Für den 1. FC Union Berlin hat die siebte Saison in der Fußball-Bundesliga ein glückliches Ende bereitgehalten. Am Sonntag, es war 21.26 Uhr, pfiff der Schiedsrichter Bastian Dankert die Partie zwischen dem SC Freiburg und dem VfL Wolfsburg ab. Unentschieden hatten sich beide Teams getrennt, was die Gastgeber zwei Spieltage vor Überschreiten der Ziellinie auf einen Startplatz für den europäischen Wettbewerb spülte und den Gästen zum Sprung auf Rang 16 verhalf. Aus Köpenicker Sicht zählte an diesem Abend des 3. Mai aber nur eines: der Klassenerhalt!
Weil der FC St. Pauli bereits am Nachmittag gegen den FSV Mainz 05 mit 1:2 verloren hatte, hätte Wolfsburg gewinnen müssen, um Union an den letzten beiden Spieltagen im Kampf gegen den Abstieg noch in die Suppe spucken zu können. So aber liegt die Mannschaft von Trainerin Marie-Louise Eta vor den Spielen in Mainz (Sonntag, 19.30 Uhr) und gegen den FC Augsburg (16. Mai, 15.30 Uhr) sieben Punkte vor dem Relegationsplatz, wird die Saison damit mindestens auf Rang 15 und weiterhin erstklassig beenden.
Am Sonnabend hatten die Eisernen nach wochenlanger Untätigkeit im Sammeln von Punkten zumindest mal wieder selbst etwas für das ausgegebene Saisonziel beigetragen. Tom Rothe und Livan Burcu hatten mit ihren Toren aus einem 0:2-Rückstand gegen den 1. FC Köln bei Abpfiff zumindest noch ein 2:2 gemacht. Zufrieden waren Eta und die Spieler vor allem mit der gezeigten Moral, die ganze Partie hatte aber auch gezeigt, dass das Ende der Saison in zwei Wochen nicht mehr schnell genug kommen kann.
Union schleppt sich durch dieses Kalenderjahr wie ein Verdurstender in der Wüste zur einzigen Oase. Zwei Siege in 17 Spielen seit dem Hinspielerfolg in Köln haben erhebliche Zweifel hinsichtlich der Zukunft aufkommen lassen. Manager Horst Heldt wird von einem Großteil der Fans vorgeworfen, dass er nicht nur mit der Wahl von Bo Svensson und danach von Steffen Baumgart zweimal danebengegriffen hat. Viele Neuzugänge haben zudem nicht auf den Platz gebracht, was sich die Verantwortlichen bei den jeweiligen Verpflichtungen erhofft hatten. Heldts Position ist zumindest angekratzt. Falls der 56-Jährige von Präsident Dirk Zingler ein weiteres Mal mit der Zusammenstellung des Kaders betraut wird, muss seine Trefferquote deutlich höher sein.
Nicht nur Union sucht in der Bundesliga einen Trainer
Natürlich richtet sich die Aufmerksamkeit zuerst Richtung Seitenlinie und damit auf den neuen Trainer, den der 1. FC Union Berlin noch nicht gefunden hat. Zumindest gibt es keine offizielle Verkündung. Christian Eichner, derzeit noch bei Zweitligist Karlsruher SC unter Vertrag, wurde schon vor Wochen kontaktiert, könnte im Sommer aber auch andere Angebote bekommen. Allein schon beim Blick auf die 18 gegenwärtig in der Bundesliga gelisteten Vereine wird klar, dass es hinsichtlich der Saison 2026/27 wieder eine größere Trainer-Rochade geben könnte.
Bei Bayer Leverkusen, Eintracht Frankfurt, dem FC Augsburg, Borussia Mönchengladbach, dem 1. FC Köln und dem VfL Wolfsburg ist noch völlig unklar, welcher Coach mit Beginn der Vorbereitung das Sagen haben wird. Bei Union, das hatte Zingler schon vor drei Wochen unterstrichen, wird auf jeden Fall ein externer Cheftrainer gesucht. Marie-Louise Eta wird als Nachfolgerin von Ailien Poese die Frauenmannschaft in der Bundesliga übernehmen. Heldt hatte das ein paar Tage zuvor noch offen gelassen.

Weil mit Michael Gspurning der langjährige Torwarttrainer der Köpenicker dem Klub den Rücken kehrt, muss sich Union auch auf dieser Position neu umsehen. Auch der exzellenten Arbeit des Österreichers war es zu verdanken, dass Union in seiner siebenjährigen Bundesliga-Geschichte nie ein großes Problem zwischen den Pfosten hatte. Frederik Rönnow entwickelte sich unter Gspurning phasenweise zu einem der besten Keeper der Liga.
Rückkehr der Leihspieler noch offen
An der Hierarchie innerhalb der Mannschaft wird sich insofern nichts ändern, als Christopher Trimmel Kapitän bleibt. In seiner mutmaßlich letzten Saison wird ihm kein neuer Trainer die Binde wegnehmen. Zumal der bisherige Stellvertreter Rani Khedira noch immer kein Bekenntnis zu Union abgegeben hat und mit einem Wechsel in Verbindung gebracht wird. Einen solchen streben definitiv Danilho Doekhi und Diogo Leite an. Doekhi hat das Interesse von Borussia Dortmund geweckt, soll aber auch in der Premier League bei Leeds United und dem deutschen Trainer Daniel Farke hoch im Kurs stehen. Leite war zuletzt Thema bei Lazio Rom. Der Verein aus der italienischen Hauptstadt kann sich über den Pokalwettbewerb noch für die Europa League in der nächsten Saison qualifizieren.


