Stadtbild: Müllkippe

Vom „Durstlöscher“ zum Schandfleck: Die versteckten Ursachen für Berlins Abfall-Eskalation

Hinter dem sichtbaren Müll steckt ein tiefgreifendes strukturelles Problem. Erfahren Sie, warum die bisherigen Strategien der Stadtreinigung an ihre Grenzen stoßen.

Sinnbild der Wegwerfmentalität: Diese Krähe bedient sich am menschlichen Müll.
Sinnbild der Wegwerfmentalität: Diese Krähe bedient sich am menschlichen Müll.Soeren Stache/dpa

Es ist ein Bild, das sich eingebrannt hat bei allen, die regelmäßig durch Neukölln oder Mitte gehen: ein leerer Durstlöscher, plattgewalzt auf dem Gehweg. Daneben eine dieser bunten Lachgasflaschen, die inzwischen so selbstverständlich zum Straßenbild gehören wie die umgekickten E-Scooter. Ein paar Meter weiter ein Pappbecher, aus dem der letzte Rest Kaffee auf den Asphalt gelaufen ist – eine klebrige Pfütze, in der Zigarettenstummel treiben.

Berlin hat ein Müllproblem. Und es ist keines, das plötzlich gekommen wäre.

Doch in den Ausgehvierteln, dort, wo Berlin sich selbst feiert, wird der Unrat zum Menetekel. Zwischen Bars und Spätis verdichtet sich der Müll zu einem Sinnbild für den Zustand der Stadt. Liegt der leere Ayran-Becher auf dem Gehweg, empfinden viele das nicht als Lappalie, sondern als Zeichen eines schleichenden Ordnungsverlusts. Dreck ist kein bloßes Hygieneproblem. Jede verwahrloste Ecke wird zum Symbol für ein staatliches Rückzugsgefecht und für eine Bürokratie, die vor der Dynamik des Verfalls kapituliert hat.

Berlins Müllhalden – unsere Reporter entdeckten sie unter anderem in Gesundbrunnen.
Berlins Müllhalden – unsere Reporter entdeckten sie unter anderem in Gesundbrunnen.Henk Hogerzeil/Berliner Zeitung

Die Statistik des Scheiterns: Eine Kostenexplosion

Bevor man über Ursachen debattiert, muss man das Ausmaß begreifen. Berlins Müllproblem ist längst keine Randnotiz mehr, es lässt sich in Zahlen fassen, die jedes Jahr schwerer wiegen. 2024 sammelte die BSR 54.267 Kubikmeter illegal entsorgten Abfall von den Straßen – Sperrmüll, Bauschutt, Hausrat.

Um diese Masse abzutransportieren, bräuchte es eine Kolonne von rund 30 Güterzügen mit jeweils 25 Waggons. Ein rollendes Sinnbild des Kontrollverlusts. Die Rechnung für diese Sisyphusarbeit zahlt dabei nicht der Verursacher, sondern die Allgemeinheit: Über 10,3 Millionen Euro jährlich zahlt das Land Berlin allein für die Beseitigung dieser wilden Deponien.

Besonders alarmierend ist der Blick zurück, der eine regelrechte Kostenlawine offenlegt. 2020 zahlte das Land Berlin für die Beseitigung illegaler Ablagerungen noch rund 5,04 Millionen Euro. Vier Jahre später hat sich diese Summe mehr als verdoppelt – ein Anstieg, der weniger nach Ausreißer aussieht als nach Strukturproblem. Der statistische Sprung ab 2023 hat auch eine juristische Ursache: Seit dem 1. Mai jenes Jahres ist die BSR allein zuständig für die Räumung illegaler Müllkippen, einschließlich Bauschutt.

Was zuvor zwischen Bezirken und Stadtreinigung verteilt war, liegt nun in einer Hand. Transparenter macht das die Lage. Aber die Reform macht auch sichtbar, was sich jahrelang im Zuständigkeitsnebel versteckte. Der Müll war immer da. Jetzt taucht er auch vollständig in der Rechnung auf.

Grafik: BLZ. Quelle: Berlin.de – Stadtsauberkeit: Daten & Fakten

Die Schuldfrage: Fehlt es an Mülleimern und Kontrolle?

Der Prozess ist nun effizienter, die Abläufe sind klarer. Das Problem löst das nicht, die Müllberge auf Berlins Straßen wachsen weiter. Und eine unbequeme Frage drängt sich auf: Ist die Verwaltung besser darin geworden, Müll wegzufahren – als ihn zu verhindern? Macht Berlin es seinen Bürgern zu schwer, Abfall legal zu entsorgen? Oder fehlt es am Offensichtlichsten: an Mülleimern, Kapazitäten, Kontrolle?

Die Stadtreinigung selbst wehrt sich gegen die Erwartungshaltung, sie könne das Problem allein lösen. „Die BSR ist im Zusammenhang mit illegal abgelagertem Müll nur gesetzliche Auftragnehmerin für dessen Beseitigung – und somit das letzte Glied in der Kette“, sagt Sebastian Harnisch, Pressesprecher der BSR, der Berliner Zeitung. Und er appelliert an das „Verantwortungsgefühl der Menschen, die vorhandenen Entsorgungsangebote auch umfassend zu nutzen“.

Und doch zeigt der Blick ins Ausland, dass es auch anders geht. Wer einmal in Japan unterwegs war, kennt das Paradox: Kaum öffentliche Abfallbehälter, und doch kein Müll, der in den Straßen herumliegt. Leere Bento-Boxen, Dosen, Flaschen verschwinden in Rucksäcken und Taschen, werden mitgenommen, bis sich zu Hause eine korrekte Entsorgungsmöglichkeit findet. Der Befund ist unerquicklich für alle, die allein auf fehlende Tonnen verweisen: Nicht nur die Infrastruktur entscheidet darüber, ob Müll auf der Straße landet – sondern auch die Haltung, mit der Menschen den öffentlichen Raum behandeln.

Das Public-Goods-Dilemma

Doch der Müll des Flaneurs, der seinen Becher im Vorübergehen fallenlässt, ist nur die harmlose Seite des Problems. Berlin kämpft an einer zweiten Front – gegen eine deutlich kriminellere Energie. Illegale Ablagerungen von Haus- und Sperrmüll sind kein Versehen, sondern mutwilliger Regelbruch. Alte Matratzen, Kühlschränke, ganze Wohnungseinrichtungen werden gezielt auf Gehwegen abgeladen, oft nachts, oft mit Transportern ohne Kennzeichen.

Am frühen Morgen steht dann die Anwohnerin vor dem Haus und fragt sich, woher plötzlich das zerlegte Sofa kommt, das den halben Bürgersteig blockiert. Der Rollstuhlfahrer weicht auf die Straße aus, die Mutter mit dem Kinderwagen tastet sich zwischen Bauschuttsäcken hindurch. Niemand hat etwas gesehen, niemand will es gewesen sein. Wenige Stunden später wächst der Haufen weiter: Jemand stellt noch einen alten Fernseher dazu, ein anderer kippt Säcke mit Fliesenresten ab. Aus einem einzelnen Verstoß wird binnen Stunden eine wilde Deponie. Was hier entsteht, ist kein beiläufiger Dreck, sondern eine Form urbaner Verwahrlosung mit System – sichtbar, folgenlos, und für alle ein Ärgernis.

An dieser Stelle entsteht der zentrale Konflikt. Regelkonformes Verhalten ist nur stabil, solange es als allgemeingültig wahrgenommen wird. Wer seinen Müll ordnungsgemäß entsorgt, tut das in der Erwartung, dass andere es ebenfalls tun. Wird diese Erwartung systematisch enttäuscht, kippt unser Fairnessgefühl. Wir, die wir unseren Müll brav zum nächsten Eimer tragen, fühlen uns betrogen. Wenn andere die Regeln brechen und sich die Mühe sparen, warum sollte ich mich dann noch darum kümmern?

Der achtlos weggeworfene Becher wirkt deshalb so provokant, weil er signalisiert, dass Normen nicht mehr durchgesetzt werden – und dass Rücksichtnahme zur individuellen Belastung wird. Genau hier beginnt die Erosion gemeinsamer Regeln.

Wenn Bequemlichkeit über Regeln siegt, fühlen sich korrekt handelnde Bürger betrogen.
Wenn Bequemlichkeit über Regeln siegt, fühlen sich korrekt handelnde Bürger betrogen.Henk Hogerzeil/Berliner Zeitung

Es sind nicht immer die anderen

Aber sind es wirklich immer nur die rücksichtslosen anderen? Hand aufs Herz: Welcher Berliner Raucher hat nicht schon einmal die Zigarette auf den Asphalt geschnippt. Und wer hat nicht, gehetzt auf dem Weg zur U-Bahn, den leeren Pizzakarton auf den Mülleimer gelegt, weil er partout nicht durch den schmalen Schlitz passte – in dem Wissen, dass der nächste Windstoß ihn vom Deckel fegen wird. Der Regelbruch beginnt selten mit Vorsatz. Meist ist er das Resultat aus Eile, Bequemlichkeit und der Hoffnung, dass es schon jemand anderes wegräumen wird.

Auch die sperrige Matratze ist ein Klassiker der urbanen Notwehr: Wer im vierten Stock Altbau wohnt, kein Auto besitzt und auf den nächsten BSR-Abholtermin drei Wochen warten müsste, für den wird die Straßenecke zur pragmatischen Zwischenlösung. Insbesondere, wenn dort ohnehin schon ein aufgeweichtes Sofa steht, flüstert das schlechte Gewissen nur noch leise: „Das eine Teil macht den Kohl auch nicht mehr fett.“ Doch genau diese individuelle Nachlässigkeit ist kein Zufall, sondern folgt einer fatalen Kettenreaktion, die die Verwahrlosung der Stadt beschleunigt.

Die Wissenschaft hat für dieses Phänomen einen Namen: „Broken Windows Theory“. Bereits 1990 führten die Sozialpsychologen Robert Cialdini, Raymond Reno und Carl Kallgren eine heute oft zitierte Studie durch. In einem Parkhaus platzierten sie Flyer unter den Scheibenwischern von Autos. Das Ergebnis war eindeutig: War der Boden des Parkhauses bereits verschmutzt, warfen die Autofahrer die Flyer mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit einfach auf den Boden, als wenn die Umgebung sauber war. Müll zieht Müll an, weil er eine soziale Erlaubnis erteilt.

Wo bereits Müll liegt, sinkt die Hemmschwelle für Nachahmer rapide – ein psychologischer Teufelskreis, der die Stadt inzwischen über 10 Millionen Euro jährlich kostet.
Wo bereits Müll liegt, sinkt die Hemmschwelle für Nachahmer rapide – ein psychologischer Teufelskreis, der die Stadt inzwischen über 10 Millionen Euro jährlich kostet.Henk Hogerzeil/Berliner Zeitung

Organisierte Umweltkriminalität im Kiez

Sebastian Harnisch von der BSR findet hierzu deutliche Worte. Es handele sich bei diesen Ablagerungen „in erster Linie um ein ordnungsrechtliches und teilweise sogar strafrechtliches Problem“, konkret um Umweltkriminalität. Ein großes Problem dabei: Statt den legalen Weg zu gehen, vertrauen viele Bürger auf dubiose Wohnungsauflöser zum Festpreis, die ihre Dienste über Flyer oder Online-Portale aggressiv bewerben.

Illegal abgelagerter Bauschutt

Die ökonomische Logik dieser Anbieter ist ebenso simpel wie erschreckend: Um den versprochenen Niedrigpreis zu halten und dennoch Gewinn zu erzielen, werden die regulären Entsorgungsgebühren systematisch umgangen. Der Bauschutt landet dann nicht in der professionellen Verwertung, sondern im nächsten Waldstück oder an abgelegenen Straßenrändern. So wird die individuelle Bequemlichkeit des Auftraggebers indirekt zur Straftat. „Das darf nicht hingenommen werden“, sagt Harnisch. Hier brauche es ein konsequentes Durchgreifen der Behörden.

Besonders betroffen sind auch hier Hotspots wie Neukölln. Hier steuerte der Bezirk bereits 2019 als Vorreiter gegen den Trend: Die sogenannte „SoKo Müll“ wurde ins Leben gerufen. Was damals als Pilotprojekt startete, ist heute fester Bestandteil des Allgemeinen Ordnungsdienstes (AOD).

Seit Mai 2023 ist die BSR auch für illegalen Bauschutt verantwortlich. Seither stiegen die gemeldeten Mengen auf einen neuen Rekordwert an.
Seit Mai 2023 ist die BSR auch für illegalen Bauschutt verantwortlich. Seither stiegen die gemeldeten Mengen auf einen neuen Rekordwert an.Henk Hogerzeil/Berliner Zeitung

Müllfahnder und die Forensik des Abfalls

Die Arbeit dieser Einheiten gleicht einer forensischen Untersuchung: Die Mitarbeiter wühlen in illegal abgelagerten Müllhaufen, reißen blaue Säcke auf und suchen gezielt nach Adressaufklebern auf Amazon-Kartons, Briefköpfen oder anderen Hinweisen auf den Verursacher.

Andere Bezirke haben das Neuköllner Modell mittlerweile adaptiert. In Mitte sind seit einiger Zeit sogenannte „Waste Watcher“ unterwegs, die sich auf die illegale Entsorgung konzentrieren. Auch Lichtenberg und Friedrichshain-Kreuzberg haben ihre Strategien verschärft und setzen gezielt Personal ein, um Müllsünder zur Verantwortung zu ziehen. Werden die Ermittler fündig, wird es teuer.

Hohe Bußgelder für Müllsünder

Der Senat hat im November 2025 einen neuen Bußgeldkatalog in Kraft gesetzt. Wer eine Zigarettenkippe achtlos fallenlässt, dem drohen Bußgelder zwischen 250 und 3000 Euro. Wer seinen Hundekot oder gefüllte Kotbeutel im Gebüsch hinterlässt, kann mit bis zu 350 Euro zur Kasse gebeten werden. Richtig teuer wird es bei gewerblichem Ausmaß: Für massiven Sperrmüll werden bis zu 11.000 Euro fällig, bei gefährlichen Stoffen wie Asbest klettert die Strafe sogar auf bis zu 100.000 Euro. „Unverbesserliche Vermüller erreicht man nur über ihren Geldbeutel“, meint auch Harnisch.

Grafik: Catalina Hildebrandt/BLZ. Quelle: Amtsblatt für Berlin, Nr. 47 vom 14.11.2025

Berlin vs. Tübingen: Sehnsuchtsvolle Blicke

Doch während Berlin auf Repression setzt, blicken viele sehnsüchtig nach Tübingen. Dort wurde bereits 2022 eine kommunale Verpackungssteuer eingeführt, die das Bundesverfassungsgericht im Januar 2025 endgültig für rechtmäßig erklärte. In Tübingen kostet jedes Einwegbehältnis für Speisen oder Getränke 50 Cent Steuer, für Besteck fallen 20 Cent an. Die Wirkung ist messbar: Der Einwegmüll im öffentlichen Raum ging deutlich zurück, während sich die Zahl der Gastronomen, die auf Mehrwegsysteme umsteigen, vervierfacht hat.

In Berlin jedoch herrscht ein politisches Patt. Die Grünen und der BUND fordern den „Tübinger Weg“ auch für die Hauptstadt. Laut BUND-Schätzungen könnte eine solche Steuer in Berlin jährlich rund 40 Millionen Euro in die Kassen spülen. Zum Vergleich: Der Senat strich kürzlich die freien Museumssonntage, um 250.000 Euro zu sparen – eine Summe, die durch die Verpackungssteuer binnen weniger Tage eingenommen wäre. Dennoch mauert die CDU-geführte Umweltverwaltung. Senatorin Ute Bonde betont: „Berlin ist nicht Tübingen!“ Man verweist auf den massiven Tourismus und rechtliche Bedenken, während täglich weiterhin 460.000 Coffee-to-go-Becher in der Berliner Landschaft landen.

Ein Symbol der Wegwerfgesellschaft: Rund 460.000 Coffee-to-go-Becher werden in Berlin jeden Tag verbraucht.
Ein Symbol der Wegwerfgesellschaft: Rund 460.000 Coffee-to-go-Becher werden in Berlin jeden Tag verbraucht.Henk Hogerzeil/Berliner Zeitung

Personalmangel in den Behörden

Rechtliche Vorgaben entfalten aber nur dann Wirkung, wenn sie auch tatsächlich kontrolliert und sanktioniert werden. Und hier liegt die Achillesferse der Berliner Stadtsauberkeit: der eklatante Personalmangel in den Behörden. Im Bezirk Tempelhof-Schöneberg zeigt sich das Dilemma besonders drastisch in der Parkraumüberwachung, wo von 120 vorgesehenen Stellen lediglich 35 besetzt sind. Auch der Allgemeine Ordnungsdienst (AOD) des Bezirks ist unterbesetzt: Hier stehen etwa 33 besetzte Stellen einem Soll von fast 49 gegenüber.

Ohne Personal, das Verstöße sofort feststellt, bleibt der Bußgeldkatalog ein theoretisches Konstrukt. Die Wahrscheinlichkeit, beim Abstellen eines alten Sofas erwischt zu werden, ist verschwindend gering.

Die Mär vom großzügigen Sperrmüll-Geschenk

Außerdem gibt es noch den „Zu verschenken“-Trick: Ein kleiner Zettel mit der Aufschrift „Zu verschenken“ oben drauf, und schon fühlt sich die Entsorgung nicht mehr wie eine illegale Tat, sondern wie ein Akt nachbarschaftlicher Großzügigkeit an. Man atmet tief durch, schließt die Haustür hinter sich und genießt die neu gewonnene Freiheit in den eigenen vier Wänden.

Doch genau hier müssen wir kurz innehalten und den inneren Schweinehund beim Namen nennen. Was als freundliches Angebot getarnt ist, soll wieder nur das schlechte Gewissen beruhigen. Spätestens beim ersten Regenschauer endet das Sofa als nasser Müllhaufen, der den Gehweg blockiert und den Kiez weiter abwertet. Aus dem Geschenk wird binnen Stunden ein Ärgernis für alle anderen.

Müll zu verschenken – wie wohltätig!
Müll zu verschenken – wie wohltätig!ElsaxWehmeier/IMAGO / Funke Foto Services

BSR statt Bordstein: So wird Sperrmüll einfach entsorgt

Es geht aber auch anders, und der Aufwand ist oft deutlich geringer als vermutet. Berlin bietet genug Wege, den eigenen Unrat loszuwerden, ohne die Nachbarschaft zu belasten.

Der effektivste Weg führt direkt zur BSR. Viele Berliner vergessen, dass die Stadtreinigung auf ihren Wertstoffhöfen bis zu drei Kubikmeter Sperrmüll von Privatpersonen kostenlos entgegennimmt. Wer kein passendes Fahrzeug hat, kann für eine geringe Gebühr den Abholservice buchen – ein Klick auf der Webseite genügt, und das Sofa wird fachgerecht entsorgt.

Für Dinge, die wirklich noch zu schade für die Tonne sind, bieten sich digitale Marktplätze oder lokale Verschenkgruppen an. Hier finden Gegenstände oft innerhalb von Minuten einen neuen Besitzer, der sie auch tatsächlich abholt und ihnen ein zweites Leben schenkt.

Während Sebastian Harnisch darauf verweist, dass das Angebot – von Recyclinghöfen bis zur Sperrmüll-App – bereitsteht, bleibt der Rest der Gleichung ungelöst. Es braucht mehr Zivilstreifen, effizientere Bußgeldstellen und Ermittler für illegale Kippen. Letztlich entscheidet aber nicht nur die Strafe, sondern die tägliche Wahl zwischen Bequemlichkeit und Respekt. Berlin muss nicht Tokio sein – doch ohne Achtung vor dem öffentlichen Raum schwindet auch der gesellschaftliche Zusammenhalt. Am Ende ist eine Stadt kein anonymes System aus Verordnungen und Abfuhren, sondern das lebendige Spiegelbild derer, die in ihr zu Hause sind.