Indien hat im Februar laut Daten des Analysehauses Kpler nur rund 1,2 Millionen Barrel russisches Rohöl pro Tag importiert – so wenig wie seit November 2022 nicht mehr. Für März wird ein weiterer Rückgang auf 800.000 bis eine Million Barrel täglich erwartet, weil sich indische Raffinerien mit neuen Käufen zurückhalten.
Hintergrund ist anhaltender Druck aus Washington: Präsident Donald Trump hatte niedrigere Strafzölle in Aussicht gestellt, falls Neu-Delhi seine russischen Ölimporte drosselt. Nach einem Urteil des US Supreme Court ist jedoch unklar, wie dieser Plan weiterverfolgt wird.
Mega-Öltanker aus Venezuela nehmen Kurs auf Indien
Während Russlands Rohöllieferungen nach Indien sinken, rollen nun erstmals wieder riesige Zwei-Millionen-Barrel-Tanker aus Venezuela in Richtung Subkontinent. Laut der britischen Nachrichtenagentur Reuters haben Händler wie Vitol und Trafigura sogenannte Very Large Crude Carriers (VLCCs) gechartert, nachdem ein Abkommen zwischen Washington und Caracas die Exporte erleichtert hat. Die international tätigen Rohstoffhändler operieren dabei auf Grundlage der im Zuge dieses Abkommens erteilten US-Genehmigungen. Drei dieser Supertanker nehmen im März am Terminal José ihre Fracht auf und steuern anschließend Indien an.
Diese Schiffe können bis zu zwei Millionen Barrel pro Fahrt transportieren. Größere Ladungen senken die Frachtkosten und beschleunigen Lieferungen. Das bietet einen logistischen Vorteil in einem Markt, in dem russische Barrel derzeit schwieriger zu platzieren sind.
Indiens Ölmporte aus Russland brechen im Januar um das 3,5-Fache ein
Nach dem Start der russischen Invasion der Ukraine entwickelte sich Indien zu einem der wichtigsten Abnehmer russischen Rohöls. Doch im aktuellen Markt bleiben Millionen Barrel russischen Öls auf Tankern auf See liegen, weil Käufer sie nicht schnell abnehmen. Gleichzeitig haben sich die Rabatte auf russisches Urals-Rohöl jüngst auf 15 bis 20 Dollar unter Dated Brent ausgeweitet, was auf sinkende Nachfrage hindeutet.
Schon im Januar war der Rückgang sichtbar. Nach Berechnungen von S&P Global Commodities at Sea (CAS) sank Indiens Import russischer Rohölsorten nach Indien auf 436.000 Barrel pro Tag – 57 Prozent weniger als im Vormonat und 3,5-mal weniger als ein Jahr zuvor.
Einen Teil der Mengen ersetzten demnach Lieferungen aus den USA und dem Mittleren Osten: Die US-Importe stiegen laut CAS im Jahresvergleich auf 235.000 Barrel pro Tag, die Lieferungen aus dem Mittleren Osten legten auf rund drei Millionen Barrel pro Tag zu. Als Treiber nennen die Analysten unter anderem den wachsenden Druck aus den USA sowie neue Beschränkungen für in der EU vermarktete Produkte aus russischem Rohöl. Im Januar machten russische Importe nur noch etwa 21 Prozent des indischen Ölimports aus. Das ist der niedrigste Anteil seit Ende 2022, nachdem Indien zeitweise bis zu rund zwei Millionen Barrel täglich aus Russland bezogen hatte.
Nach US-Druck: Indische Raffinerien kaufen weiter vom Mittleren Osten
Gleichzeitig verstärken die USA den politischen Druck auf Indien durch zusätzliche Schärfe. US-Botschafter in Neu-Delhi, Sergio Gor, behauptete zuletzt laut Hindustan Times, Indien habe im Rahmen der Handelsgespräche mit den USA eine „Verpflichtung“ im Zusammenhang mit russischen Ölimporten abgegeben. Zugleich betonte er, Washington wolle grundsätzlich, dass niemand mehr russische Energie kaufe.
Die indische Regierung hat einen vollständigen Stopp russischer Ölimporte jedoch weder bestätigt noch dementiert. Stattdessen verweist Neu-Delhi darauf, seine Energiequellen zu „diversifizieren“ und Entscheidungen im nationalen Interesse zu treffen. Indische Raffinerien haben schon Lieferungen aus dem Mittleren Osten verstärkt – und planen weitere Anläufe für April und Mai – was auf eine breitere Diversifizierung hindeutet. Die neuen VLCC-Ladungen aus Venezuela treffen damit auf einen Markt, in dem russische Mengen schwerer abzusetzen sind.




