Öllieferungen

Nach Druschba-Ausfall: Ungarn greift auf Ölreserven zurück – Konflikt mit Ukraine eskaliert

Nach dem Ausfall der Druschba-Pipeline gibt Ungarn jetzt 250.000 Tonnen Öl aus strategischer Reserve frei. Zuvor stoppte Budapest Diesel-Exporte an die Ukraine.

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán bezeichnet den Stopp der Druschba-Pipeline als „Erpressung“ durch die Ukraine.
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán bezeichnet den Stopp der Druschba-Pipeline als „Erpressung“ durch die Ukraine.Marton Monus/dpa

Seit dem Ausfall der Druschba-Pipeline spitzt sich der Energiestreit zwischen Ungarn und der Ukraine zu. Budapest stoppte zunächst Diesel-Exporte und kündigte an, auch Strom- und Gaslieferungen zu prüfen. Seit dem 27. Januar fließt kein Rohöl mehr nach Ungarn und in die Slowakei.

Nun folgt der nächste Schritt: Ungarn gibt 250.000 Tonnen Rohöl aus seinen strategischen Reserven frei. Das geht aus einem am Donnerstag im offiziellen Regierungsblatt veröffentlichten Dekret hervor, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.

250.000 Tonnen Rohöl: Budapest greift tief in seine Notreserven

Laut dem ungarischen Wirtschaftsportal portfolio.hu entspricht die freigegebene Menge rund 40 Prozent der strategischen Rohölreserven des Landes. Die Bestände sollen bis Mitte April 2026 genutzt werden können. Ungarn verfügt nach EU-Vorgaben grundsätzlich über Notreserven, die mindestens 90 Tage Nettoimporte abdecken müssen.

Verwaltet werden die strategischen Reserven von der staatlichen Interessengemeinschaft Magyar Szénhidrogén Készletező Szövetség. Der Energiekonzern MOL erhält gemäß dem veröffentlichten Dekret eine bevorzugte Zugriffsposition innerhalb festgelegter Fristen und ist verpflichtet, den entnommenen Rohölbestand bis Ende August 2026 vollständig wieder aufzufüllen.

Druschba-Pipeline: Budapest macht Kiew für Lieferstopp verantwortlich

Die Druschba-Pipeline ist eine der wichtigsten Versorgungsrouten für russisches Rohöl nach Mittel- und Osteuropa. Die südliche Trasse verläuft über ukrainisches Gebiet und beliefert insbesondere Ungarn und die Slowakei, die als Binnenstaaten nur begrenzte direkte Alternativen zum Pipeline-Transport haben. Ungarns Raffinerien sind technisch stark auf russisches Urals-Rohöl ausgerichtet.

Am Mittwoch hatte Ungarns Regierung angekündigt, Diesel-Exporte in die Ukraine vorübergehend auszusetzen und weitere energiepolitische Schritte zu prüfen. Außenminister Péter Szijjártó erklärte, die Lieferungen seien aus ungarischer Sicht aus politischen Gründen blockiert worden, obwohl die technischen Voraussetzungen für eine Wiederaufnahme gegeben seien.

Am Donnerstag folgte die Ankündigung, auch Strom- und Gasexporte an die Ukraine zu stoppen, sollte Kiew den Öltransit über die Druschba-Pipeline nicht wieder aufnehmen.

MOL organisiert Öltransporte über Kroatien und die Adria-Pipeline

Ministerpräsident Viktor Orbán sprach in einem auf Facebook veröffentlichten Video von „Erpressung“ durch die Ukraine. Ungarn müsse deshalb auf strategische Reserven zurückgreifen, sagte er. Ziel sei es, die Energieversorgung des Landes zu sichern.

MOL hat unterdessen alternative Beschaffungswege aktiviert. Das Unternehmen arbeitet laut ungarischen Medien an der Versorgung seiner Raffinerien durch Seetransporte über den kroatischen Hafen Omišalj. Von dort wird das Rohöl über die Adria-Pipeline nach Ungarn transportiert. Dies ist logistisch aufwendiger und teurer als die bisherige Druschba-Lieferung, kann jedoch einen Teil der Ausfälle kompensieren. Auch die Slowakei hatte zuletzt angekündigt, im Falle anhaltender Unterbrechungen auf strategische Reserven zurückzugreifen.

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