Was für ein Anblick: Ein knallroter Ford-Escort-Oldtimer, bedeckt von einer riesigen folkloristischen Sikh-Häkeldecke, dazu zeremonielle Handglocken und Familienfotos.
Es ist eine etwas ironische Metapher der Installationskünstlerin Jasleen Kaur aus Glasgow für ihre Community, die schottischen Sikhs. Die Sehnsucht nach Wohlstand, Bildung und geschäftlicher Entfaltung ließ Sikhs schon seit dem 19. Jahrhundert aus Indien auswandern, oft in die – einstige – Kolonialmacht Großbritannien. Eine spätere Einwanderungswelle fand in den 1920er-Jahren und dann nochmals im späten 20. Jahrhundert statt. Auch Kaurs Sikh-Familie und -Verwandtschaft lebt in Schottland.
Dort machten Sikhs bei der Volkszählung von 2022 etwa 0,2 Prozent der Bevölkerung aus. Sikhs glauben an einen sanften Gott ohne Gestalt, der weder Mann noch Frau ist. Laut der Lehre sind alle Menschen gleich – egal welches Geschlechts, welcher Herkunft, welcher Religion. Im Gegensatz zum Hinduismus akzeptieren Sikhs die Bedeutung materieller Bedürfnisse und deren Befriedigung. Sie lehnen die Askese entschieden ab. Vielmehr gilt ehrliche Arbeit als ein Weg zur Erlösung.
Mit diesem diffizilen Thema, der Gemengelage von Geschäftssinn, Kultur, Tradition, Religion, Identität und Moderne, hat Jasleen Kaur den Turner Prize 2024 gewonnen. Die 38-Jährige, die in Glasgow aufwuchs, bringe „mit unerwarteten und spielerischen Materialkombinationen unterschiedliche Stimmen“ zusammen, so die Jury. Diese Kunst untersuche, wie kulturelles Gedächtnis in Objekten und Ritualen geschichtet sei.


