Gesundheit

Darum sind Blutspenden in Berlin im Moment so wichtig

Um den Jahreswechsel gehen die Spenden traditionell zurück. Die Lage ist auf niedrigem Niveau stabil, sagt das DRK. Es will dafür sorgen, dass es so bleibt.

Blut spenden am Nikolaustag in der Berliner Shoppingmall Alexa.
Blut spenden am Nikolaustag in der Berliner Shoppingmall Alexa.dpa/Pedersen

Bei einer Blutgruppe ist die Versorgungslage „bedrohlich“. So steht es in einer aktuellen Grafik des Deutschen Roten Kreuz Nordost (DRK) für die Bundesländer Berlin, Brandenburg, Hamburg, Sachsen und Schleswig-Holstein. Null negativ ist diese Blutgruppe. Bei A positiv, A minus und B minus wird die Situation als kritisch eingestuft. Insgesamt aber sei das Aufkommen an Spenden auf niedrigem Niveau stabil, sagt Kerstin Schweiger vom DRK. „Wir können nicht von einem Engpass sprechen.“ 

Der Vorrat an Blutkonserven reicht derzeit für drei Tage. „Wünschenswert wären fünf“, sagt Schweiger. Fünf Tage lang lassen sich Präparate aus Blutplättchen konservieren, solche aus roten Blutkörperchen können maximal 42 Tage gelagert werden. Angebot und Nachfrage sind schwer vorherzusagen, auch wenn es Erfahrungswerte gibt, nach denen in bestimmten Phasen des Jahres die Zahl der Spenden deutlich zurückgeht. In den Sommerferien zum Beispiel, aber auch über Weihnachten, um Silvester, im Moment.

In Berlin hat sich das DRK darauf eingestellt und versucht, möglichen Engpässen vorzubeugen. Am 26. Dezember zum Beispiel, dem zweiten Weihnachtsfeiertag, öffnete der Blutspendedienst sein Zentrum in der Shoppingmall Alexa in Mitte. „Der Termin war gut besucht“, sagt Schweiger. Die kommende Woche deklarierte das DRK zur „Woche der Gesundheit von Blutspendern“. Es gibt reichlich Obst und für die ersten 200 Teilnehmer an der Aktion einen Gutschein zum Besuch der Kristalltherme in Ludwigsfelde.

Noch bis zum 28. Februar werden Einkaufsgutscheine über 100 Euro verlost. Wer dreimal binnen eines Jahres  spendet, erhält zudem kostenlos ein großes Blutbild. Ein Arztgespräch ist ohnehin nach jedem Termin obligatorisch. Anreize für einen guten Zweck, sie könnten in Zukunft noch wichtiger werden.

Schon zu Beginn der Corona-Pandemie nahm das Aufkommen spürbar ab, doch die Zurückhaltung hat längst nachgelassen. Abzuwarten bleibt, welche Auswirkungen das derzeit erhöhte Infektionsgeschehen hierzulande hat, ob sich Covid-19 und Influenza bemerkbar machen. Einen Monat lang müssen Spender nämlich nach einer solchen Erkrankung pausieren, ebenso nach einer Therapie mit einem Antibiotikum. Es sind kurzfristige Effekte. Mittelfristig gestört werden könnte das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage aus einem anderen Grund.

Rund 15.000 Blutspenden werden täglich in Deutschland verbraucht. Großer Bedarf besteht bei Krebspatienten. „Sie benötigen zum Teil über Wochen Blutpräparate“, sagt Schweiger. Vielfach eingesetzt werden die Konserven zudem bei Organtransplantationen und zur Versorgung von Unfallopfern.

Demgegenüber stehen rund zwei Millionen Menschen, die in Deutschland regelmäßig ihr Blut geben. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) prognostiziert jedoch, dass viele dieser langjährigen Spender in den kommenden Jahren nicht mehr zur Verfügung stehen, da sie die Altersgrenze von 68 Jahren überschreiten. „Bereits heute liegt das Durchschnittsalter der Spenderinnen und Spender in vielen Einrichtungen bei über 50 Jahren“, so die BZgA.

Dazu passt eine Umfrage, in der die Bundeszentrale herausfand, warum Menschen, die schon einmal Blut gespendet haben, dies nicht mehr tun. 41 Prozent gaben gesundheitliche Gründe an. 33 Prozent verzichteten, weil sie Medikamente einnahmen, sechs Prozent, weil sie sich für zu alt hielten. Immerhin: Ein knappes Drittel der aktiven Spender war der Untersuchung zufolge zwischen 18 und 25 Jahre alt, bot also eine positive Perspektive. Und immerhin: Die Corona-Pandemie hat nach kreativen Lösungen verlangt, die in Zukunft vielleicht hilfreich sein werden. „Wir haben gelernt, mit den Anforderungen zurechtzukommen“, sagt Kerstin Schweiger.

Der Bus zum Beispiel, der vor Corona in Berlin die meisten Spenden einsammelte, steht nach wie vor still. Dafür gibt es allerdings seit Juni das Zentrum am Alexanderplatz. Dort, wo in der kommenden Woche dann auch die nächste Sonderaktion des DRK beginnt, mit Obst und Gutscheinen. Damit in der Grafik der Blutgruppen bald auch hinter Null negativ steht: „Normal.“