Energiekrise

Gaspreise treiben Strom hoch: Deutschland jetzt viermal teurer als Frankreich

Deutschland zahlt für Strom derzeit viermal so viel wie Frankreich. Gaspreise, fehlende Atomkraft und schwächere Importe treiben die Kosten.

Die Strompreise in Deutschland für Mai sind derzeit viermal so hoch wie in Frankreich. Grund ist unter anderem fehlende Atomkraft.
Die Strompreise in Deutschland für Mai sind derzeit viermal so hoch wie in Frankreich. Grund ist unter anderem fehlende Atomkraft.Christoph Hardt/imago

Die Strompreise in Deutschland für Mai liegen derzeit bei etwa dem Vierfachen des Niveaus in Frankreich, wie Daten der Energiebörse EEX zeigen. Die deutschen Börsenstrompreise für Mai notierten am Dienstag bei 86,80 Euro pro Megawattstunde, während der französische Vergleichspreis bei 22,06 Euro pro Megawattstunde lag.

Zunächst hat die US-Nachrichtenagentur Bloomberg darüber berichtet. Auslöser ist laut Bloomberg unter anderem die angespannte Lage auf den Gasmärkten infolge des Kriegs im Iran, die die bestehenden strukturellen Unterschiede zwischen beiden Ländern weiter verschärft.

Während Frankreich auf einen Mix aus Atomkraft und erneuerbaren Energien setzt und so vergleichsweise günstig und stabil produziert, ist Deutschland nach dem Atomausstieg neben erneuerbaren Energien stärker von fossilen Brennstoffen abhängig. In Zeiten mit wenig Wind und Sonne – sogenannten Dunkelflauten – müssen daher vermehrt Kohle- und Gaskraftwerke einspringen, was die Preise nach oben treibt.

Deutschlands Strom wird teurer: Kohlekraft als Rettung?

Dem Bericht zufolge begannen die strukturellen Unterschiede zwischen den deutschen und französischen Strompreisen bereits vor Jahren. Doch die Krise im Iran habe sie „auf eine neue Ebene gehoben“, erklärte Yiannis Papamikrouleas, Leiter des Terminhandels für Energiemärkte bei Depa Commercial SA. „Der Trend war schon vorhanden. Die aktuelle geopolitische Lage beschleunigt und verstärkt ihn jedoch“, sagte er.

Deutsche Versorger versuchen laut Bloomberg zwar, teures Gas durch mehr Kohleverstromung zu ersetzen – doch die Möglichkeiten seien begrenzt, da viele Kohlekraftwerke bereits stillgelegt wurden. Tatsächlich erwägt die Bundesregierung derzeit, Reservekraftwerke sowie bereits stillgelegte Braunkohlekraftwerke wieder ans Netz zu bringen – die Berliner Zeitung berichtete. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte den Kohleausstieg 2038 zuletzt offen infrage gestellt. „Wir werden möglicherweise laufende Kohlekraftwerke länger am Netz lassen müssen“, sagte er.

Aus Ostdeutschland gibt es Unterstützung für die Pläne. „Aus unserer Sicht ist dieses Vorgehen folgerichtig“, sagte Christof Günther, Chef der InfraLeuna GmbH, des Betreibers des Chemieparks Leuna in Sachsen-Anhalt, auf Anfrage der Berliner Zeitung. „Ein längerer Betrieb von Kohlekraftwerken könnte zu einer Entlastung bei den Energiepreisen beitragen“, ergänzte er. Ob die Kohlekraftwerke wirklich länger am Netz bleiben als geplant, ist allerdings offen. Eine Entscheidung darüber wird in den kommenden Wochen erwartet.

Netzengpässe in Frankreich treiben deutsche Strompreise

Ein zusätzlicher Preistreiber ist laut Bericht der US-Nachrichtenagentur die unsichere Lage bei französischen Stromexporten. Hintergrund sind Engpässe im Stromnetz, die dazu führen können, dass Frankreich zeitweise weniger Energie in Nachbarländer liefert. Der französische Netzbetreiber RTE habe in den vergangenen Frühjahrsperioden aufgrund von Netzengpässen wiederholt die grenzüberschreitenden Stromflüsse im Osten eingeschränkt, sagte William Peck, leitender Analyst beim Stromdatenanbieter Energy Aspects.

Bleibt durch Netzengpässe mehr Strom im Land, drückt das die Preise in Frankreich. In Deutschland hingegen wird der Strom dann teurer, weil diese günstige Importquelle fehlt und teurere Reservekraftwerke wie Kohle und Gas einspringen müssen. Im Sommer 2025 kam es zudem zu einer Strompreis-Explosion in Deutschland, nachdem in Frankreich aufgrund der Hitzewelle mehrere Atomkraftwerke abgeschaltet werden mussten. Da Deutschland zunehmend auf Stromimporte aus Frankreich angewiesen ist, musste durch den Ausfall des günstigen Atomstroms aus Frankreich teurer Strom aus Gas- und Kohlekraftwerken einspringen.

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