Noch vor wenigen Wintern haben Europa und China auf dem globalen LNG-Markt um dieselben Spot-Lieferungen konkurriert. Zog die Nachfrage in Asien an, wurde es für europäische Käufer schnell teuer.
Jetzt treten chinesische Händler als Verkäufer auf, nicht als Konkurrenten.
Mindestens ein LNG-Tanker mit zuvor in China umgeladener Fracht ist auf dem Weg nach Europa. Wie aus Schiffsdaten hervorgeht, die unter anderem von Bloomberg und dem Analysehaus Kpler ausgewertet wurden, hat die „Seapeak Glasgow“ Ende Januar LNG im chinesischen Terminal Zhejiang Ningbo übernommen und steuert nun Europa an. Laut Daten von VesselFinder wird die Ankunft für den 12. März erwartet. Sollte die Lieferung eintreffen, wäre es das erste Mal seit rund vier Jahren, dass aus China umgeladenes LNG in die EU weiterverkauft wird.
🚨 CHINA JUST SENT LNG TO EUROPE
— Jack Prandelli (@jackprandelli) February 12, 2026
The world’s biggest buyer just became a seller...
🚢Seapeak Glasgow reloaded in Zhejiang 🇨🇳
• Cargo now heading to Europe 🇪🇺
• Rare East → West LNG flow
• Europe storage under pressure
Why?
• Weak Asian spot demand
• Open arbitrage… pic.twitter.com/KH5JlNbiQr
Europas Gasspeicherstände sinken schnell – in Deutschland derzeit auf knapp 24 Prozent
Der Grund für die Umleitung liegt auf der Hand: Europa verbraucht weiterhin viel Gas. Die Gasspeicher in Deutschland waren zuletzt laut Daten von Gas Infrastructure Europe (GIE/AGSI) nur noch zu 23,95 Prozent gefüllt. EU-weit lag der Füllstand im Durchschnitt bei 33,97 Prozent, deutlich unter dem saisonalen Durchschnitt der vergangenen Jahre. Zum Vergleich: Am 1. Februar waren sie noch zu rund 31 bzw. 42 Prozent gefüllt. In einem Winter mit anhaltend hoher Entnahme wächst damit der Druck, zusätzliche Mengen zu beschaffen.
Gleichzeitig hat sich die Lage in Asien verschoben. China, weltweit größter LNG-Importeur, verzeichnet seit Monaten eine verhaltene Nachfrage. Endabnehmer weichen auf günstigere Alternativen aus, die Industrieproduktion schwächelt phasenweise, und die Lager sind vergleichsweise gut gefüllt.
LNG: Chinesische Gasimporteure nutzen Preisunterschiede zu Europa
Statt zusätzliche Lieferungen aufzunehmen, nutzen chinesische Importeure Preisunterschiede und verkaufen einen Teil ihrer vertraglich gebundenen LNG-Mengen an Märkte weiter, die bereit sind, mehr zu zahlen. China fungiert hier als Umschlag- und Handelsplatz; die ursprüngliche Ladung kann aus den USA, Australien, Katar oder auch Russland stammen.
Nach Berechnungen von Kpler lag der 30-Tage-Durchschnitt der LNG-Importe in Europa zuletzt bei rund 252.000 Tonnen pro Tag – rund 44 Prozent über dem Fünfjahresdurchschnitt. Europa zieht derzeit so viel Flüssigerdgas an wie saisonal sonst kaum, um den Rückgang russischer Pipeline-Lieferungen auszugleichen und die laufenden Entnahmen aus den Speichern abzufedern.
Parallel laufen die US-Exportterminals nahezu auf Rekordniveau. Die Ausfuhren lagen zuletzt bei rund 19,4 Milliarden Kubikfuß pro Tag, wie Bloomberg unter Berufung auf BNEF-Daten berichtet. Australien leitet derzeit ebenfalls Ladungen Richtung Europa und Südamerika um.
Eisdecke vor LNG-Terminal auf Rügen: Mehrzweckschiff fällt wegen eines Defekts aus
Gleichzeitig zeigt sich die europäische LNG-Logistik derzeit sensibel. Erst vergangene Woche musste das Mehrzweckschiff „Neuwerk“ vor Rügen die Zufahrt zum LNG-Terminal Mukran vom Eis freihalten. Nun wurde der Einsatz wegen eines technischen Defekts unterbrochen, wie das zuständige Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt mitteilte. Ein Spezialist untersuchte das Schiff; Details zum Schaden wurden nicht genannt.
Das Terminal war zuvor tagelang wegen dichter Eisdecke für LNG-Tanker kaum erreichbar gewesen. Der Tanker „Minerva Amorgos“ lag länger vor Rügen auf Reede. Statt des großen Mehrzweckschiffs hält nun ein kleinerer gecharterter Schlepper die Fahrrinne offen.




