Eine Million Euro Belohnung hat Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CDU) ausgesetzt für Hinweise, die zur Aufklärung des Anschlags auf die Stromversorgung im Berliner Südwesten führen. Die Belohnung ist aber nur bis zum 24. Februar befristet – laut Innenministerium aus ermittlungstaktischen Gründen.
Die Generalbundesanwaltschaft, die die Ermittlungen wegen Terror übernommen hat, geht davon aus, dass linksextremistische Öko-Anarchisten die Tat am Morgen des 3. Januar verübt haben. Damals explodierten mehrere Brandsätze an einer Kabelbrücke, wodurch ein Kurzschluss die Stromversorgung für rund 45.000 Haushalte und rund 2.200 Gewerbebetriebe in Steglitz-Zehlendorf bis zu fünf Tage lahmlegte.
Die Belohnung ist außergewöhnlich hoch. Die Fahnder des Berliner Landes- und des Bundeskriminalamtes hoffen, dass ein Mitglied dieser hochkonspirativen Vulkangruppe, die sich zu dem Anschlag bekannte, schwach wird und seine Leute verrät.
Bereits am 9. September 2025 hatten Linksextremisten einen Brandanschlag auf zwei Strommasten am Königsheideweg in Berlin-Johannisthal verübt. Dieser führte zum bis dahin längsten Stromausfall der Berliner Nachkriegsgeschichte und betraf rund 50.000 Haushalte sowie den Technologiepark Adlershof. Danach versprach Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD): „Wir kriegen sie!“ Auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) äußerte sich nach dem Anschlag in Steglitz-Zehlendorf ähnlich.
Höhere „kriminelle Intelligenz“ als Neonazis
Doch bislang waren Verfassungsschutz und Polizei erfolglos bei der Jagd nach linksextremistischen Brandstiftern. Allein der Vulkangruppe rechnet die Polizei 18 Anschläge in Berlin und Brandenburg in den vergangenen 15 Jahren zu. Auch unter dem Label „Switch Off“, hinter dem man ebenfalls öko-anarchistische Gruppen vermutet, werden bundesweit Brandanschläge, etwa auf Bahnstrecken, verübt. Gefasst wurde bisher keiner der Täter.
Das hat nach Angaben von Ermittlern Gründe. Erschwerend für die Ermittlungen ist der Umstand, dass die linken Täter, im Gegensatz zu Rechtsextremisten, Islamisten oder Banden aus der organisierten Kriminalität eine erheblich höhere „kriminelle Intelligenz“ besitzen.

Bei ihren Taten haben sie keine eigenen Handys dabei. Wenn sie per Internet kommunizieren oder Botschaften verschicken, benutzen sie nicht ihr privates, sondern öffentliches W-Lan. Die Täter meiden U-Bahnen und andere Orte mit Kameras und achten sorgsam darauf, dass sie keine DNA am Tatort hinterlassen beziehungsweise vernichten diese bei der Brandlegung.
Die Terrorgruppen sind klein, klandestin und misstrauisch und setzen sehr stark darauf, sich gegenseitig gut zu kennen. Das erschwert das Einschleusen verdeckter Ermittler oder das Gewinnen von V-Leuten innerhalb der Gruppen. Und wenn doch mal ein „Neuer“ hinzustößt, dann muss er eine Mutprobe absolvieren, indem er eine Straftat begeht, etwa irgendwo Feuer legt. In dem Moment wäre ein V-Mann oder Verdeckter Ermittler aus dem Spiel. Denn laut Vorschrift dürfen Polizei und Verfassungsschutz diese nur führen, solange sie keine Straftaten begehen.
Der unscharfe linguistische Fingerabdruck
Bundesweit hätten Fahnder einige Verdächtige auf dem Schirm, heißt es etwa aus Brandenburg. Doch Observationen und Abhörmaßnahmen bei Verdächtigen lieferten bisher noch keinen derart dringenden Tatverdacht, dass es für Haftbefehle reichen würde. Das Misstrauen der Täter sei so groß, dass sie regelmäßig mit ihrem Auto auf die Hebebühne fahren, um diese nach Peilsendern abzusuchen.
Sowohl bei den „Switch Off“-Anschlägen als auch bei den Taten, zu denen sich verschiedene Vulkangruppen bekannt haben, geht der Verfassungsschutz mittlerweile davon aus, dass es sich um mehrere Gruppierungen handelt, die „Switch Off“ und „Vulkangruppe“ als eine Art Franchise-Label benutzen.

Auch ein Vergleich der im Internet veröffentlichten Bekennerschreiben brachte bislang wenig. Zum jüngsten Anschlag in Zehlendorf gibt es zwei Schreiben, die von ihrem Schreibstil und ihrer Diktion her von denselben Autoren stammen könnten. Ein weiteres Schreiben, das eher in Soziologendeutsch verfasst wurde, ist ebenfalls mit „Vulkangruppe“ unterzeichnet und distanziert sich von den jüngsten Taten. „Der linguistische Fingerabdruck ist nur ein sehr unscharfer Fingerabdruck“, sagt ein Fahnder.


