Am 1. November fand die letzte Party auf dem Rollberg statt. Danach musste das SchwuZ in Neukölln schließen. Schon seit Anfang 2025 hatte sich die Insolvenz des bis dato größten Berliner Queer-Clubs abgezeichnet. Doch seitdem gab es auch Hoffnung: Kann das SchwuZ an einem anderen, vielleicht kleineren Ort neu starten?
Denn das SchwuZ war für viele (nicht nur queere) Menschen in Berlin weit mehr als ein Club. Das hat mit seiner Geschichte zu tun: Motiviert durch Rosa von Praunheims Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ von 1971 taten sich rund 50 vorwiegend schwule Männer zur Homosexuellen Aktion Westberlin (HAW) zusammen. Ihr Ziel: die Streichung des Paragrafen 175 StGB, also die Entkriminalisierung von Homosexualität in der BRD – zu der es übrigens erst 1994 kam, weit später als in der DDR.
Deshalb war das SchwuZ viel mehr als ein Partykeller
Aus diesem Umfeld heraus wurde 1977 das Schwulenzentrum (kurz: SchwuZ) gegründet, in der Kulmer Straße in Schöneberg. Aber nicht in erster Linie als Partykeller, sondern als Ort für Diskussionen, Filmscreenings, Dragshows. Das Szenemedium „Siegessäule“ wurde hier ebenso gegründet wie der schwule Buchladen Prinz Eisenherz und der erste Berliner CSD 1979.
Wie nun bekannt wurde, kehrt das SchwuZ schon bald nach Schöneberg zurück. Wenn auch erst mal nur für eine Nacht, einen One-Night-Stand, sozusagen. „Am 16. Mai feiert das SchwuZ seine Rückkehr mit einer Party im Metropol am Nollendorfplatz, im Herzen des queeren Berlin“, heißt es in einer Pressemitteilung des neu gewählten SchwuZ-Vereinsvorstands.
Der Nollendorfkiez hat eine lange queere Tradition
„Das Ende am Rollberg hinterlässt eine Lücke, aber es ist nicht das Ende des SchwuZ“, sagt Marcel Rohrlack, der neue Vorsitzende des SchwuZ e.V. Das SchwuZ sei eine Community, die seit fast 50 Jahren zusammenhalte. „Diese Community baut jetzt etwas Neues auf.“
Der Ort hat es in der Tat in sich: In den 1920ern befand sich in der Gegend rund um den Nollendorfplatz einer der Hotspots des queeren Nachtlebens in Europa. Auch der bekannte britische Autor Christopher Isherwood („Cabaret“) lebte im Kiez. Heute schwärmen wieder junge queere Künstler von der Gegend – etwa der aufstrebende Berliner Pop-Sänger Siovo.
Der Verein plant der Mitteilung zufolge, in den kommenden Monaten mit Veranstaltungen in wechselnden Locations präsent zu bleiben, während parallel die Suche nach einem festen Standort läuft. „Ziel ist ein eigener Club, wirtschaftlich tragfähig, mit demselben Anspruch: ein queeres Zuhause für Berlin.“
Oder in den Worten des neuen Vereinsvorsitzenden: „SchwuZ im Metropol ist die erste Party des neuen SchwuZ, aber noch ohne eigene Location.“ Für das Team sei indes klar, dass das SchwuZ wieder einen festen eigenen Club haben soll. „Nur in eigenen Räumen kann das SchwuZ wieder das queere Wohnzimmer werden, das es fast fünf Jahrzehnte lang war.“ Dafür suche man aktiv nach neuen Räumen. „Wer einen Club vermieten will: Ruft uns an!“
Aus dem alten SchwuZ-Umfeld gibt es noch mehr Partys
Unterdessen beginnen andere Partys neu, mit Personal aus dem alten SchwuZ: Schon am 11. April wagt das Kreuzberger SO36 einen Neustart der 2001 im SchwuZ gegründeten Madonna-Party Madonnamania. Verantwortlich zeichnet dort Marcel Weber, der bis 2024 Geschäftsführer des SchwuZ war und nun Vorsitzender der Clubcommission Berlin ist.
Im Monarch am Kottbusser Tor, ebenfalls in Kreuzberg, startet zudem am 25. April die neue Partyreihe namens Cheers Queers. „Wir liefern Pop-Banger, Show, fancy Drinks, und das alles mit spektakulärem Blick direkt auf den Kotti“, heißt es von LCavaliero Mann, der die neue Party dort erfunden hat – nachdem er bis 2025 Künstlerischer Leiter im SchwuZ auf dem Rollberg war.




