Auszeichnung

Sie ist anders – und sie schafft es trotzdem! Nnena Kalu gewinnt den Turner-Preis 2025

Der wichtigste britische Kunstpreis geht an die neurodivergente schottisch-nigerianische Zeichnerin Nnena Kalu.

Turner-Preis-Gewinnerin Nnena Kalu in ihrer Ausstellung in der Cartwright Hall Bradford.
Turner-Preis-Gewinnerin Nnena Kalu in ihrer Ausstellung in der Cartwright Hall Bradford.James Speakman/picture alliance

Die britische Turner-Preis-Jury weiß immer wieder zu überraschen mit ihrer Wahl: Letzte Nacht kürte sie im südenglischen Bradford die Künstlerin Nnena Kalu, eine Zeichnerin mit nigerianischen Wurzeln, die neurodivergent ist, also jemand, dessen Gehirnfunktionen wie Denken, Wahrnehmung, Lernen, Sozialverhalten signifikant von dem abweichen, was gesellschaftlich als „normal“ oder „typisch“ gilt.

Die Jury lobte Kalus farbintensive Zeichnungen und Skulpturen, die unter anderem aus gefundenen Stoffstücken und VHS-Kassettenband bestehen. Kalu arbeitet mit der Londoner Organisation ActionSpace zusammen, die Künstlerinnen und Künstler mit Lerneinschränkungen unterstützt. Der Juryvorsitzende Alex Farquharson, Direktor der Tate Britain, sagte in der Laudatio, der Preis für Kalu sei „endlich ein Wendepunkt für die internationale Kunstwelt“, er werde „aufgrund seiner künstlerischen Qualität“ verliehen, nicht etwa aus sozialem Mitleid. Aber da Kalu in ihrer verbalen Kommunikation eingeschränkt sei, sei sie im früheren Kunstbetrieb außen vor geblieben. Es sei nun Zeit, die Grenzen zwischen „neurotypischer und neurodiverser Kunst auszuradieren“. Dafür hatte sich seinerzeit schon der französische Maler Jean Dubuffet mit seinem Engagement für die „Art Brut“ eingesetzt.

Nnena Kalu wurde 1966 in Glasgow geboren. Ihre Werke, die oft an Kokons erinnern, waren unter anderem bei ActionSpace in London, in der Kunsthalle Stavanger in Norwegen, bei der Manifesta 15 in Barcelona sowie auf der Frieze London 2025 zu sehen. Die bedeutendste britische Auszeichnung für moderne Kunst wird in diesem Jahr zum 41. Mal verliehen. Der Preis ist mit 25.000 Pfund dotiert und nach dem britischen Maler J.M.W. Turner (1775–1851) benannt.