Fauxpas

Der Pöbel und die Semperoper: Die Sächsische Zeitung entschuldigt sich

Die Sächsische Zeitung hatte über „säuerlichen Geruch“ und „ausgelatschte Schuhe“ am Dresdentag der Oper mit günstigen Eintrittspreisen geschrieben. Auch Leser beklagten sich.

Die Semperoper in Dresden: Zutritt in Flipflops verboten.
Die Semperoper in Dresden: Zutritt in Flipflops verboten.Imago

Die Sächsische Zeitung hat sich für ihren umstrittenen Feuilleton-Artikel über einen Opernbesuch in der Dresdner Semperoper entschuldigt. In dem Text war bei einer Aufführung am sogenannten Dresdentag mit vergünstigten Tickets von nachlässiger Kleidung, unangenehmen Gerüchen und „ausgelatschten Schuhen“ im Publikum die Rede gewesen. Die Berliner Zeitung hat die Glosse in dem Kommentar: „Bitte nur für Reiche: Sächsische Zeitung blickt auf den Pöbel in der Semperoper herab“ aufgegriffen. Darin weist sie auf die klassistische Argumentation hin und macht sich über den Elitarismus des Dresdner Kollegen lustig.

Auch viele Leserinnen und Leser der Sächsischen Zeitung empfanden die Glosse offenbar als herabsetzend und beleidigend. Sie schrieben Leserbriefe, die die Sächsische Zeitung zu einer Erklärung veranlassten: „In der Glosse unseres Autors über diesen Abend hieß es, viele Besucherinnen und Besucher der Semperoper seien nachlässig gekleidet gewesen und hätten teils unangenehm gerochen. Aus diesem Anlass wurde die Frage aufgeworfen, ob billige Ticketpreise womöglich dazu führen, dass auch Teile des Publikums billig würden. Darauf erreichten uns viele Zuschriften.“

Die Redaktion der SZ teilt mit, dass die Wirkung nicht in der Absicht des Autors gelegen habe, aber: „Der Artikel bietet fraglos Anlass, ihn als herabwürdigend zu empfinden. Er hätte in dieser Form nicht erscheinen dürfen. Das Feuilleton der Sächsischen Zeitung entschuldigt sich aufrichtig bei allen Besucherinnen und Besuchern, die von dem Text beleidigt wurden.“ Zugleich betont das Blatt ausdrücklich, dass der Dresdentag mit ermäßigten Preisen eine wichtige und positive Einrichtung sei, die vielen Menschen den Zugang zur Oper ermöglicht.

Die Intendantin hatte in der Berliner Zeitung daran erinnert, dass alle Menschen, die die Liebe zur Kunst, die Freude daran sowie Offenheit und Neugierde verbindet, in der Semperoper als einem Ort der Begegnung immer willkommen seien. Auf der Website des Hauses gibt es gleichwohl – wenn auch sehr kulante – Hinweise zur Kleiderordnung: Die Besucher sollten sich so kleiden, dass sie sich wohlfühlten, heißt es da, und weiter: „Wir freuen uns, wenn Ihre Kleidung der eleganten Atmosphäre unseres Opernhauses entspricht. Bei besonderen Anlässen wie Premieren, Galaveranstaltungen und Festkonzerten fallen auch Abendkleider und Smokings keineswegs aus dem Rahmen.“ Besonders in der warmen Jahreszeit sei aber zu beachten, dass Sportbekleidung ungeeignet sei. „Flip-Flops stellen in einem Notfall eine Gefahr für Sie selbst und andere dar, der Zutritt kann sogar vom Einlasspersonal verweigert werden.“ Über eine besondere Kleiderordnung zum Dresdentag wird nichts verlautet.


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