Neobroker

EU beendet Gratis-Handel: Was das Verbot für Trade Republic und Anleger bedeutet

Ein EU-Verbot streicht Neobrokern eine zentrale Einnahmequelle. Trade Republic & Co. müssen ihr Handelsmodell umbauen. Wir zeigen, welche Optionen sie haben.

Den Handel von Aktien, Anleihen und ETFs wickelt Trade Republic derzeit über die Lang & Schwart Exchange ab.
Den Handel von Aktien, Anleihen und ETFs wickelt Trade Republic derzeit über die Lang & Schwart Exchange ab.Fabian Sommer/dpa

Der Berliner Neobroker Trade Republic sucht nach neuen Wegen, seine Wertpapierhandelsgeschäfte über die Börse abzuwickeln. Ab 1. Juli dieses Jahres verbietet die EU eine für Trade Republic und andere Neobroker bisher lukrative Praxis. Der mögliche Ausweg: Die Neobroker betreiben ein eigenes Handelssystem. Dafür hat die Finanzaufsicht Bafin Trade Republic erst kürzlich die Lizenz erteilt.

Das EU-Verbot trifft alle auf dem deutschen Markt tätigen Neobroker, zum Beispiel N26, Finanzen.net Zero, Smartbroker oder Traders Place. Sie alle müssen bis Sommer Wege finden, wie sie ihren Wertpapierhandel über die Börse neu organisieren. Vor allem müssen viele von ihnen auf Einnahmen verzichten, die sie aus Rückvergütungen bisher erhalten. Wir sagen, welche Alternativen die großen Neobroker jetzt haben.

Erträge aus Rückvergütungen fallen weg

Bisher haben die Neobroker ein gutes Geschäft mit jedem ausgeführten Order gemacht. Denn beim Weiterleiten von Kundenaufträgen an den Handelsplatz Lang & Schwarz Exchange erhält Trade Republic für jeden Auftrag eine Rückvergütung. In der Fachsprache heißt sie „Payment for Order Flow“ (PFOF). Die Höhe der Rückzahlungen hängt vom Auftragsvolumen und von der Geldanlageklasse ab.

Der Handelsplatz oder der sogenannte Market Maker zahlt dem Broker für ausgeführte Orders eine Provision aus der Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs, dem „Spread“. Solche Provisionen sind bisher allgemein im Wertpapierhandel üblich. Dabei handelt es sich meistens um einstellige Centbeträge. Die vielen Handelsaufträge, die Nutzer per Mobiltelefon erteilen, bringen den Brokern bisher wichtige Einnahmen. Nach Informationen aus Finanzkreisen macht der Anteil der Rückvergütungen bei Trade Republic an den Gesamterträgen weniger als 30 Prozent aus.

Neobroker verlangen nur geringe Handelsentgelte

Für den Wertpapierhandel nutzen Neobroker bisher häufig außerbörsliche, aber regulierte elektronische Handelsplätze. Das sind zum Beispiel Lang & Schwarz Exchange oder Baader Bank. Solche Handelsplätze treten oft zugleich als Market Maker auf, halten als solche gängige Wertpapiere für den Kauf vor und nehmen verkaufswilligen Inhabern Wertpapiere ab, wenn sich kein anderer Käufer findet.

Neobroker sind für Anleger so preiswert, weil sie im Vergleich zu Banken oder anderen Online-Wertpapierhändlern deutlich geringere Handelsentgelte von ihren Kunden einziehen. Deshalb sind die Rückvergütungen der Market Maker eine wichtige Einnahmequelle für die Neobroker. In ihrer jetzigen Art gibt es sie ab Sommer nicht mehr. Die EU begründet das Verbot damit, Wettbewerbsverzerrungen im Wertpapierhandel zu vermeiden.

Trade Republic prüft die Optionen für künftigen Handel

Mit der neu erteilten Bafin-Lizenz erhält Trade Republic die Möglichkeit, einen eigenen Handelsplatz aufzubauen und selbst zum Market Maker zu werden. Über eine neue Plattform könnte zum Beispiel der Handel von Aktien und Derivaten organisiert werden. Das ist aber nicht entschieden. Das Berliner Fintech prüft derzeit mehrere Optionen für den künftigen Wertpapierhandel.

Trade Republic zählt zurzeit mehr als zehn Millionen Kunden und verwaltet über 150 Milliarden Euro an Kundenvermögen. Ende vergangenen Jahres sind die Berliner zum wertvollsten Start-up aufgestiegen. Beim Verkauf von Firmenanteilen von Investoren aus der Frühphase der Firma an bestehende und neue Geldgeber wurde das Institut mit 12,5 Milliarden Euro bewertet.

Börse Hannover bietet Scalable Capital eigene Plattform

Der Münchner Konkurrent von Trade Republic, Scalable Capital, hat sich bereits auf die neuen Vorgaben eingestellt. Seit Mitte Dezember 2024 haben sich die Münchner für einen neuen Handelsplatz – die European Investor Exchange – entschieden. Aus dem einstigen Vermittler Scalable Capital ist ein integrierter Finanzdienstleister geworden.

Über die neue Plattform European Investor Exchange (EIX) kooperiert Scalable Capital mit der Börse Hannover, einer Tochter der BÖAG Börsen AG. Die Rollenverteilung: Scalable Capital verantwortet Technologie und Liquidität, die Börse Hannover übernimmt den öffentlich-rechtlichen Part und die Handelsüberwachung.

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