiheit sollen die Befehle anschließend in die Tat umgesetzt haben.

Polizeigewerkschaft warnt vor Kontrollverlust

Zum Start der Verhandlungen hat sich die Gewerkschaft der Polizei im Landesbezirk Berlin mit einer scharfen Warnung an die Öffentlichkeit gewandt und ein konsequentes Handeln der Justiz gefordert. Benjamin Jendro, Pressesprecher der Berliner GdP, machte die Haltung der Gewerkschaft deutlich und positionierte sich aus Sicht der Polizei klar zu dem Fall: „Jeder in dieser Stadt sollte mitbekommen haben, dass Familie Remmo unsere rechtsstaatlichen Grundsätze in großen Teilen ablehnt und mit Füßen tritt.“

Für die Interessenvertretung der Beamten sind die Vorfälle ein eklatantes Beispiel dafür, wie schamlos kriminelle Netzwerke in Berlin und Brandenburg agieren können.

Forderung nach unmissverständlichen Signalen der Justiz

Besonders alarmierend bewertet die GdP aus ihrer Perspektive die Tatsache, dass Taten unmittelbar aus dem laufenden Strafvollzug heraus gesteuert wurden.

Jendro fand hierfür deutliche Worte: „Die Brandstiftungen an der JVA zeigen, dass sie nicht nur jede Menge Straftaten begehen, sondern selbst im Gefängnis munter so weitermachen und meinen, sie könnten psychischen und physischen Druck dafür sorgen, dass alles nach ihrer Pfeife tanzt.“ Diese gezielte Einschüchterung greife die Institutionen direkt an.

Für die Vertreter der Polizei steht bei diesem Verfahren die grundlegende Autorität des Staates auf dem Prüfstand. Jendro forderte deshalb zum Prozessauftakt eine kompromisslose Gangart der Justiz und ergänzte mit Blick auf die Angeklagten: „Es braucht klare Signale des Rechtsstaates, um auch diese Protagonisten zu resozialisieren, sofern das überhaupt möglich ist.“