Russland versucht, sein Flüssigerdgas, oder LNG, mit massiven Preisabschlägen in neue Märkte zu drücken. Laut einem aktuellen Bericht von Bloomberg werden Lieferungen derzeit mit Rabatten von bis zu 40 Prozent auf den Spotpreis angeboten, obwohl die Nachfrage nach LNG im Zuge des Iran-Krieges weltweit deutlich gestiegen ist.
Im Zentrum steht das Projekt Arctic LNG 2 – eines der wichtigsten Exportvorhaben Russlands, das 2023 von der damaligen US-Regierung unter Präsident Joe Biden mit Sanktionen belegt wurde und seit Ende 2024 in Betrieb ist. Betreiber ist Novatek, der größte private Exporteur von russischem LNG.
Russland sucht neue Käufer für LNG
Seit der Verhängung der US-Sanktionen ist der Zugang zu Finanzierung, Versicherungen und Transport stark eingeschränkt. Viele Abnehmer meiden die Lieferungen aus Angst vor möglichen Konsequenzen aus Washington.
Daneben exportiert Russland auch über andere Anlagen: Novatek betreibt die Anlage Yamal LNG in der Arktis, der Staatskonzern Gazprom verschifft Flüssigerdgas über das Terminal Portowaja bei St. Petersburg, von wo aus unter anderem auch europäische Abnehmer beliefert werden. EU-Sanktionen gegen russisches Gas greifen dabei erst ab 2027 vollständig. Doch gerade die neuen Projekte stehen unter besonderem Druck, weil Käufer und Transportkapazitäten fehlen.
Russland umgeht Sanktionen – und verschleiert die Herkunft von LNG
Jetzt versucht Moskau offenbar, diese Blockade zu umgehen. Die Angebote laufen laut Bloomberg über Zwischenhändler in China und Russland. Gleichzeitig sollen Dokumente so ausgestellt werden, dass die Herkunft der Lieferungen verschleiert wird, etwa durch Angaben zu Ländern wie Oman oder Nigeria.
Adressaten sind vor allem Staaten in Süd- und Südostasien, die wegen des Iran-Krieges unter massivem Druck stehen. Die weitgehende Schließung der Straße von Hormus und der Ausfall von LNG-Lieferungen aus Katar haben rund ein Fünftel des globalen Angebots unterbrochen. Für viele Länder geht es inzwischen nicht mehr um politische Abwägungen, sondern um Versorgung.
Iran-Krieg kappt LNG-Lieferungen: Asien sucht verzweifelt Ersatz
Das zeigt sich besonders in Bangladesch und Indien. Beide Länder mussten zuletzt auf den Spotmarkt ausweichen, teilweise zu doppelt so hohen Preisen wie in bestehenden Verträgen. In Bangladesch wurde die Gasversorgung für Teile der Düngemittelindustrie bereits eingeschränkt.
Vor diesem Hintergrund wird russisches LNG trotz Sanktionen wieder attraktiver. Doch die Strategie hat Grenzen. Russland fehlt es nicht nur an Käufern, sondern auch an Transportkapazitäten. Spezialisierte LNG-Tanker sind knapp, viele Reedereien meiden sanktionierte Projekte. Bislang nimmt vor allem China solche Lieferungen ab. Eine Ausweitung auf andere Länder bleibt unsicher.




