Ausstellung

Der ostdeutsche Pionier Karl-Heinz Adler und seine „Metriks“: Wirbelnde Linien und schwarze Löcher

Die Berliner Galerie Eigen+Art erinnert in einer Schau an Karl-Heinz Adler, den ostdeutschen Pionier der „Konkret-konstruktivistischen Kunst“. Warum ist das so sehenswert?

Karl-Heinz Adler: „Serielle Schichtung, Wirbel III“, 1989 Grafit auf weißem Grund, Acryl, Press-Span
Karl-Heinz Adler: „Serielle Schichtung, Wirbel III“, 1989 Grafit auf weißem Grund, Acryl, Press-SpanKarl-Heinz Adler/Galerie EIGEN + Art/Otto Felber

Karl-Heinz Adler (1927–2018) war als Musterzeichner der Textilindustrie aus dem Vogtland, einer idyllischen Landschaft zwischen dem sächsischen Westerzgebirge und Franken,  1947 in die so politisch wie gesellschaftlich hoch komplizierte und von den Alliierten aufgeteilten Frontstadt Berlin gegangen.

Im Westteil studierte Adler bis 1953 an der Hochschule der Bildenden Künste Charlottenburg. Derweil an seiner Hochschule damals der Ideologiestreit zwischen figürlich und – im Stil der US-Moderne – abstrakt arbeitenden Künstlern, vor allem zwischen Karl Hofer und Will Grohmann tobte, tauchte der Einzelgänger aus dem deutschen Osten – trotz des in den Fünfzigerjahren in der DDR verordneten sozialistischen Realismus – tief ein in die geometrische, reduzierte Bildsprache der Vorkriegsavantgarde, der Bauhaus-Ästhetik, des Konstruktivismus, der „optischen“ Kunst der zeichnerischen Linien, Kuben, Quadrate, Dreiecke und farbigen Collagen, geordnet im Raum. Eine Ordnung, die erst erforscht, ausgelotet werden wollte von einem nach „Form-Farb-Abenteuer“ Hungrigen, der den Schrecken des Zweiten Weltkriegs knapp entkommen war.

Berliner Zeitung

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