Das neue Jahr beginnt. Auch im Berliner Verkehr ändert sich einiges. Unser großer Überblick über die Neuerungen für Fahrgäste und Autofahrer.
Schneller zum Hauptbahnhof: S21, City-S-Bahn, S15 – das Projekt, das S-Bahn-Netz mit einer zweiten Nord-Süd-Tunneltrasse zu entlasten, hatte bereits einige Namen gehabt. Und es dauert schon ziemlich lange: 2000 wurde der erste Spatenstich für vorbereitende Maßnahmen gefeiert. Jetzt rückt nach vielen Verzögerungen die Eröffnung des ersten Abschnitts in Sicht. Die 2,3 Kilometer lange Verbindung zwischen Wedding und dem provisorischen Tunnelbahnhof an der Invalidenstraße soll am 28. März 2026 nach mehreren Verzögerungen endlich ans Netz gehen. Die neue S15 wird Gesundbrunnen und Hauptbahnhof im Zehn-Minuten-Takt verbinden.
Schneller über die Spree: Die Eröffnung der Autobahn A100 von Neukölln nach Treptow hat die Stausituation rund um die provisorische Elsenbrücke verschärft. Ende Januar 2026 soll die Spreequerung zwischen Treptow und Friedrichshain mehr Kapazität bekommen, verspricht Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU). Dann werde die erste Hälfte der neuen Brücke, die als Ersatz für das rissig gewordene Bauwerk aus DDR-Zeiten entsteht, freigegeben. Zunächst stehen statt einem dann zwei Fahrstreifen pro Richtung zur Verfügung, nach dem Abschluss von Leitungsarbeiten je drei Fahrstreifen.
Entscheidung über die Weiterführung der A100: Das Bundesprojekt, den Stadtring in den Osten von Berlin zu verlängern, ist in Treptow nicht zu Ende. Weiterhin ist geplant, die A100 weiterzuführen – als Autobahn zur Frankfurter Allee, als Stadtstraße zur Storkower Straße. Noch nicht entschieden ist, wie der 17. Bauabschnitt die Spree quert: in einem Tunnel (im Schildvortrieb oder in einer Baugrube) oder auf einer Brücke neben der ersten Hälfte der neuen Elsenbrücke. Die Machbarkeitsuntersuchung, die für Ende 2025 angekündigt war, soll Mai oder Juni 2026 vorliegen, so die Autobahn GmbH.
Engpass auf der Stadtautobahn beseitigt: Als auf der Autobahnbrücke über die Mecklenburgische Straße in Wilmersdorf im Herbst auch noch der zweite von drei Fahrstreifen in Richtung Dreieck Funkturm wegen Bauschäden gesperrt werden musste, wurden Befürchtungen laut. Droht diesem Spannbetonbauwerk das Schicksal der Ringbahnbrücke am ICC, die abgerissen wurde? Inzwischen steht fest, dass der Beton saniert und mit Stahlstreben verstärkt werden kann. Das Nadelöhr auf der A100 soll im Mai oder Juni 2026 beseitigt sein, verspricht die Autobahn GmbH des Bundes.

Masterplan Brücken: Das seit langem versprochene Konzept für die Brücken im Eigentum des Landes Berlin soll 2026 endlich kommen, verspricht Senatorin Bonde. Es soll Wege aufzeigen, Verfahren zu straffen und Sanierungs- sowie Neubauprojekte erheblich zu beschleunigen. Vorbild sei das „Berlin-Tempo“ bei der Brücke An der Wuhlheide in Oberschöneweide, die in wenigen Tagen abgerissen wurde. 2026 stehen für die Brücken 108 Millionen Euro bereit (inklusive Sondervermögen des Bundes). Insgesamt investiert Berlin 2,83 Milliarden Euro in die Infrastruktur.
Fahrpreise steigen: Wer die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die S-Bahn Berlin GmbH, DB Regio, die Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg) und andere Unternehmen nutzt, zahlt vom 1. Januar 2026 an mehr Geld. Die Tariferhöhung, die der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) beschlossen hat und die sich im Durchschnitt auf sechs Prozent summiert, tritt in Kraft. So steigt der Preis des Einzelfahrausweises in Berlin von 3,80 auf vier Euro. Ein Ticket für Berlin ABC, zum Beispiel von Berlin zum BER, steigt auf fünf Euro. Das Deutschlandticket verteuert sich um fünf auf 63 Euro pro Monat.
Bauarbeiten bei der Bahn (1): Ab 1. Mai 2026 sollen auf der Hamburger Bahn wieder Züge fahren. Die im August 2025 begonnene Generalsanierung ist laut DB im Zeitplan. Das wird nicht nur die ICE-Reisenden zwischen Berlin und Hamburg freuen, die wegen des Umwegs über Stendal mindestens 45 Minuten länger unterwegs sind. Pendler aus Wittenberge, Nauen und anderen Orten sind besonders betroffen: Sie müssen Bus fahren. Doch das nächste Projekt ist in Sicht: Die Sanierung der Lehrter Bahn in Richtung Hannover beginnt mit einer Sperrung vom 2. Oktober bis zum 12. Dezember 2026. Dann gibt es Schienenersatzverkehr unter anderem nach Rathenow und Stendal.

Bauarbeiten bei der Bahn (2): Die Stadtbahn, die stark frequentierte Ost-West-Strecke in der Berliner Innenstadt, wird erneut zur Baustelle. Im neuen Jahr allerdings besonders lange: Sie kann von Mitte Juni bis Mitte Dezember 2026 nur von der S-Bahn genutzt werden, die Gleise für Fern- und Regionalzüge liegen brach. Mitte 2026 geht die Sanierung des Bahnhofs Alexanderplatz in Mitte in die Vollen. Die Bahnsteige bleiben weiterhin zugänglich, doch das darunter gelegene Viadukt wird entkernt und erneuert. Die Bauarbeiten in der wichtigen Station sollen bis Mitte 2029 dauern, so die Bahn.
Das Straßenbahnnetz wächst – langsam: „Für die Straßenbahnstrecke Turmstraße II in Moabit wird im neuen Jahr das Planfeststellungsverfahren eingeleitet“, teilt der Senat mit. Anders als angekündigt kann für die Trasse nach Jungfernheide vor der Wahl im September 2026 kein Spatenstich mehr gesetzt werden. „Der aktuelle Zeitplan muss überarbeitet werden“, so der Senat in seiner Antwort auf eine Anfrage des Linke-Abgeordneten Kristian Ronneburg. „Die Neubauvorhaben Urban Tech Republic und Elisabeth-Aue starten in die Vorplanung“, heißt es weiter. Dem Endlosprojekt Tram zum Ostkreuz droht eine weitere Schleife: eine erneute Auslegung der Unterlagen.


