Bundesliga

Hiobsbotschaft für den 1. FC Union: Frederik Rönnow fällt bis Saisonende aus

Im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga muss der 1. FC Union Berlin auf Frederik Rönnow verzichten. Der Schlussmann fällt bis Saisonende verletzungsbedingt aus.

Torwarttrainer Michael Gspurning (l.) tröstet Frederik Rönnow. Der Keeper wird bis Saisonende kein Spiel mehr bestreiten.
Torwarttrainer Michael Gspurning (l.) tröstet Frederik Rönnow. Der Keeper wird bis Saisonende kein Spiel mehr bestreiten.Matthias Koch/IMAGO

Nach einer halben Stunde musste alles ganz schnell gehen. Ein weiter Abschlag von Frederik Rönnow hatte beim Auswärtsspiel des 1. FC Union Berlin bei RB Leipzig seinen Adressaten noch nicht erreicht, da schrie der Torhüter vor Schmerzen laut auf, setzte sich auf den Hosenboden und signalisierte in Richtung Ersatzbank, dass er nicht weitermachen könne. Carl Klaus, eigentlich nur etatmäßige Nummer drei im Keeper-Ranking bei den Eisernen, musste raus aus der Aufwärmkleidung, rein in die Handschuhe. Bundesliga-Debüt im Alter von 32 Jahren, aber ganz plötzlich.

In vielen Spielen habe er in all den Jahren schon auf der Bank gesessen, sagte Klaus hinterher. So schnell wie am Freitagabend in der Red-Bull-Arena sei ihm aber noch nie klar gewesen, dass seine Dienste gefragt sein würden. „Ich habe Freddy schreien gehört und sofort gewusst, dass er rausmuss. Dafür hat man einfach ein Gefühl“, erzählte Klaus hinterher ganz unaufgeregt. Das Adrenalin habe ihn bis zur Halbzeit getragen, auch dadurch konnte er gleich die erste Leipziger Großchance durch Christoph Baumgartner, dessen Kopfball er noch an die Latte lenkte, famos vereiteln. Nach Wiederanpfiff blieb er trotz des Gegentreffers von Ridle Baku zum zwischenzeitlichen 3:0 für RB bester Unioner, verhinderte mit ein paar starken Rettungstaten eine höhere Pleite.

Nun ist klar, dass Klaus’ Dienste auch in den kommenden Wochen gefragt sein werden. Eine Adduktorenverletzung im rechten Oberschenkel macht ein schnelles Comeback von Rönnow unmöglich. Der Däne wird nicht nur am Sonnabend (15.30 Uhr) gegen den 1. FC Köln, sondern auch in den Partien beim FSV Mainz 05 (10. Mai, 19.30 Uhr) und abschließend gegen den FC Augsburg (16. Mai, 15.30 Uhr) nicht zur Verfügung stehen. Bis hierhin hatte Rönnow nur eine Begegnung verpasst. Das Auswärtsspiel beim SC Freiburg, das Union durch einen ganz späten Treffer von Woo-yeong Jeong mit 1:0 gewann, bestritten die Köpenicker mit Matheo Raab zwischen den Pfosten, der sich bei einer der letzten Aktionen allerdings schwer an der Hand verletzte und ebenfalls nicht zur Verfügung steht.

Mit Carl Klaus betritt nun ein Spieler die Bühne Fußball-Bundesliga, der bislang nur Insidern ein Begriff gewesen sein dürfte. In Stuttgart geboren, spielte er erst im Nachwuchs des VfB, ging später nach Wolfsburg und zu den Stuttgarter Kickers. Die meisten Spiele absolvierte er allerdings für Atlético Baleares in der spanischen dritten Liga. Über den SV Darmstadt 98 und den 1. FC Nürnberg fand er im Sommer vor zwei Jahren den Weg nach Berlin-Köpenick, wo er meist aber nicht im Spieltagsaufgebot stand oder eben nur auf der Bank Platz nahm.

Ein Sieg gegen Köln würde letzte Zweifel beseitigen

„Der Anspruch jedes Spielers hier sollte es auch sein, in der Bundesliga spielen zu können“, wollte Klaus sein Debüt nach langer Wartezeit nicht allzu sehr aufbauschen. Trotzdem sprach er auch davon, dass ein Traum in Erfüllung gegangen sei. „Daran hat man als junger Fußballer gedacht, als man angefangen hat. Der Blick geht jetzt schon voraus Richtung Köln, aber es wird sicherlich der Moment kommen, in dem man das auch noch mehr genießen kann.“

Ob der schon am Wochenende kommt, ist eher fraglich. Die Situation im letzten Tabellendrittel der Liga hat sich nach der Niederlage von St. Pauli in Heidenheim und dem Remis von Wolfsburg gegen Gladbach zwar ein wenig entspannt, gerettet ist die Mannschaft von Trainerin Marie-Louise Eta aber eben noch nicht. Ein Heimsieg – nach dem 1:0 gegen Leverkusen im Februar wäre es erst der zweite der Rückrunde – würde die letzten Restzweifel beseitigen.

Linus Güther könnte im Saisonendspurt noch zu seinem zweiten Profieinsatz für den 1. FC Union Berlin kommen.
Linus Güther könnte im Saisonendspurt noch zu seinem zweiten Profieinsatz für den 1. FC Union Berlin kommen.Sebastian Räppold/Matthias Koch/IMAGO

Für Eta würde sich dann womöglich noch die Gelegenheit ergeben, in den letzten Spielen dem einen oder anderen Spieler aus dem Nachwuchsbereich ein paar Bundesliga-Minuten zu bescheren. Der 16-jährige Linus Güther, der nicht nur im Berliner Südosten als Riesentalent gepriesen wird, durfte seine ersten Schritte schon im letzten Spiel unter Steffen Baumgart bei der 1:3-Pleite in Heidenheim gehen. Dmytro Bodganov spielte eine Minute bei der 0:1-Niederlage in Gladbach im Februar. Der ukrainische Angreifer könnte in der Sommervorbereitung unter dem neuen Trainer eine echte Chance erhalten, zumal sich im Saisonverlauf bei Union kein anderer Stürmer nachhaltig aufgedrängt hat.

Zudem will die Trainerin den Ligaverbleib aus eigener Kraft realisieren, nicht ausschließlich auf die Ergebnisse der Konkurrenz angewiesen sein. Das Szenario, dass Union sogar mit drei Niederlagen vor St. Pauli und Wolfsburg abschließen könnte, sorgt im Umfeld gerade nicht für Jubelstürme und lässt die Zweifel mit Blick auf die nächste Saison wachsen. Etas Nachfolger, wer immer es auch sein wird, müsste ab dem 1. Juli für einen enormen Stimmungsumschwung und ein neues Aufbruchgefühl sorgen.