Bundesliga

Etas entscheidende Umstellung: Mit der Viererkette gelingt Union das Comeback

Der 1. FC Union kommt gegen den 1. FC Köln in letzter Minute zurück. Auch weil Marie-Louise Eta am Ende mutig nach vorne spielen lässt– und die Fünferkette aufgibt.

Führt Trainerin Marie-Louise Eta hier die Wende herbei? Vor dem Comeback ihres Teams gegen den 1. FC Köln nahm sie einige Änderungen vor.
Führt Trainerin Marie-Louise Eta hier die Wende herbei? Vor dem Comeback ihres Teams gegen den 1. FC Köln nahm sie einige Änderungen vor.O.Behrendt/imago

Geht doch! Der 1. FC Union Berlin holt beim 2:2 (0:1) gegen den 1. FC Köln mal wieder einen Punkt. Lange musste das Publikum im Stadion An der Alten Försterei auch an diesem Sonnabend glauben, dass die Choreo der Fans vor dem Spiel die einzige Aktion aufseiten der Eisernen bleiben würde, die als sehenswert beschrieben werden darf. Es schien, als füge sich dieser Auftritt der Eisernen in eben jene Reihe von, einfach gesagt, schlechten Auftritten ein, die im Laufe der Rückrunde immer länger wurde.

Baumgart-Entlassung bisher ohne Effekt

Daran änderte bislang auch die Entlassung von Trainer Steffen Baumgart nichts. Marie-Louise Eta übernahm dessen Zepter als Cheftrainerin. Zum einen die logische Nachfolgerin, da sie mit der U19 des Vereins erfolgreich gearbeitet hatte, zum anderen ein großer Schritt für den Männerfußball in Europa, da mit Eta erstmals eine Frau zur Cheftrainerin in einer Top-Liga ernannt wurde. Allein die Ergebnisse blieben bisher aus. Der erste Punkt im dritten Spiel stellt nun nicht zwangsläufig die große Wende dar, er darf die Eisernen aber hoffen lassen, dass sich in den letzten beiden Spielen der Saison etwas ändert.

Klar, viel umstellen kann eine Trainerin nicht, wenn sie fünf Spiele vor Saisonende ein Team übernimmt. Auch wenn sie in der U19 anders aufstellte: Ein neues System einzuspielen, scheint in dieser kurzen Zeit unrealistisch. Das verlangt auch niemand. In erster Linie sollen die Spieler mal eine andere Ansprache hören und dadurch neuen Mut oder Motivation schöpfen und hierdurch den Klassenerhalt sichern.

Die Spieler mögen Eta

Den Umgang mit den Spielern scheint die Trainerin zu beherrschen. Rani Khedira lobte vor einigen Wochen ihre Empathie. Livan Burcu, der mit seinem Traumtor in der 89. Minute den ersten Punkt unter Eta sicherte, sagte nach dem Spiel: „Sie macht einen guten Job. Sie kann gut mit uns kommunizieren. Sie kommt gut mit uns klar und wir kommen mit ihr gut klar. Es läuft sehr gut.“ Trotzdem fehlten bislang die Punkte und auch die Auftritte der Mannschaft unterschieden sich bislang kaum von denen unter Steffen Baumgart.

Gegen den 1. FC Köln sah das lange ähnlich aus. Ja, die Unioner konnten ein paar Torchancen sammeln, und ja, das 1:0 für den Effzeh war bitter. Schließlich hatte der Schiedsrichterassistent die Fahne gehoben und die Union-Verteidiger darauf reagiert, bevor Marius Bülter die Gästefans an seiner alten Wirkungsstätte jubeln ließ, indem er den Ball in den Winkel des Union-Tors drosch und das Netz hinter Carl Klaus zappeln ließ (33.). „Für mich eine klare Fehlentscheidung. Wir gehen aktiv zum Ball. Die Fahne wird gehoben. Und danach kommt der Ball ins Zentrum und dann noch so ein Sonntagsschuss. Das war sehr bitter für uns“, sagte Livan Burcu nach dem Spiel.

Die Unioner spielten danach mit gesenkten Köpfen, nahmen sich aber in der Halbzeit vor, „dass wir die zweite Halbzeit für uns entscheiden wollen“, so sagte es Eta nachher. Trotz eines Strafraums voller Unioner kam dann jedoch Said El Mala darin frei zum Abschluss, der zum zweiten Kölner Tor führte (61.). „Dann brauchen wir ein bisschen Zeit, um auch das zu verdauen“, sagte Eta hinterher. Ihre Spieler verfielen derart in Schockstarre, dass sie von den Fans wieder erweckt werden mussten. „Aufwachen, aufwachen“, riefen sie. „Es gibt, glaube ich, wenige Stadien, in denen man nach dem 0:2 nicht ausgepfiffen wird. Deswegen will ich ganz klar herausstreichen, dass die Alte Försterei heute einen Riesenanteil daran hatte, dass wir hier zurückkommen konnten“, dankte Torwart Carl Klaus nach dem Spiel.

Etas wichtige Umstellung

Auch Eta bemühte sich, Einfluss zu nehmen: „Wir haben noch mal versucht, mit Wechseln und Umstellungen frische Impulse zu bringen.“ Erst kamen Livan Burcu und Andrej Ilic aufs Feld, dann Tim Skarke für Stanley N’Soki. Mit der Baumgartschen Fünferkette war Schluss, eine Viererkette, in der Eta am liebsten spielen lässt, formte sich auf dem Feld. Und die Partie nahm ihre Wendung.

Tom Rothe erzielte per Kopf nach einer Ecke den Anschlusstreffer und brachte so vollends das Leben zurück in die Alte Försterei (73.). „Standards sind eine Riesenstärke der Mannschaft, und die bringt uns dann zurück. Dann kommt das Stadion noch mal und setzt viel Energie frei“, sagte Eta nach dem Spiel. Livan Burcu ließ sich in dieser Atmosphäre dann seinen Moment nicht nehmen. Er schoss den Ball von der Kante des 16ers vorbei an Mit- und Gegenspielern in den Winkel des Kölner Tores (89.). Eine Schallwelle, die ihren Ursprung in den Unioner Jubelschreien hatte, durchzog das Stadion.

Waren es nun die Fans oder die Umstellung auf die Viererkette, die den Unterschied ausmachte? So oder so: Dieser Punktgewinn dürfte den Ausgang der Union-Saison entscheidend verändern.