Es gibt Momente in der Popkultur, die sich nicht wie eine bloße Nachricht anfühlen, sondern wie ein tektonischer Riss. Auch im deutschen Rap. Als Giwar Hajabi, der Welt besser bekannt als Xatar, am 7. Mai 2025 mit nur 43 Jahren an einem Herzstillstand starb, war das so ein Riss.
Denn Xatar war der „Baba“ des Deutschrap, ein Mann, der den Mythos des Goldräubers mit der Eleganz eines Hochkultur-Liebhabers kreuzte. Doch während das öffentliche Bild in Nachrufen zementiert wird und nun auch in einer frisch erschienenen ARD-Dokuserie („Xatar – Ein Leben ist nicht genug“), bleibt im Privaten eine Leere zurück, die so physisch greifbar scheint wie Staub auf Möbeln.
Xatars Witwe, Farvah Hajabi, hat nun in dem NDR-Talk-Format „deep und deutlich“ das Schweigen gebrochen und ein Bild gezeichnet, das weit über die Gangster-Attitüde hinausgeht. Es ist das Porträt einer Frau, die im Epizentrum eines Bebens steht. „Ich habe in diesem Moment alles verloren, was ich selber bin. Das ist ein Schlag ins Gesicht. Man wird zu Pulver“, beschreibt die 35-Jährige jenen Augenblick, in dem die Nachricht vom Tod ihres Mannes sie erreicht hat.
Xatar war Zeit seines Lebens eine Figur der extremen Ambivalenz: ein Straßenkind mit Hochschulreife, ein Ex-Häftling, der nach einem Goldraub fünf Jahre im Knast saß und danach das Musikgeschäft mit unfassbarer Aura dominierte. Also ein Gangsterrapper im allerwahrsten Wortsinn.
Doch Farvah Hajabi rückt diesen Blick auf ihn etwas zurecht. Der Mann, den sie kannte, war nicht einfach ein Fall für die Kriminalstatistik. Er „hatte nichts mit Kriminalität und schwerer Körperverletzung zu tun“, sagt sie über den Giwar, der hinter der Fassade im Privaten parallel existierte. Und doch war das Risiko sein ständiger Schatten. Sie reflektiert ihre Sorge um seine Sicherheit und betont: „Es war schwer, weil ich das Ende gesehen habe.“
Die Witwe von Xatar trauert – es klingt nach Joan Didion
Für Farvah Hajabi ist die Endgültigkeit dieses Abgangs, wie er dann schließlich kam, auch ein Jahr später noch nicht vollständig fassbar. Sie beschreibt einen Zustand des permanenten Dazwischenseins: „Ich glaube, wenn das so überraschend und unerwartet ist, dann wartet man jede Sekunde, teilweise bis heute, darauf, dass man doch endlich wach wird.“ Es wirkt fast ein bisschen wie Joan Didions Reflexionen auf den Tod ihres Gatten in ihrem legendären Memoir „Das Jahr des magischen Denkens“.


