Die Tabelle, sie lügt nicht. In einer bekannten Fußball-Talkshow im Fernsehen muss man für eine solche Aussage Geld ins Phrasenschwein werfen, aber nach 31 Spieltagen, die in der Bundesliga mittlerweile absolviert sind, hat dieses Statement ganz sicher mehr als nur ein Fünkchen Wahrheit. Drei Runden vor Schluss steht der 1. FC Union Berlin auf Rang 13. Fünf Mannschaften sind also schlechter platziert als die Köpenicker, die in der Rückrunde erst zwei Partien gewonnen haben und am Sonnabend (15.30 Uhr) den 1. FC Köln zu einem echten Kellergipfel empfangen. Der Aufsteiger liegt mit einem Punkt weniger auf Platz 14, hat aber trotz der zurückliegenden 1:2-Niederlage im Nachbarschaftsduell gegen Bayer Leverkusen in den vergangenen Wochen eher positiv aufhorchen lassen.
Trotz einer miserablen Rückserie, in der nur der VfL Wolfsburg schlechter gepunktet hat, geht bei der Mannschaft von Trainerin Marie-Louise Eta dagegen nicht mehr viel zusammen. Die 23 Zähler aus der Hinrunde haben natürlich trotzdem ihre Berechtigung. Siege gegen die Champions-League-Anwärter VfB Stuttgart (2:1) und RB Leipzig (3:1) oder ein überraschendes Remis gegen den alten und neuen Deutschen Meister FC Bayern (2:2) haben es möglich gemacht, dass Union bei noch neun zu vergebenden Punkten eine glänzende Ausgangsposition im Kampf um ein achtes Bundesliga-Jahr in Folge hat. Da kann nichts mehr schiefgehen! Oder etwa doch?
Vier Jahre ist es her, da schien der Bundesliga-Abstiegskampf ebenfalls entschieden. Aufsteiger Greuther Fürth war als Letzter schon sicher mit dem ersten Ticket für Liga zwei ausgestattet, auch für den Vorletzten, Arminia Bielefeld, sah es nicht gut aus. Hertha BSC hatte als 15. am 31. Spieltag gerade den VfB Stuttgart auf dem Relegationsplatz mit 2:0 besiegt und damit im Klassement vier Punkte zwischen sich und die Schwaben gebracht. Die Rettungsmission, die Trainer Felix Magath initiiert hatte, schien ein glückliches Ende zu nehmen, zumal Stuttgart im Restprogramm noch auswärts beim FC Bayern antreten musste.
Drei Spieltage vor Schluss fuhren die Charlottenburger also einigermaßen entspannt nach Bielefeld, wo bis in die Nachspielzeit eine 1:0-Führung der Gäste auf der Anzeigetafel stand. Weil Stuttgart im Parallelspiel in der letzten Minute mit 0:1 gegen Wolfsburg im Rückstand lag, war Hertha zu diesem Zeitpunkt gerettet. Doch dann überschlugen sich die Ereignisse. Erst machte Chris Führich das 1:1 für den VfB, kurz darauf glich Joakim Nilsson für Bielefeld aus. Statt der vorzeitigen Rettung blieb es bei vier Punkten Vorsprung der Hertha, den die Magath-Elf an den Spieltagen 33 und 34 noch hergab.
Hertha-Rettung in der Relegation, dann folgte der Abstieg
Eigenen Niederlagen gegen Mainz (1:2) und in Dortmund (1:2) standen ein Stuttgarter Remis in München (2:2) und ein Last-minute-Sieg gegen Köln (2:1) gegenüber. Die Schwaben, die sich seitdem zu einer der besten deutschen Mannschaften gemausert haben, waren im Schlussspurt gerettet. Hertha musste in die Relegation, schaffte dort nach einer 0:1-Hinspielniederlage gegen den Hamburger SV im Rückspiel durch einen 2:0-Erfolg im Volkspark doch noch den Verbleib in der Bundesliga. Ein Jahr später folgte der Abstieg.
Derart dramatische Szenarien will man sich in Reihen des 1. FC Union Berlin gerne ersparen. Ein Dreier muss noch her, damit Spieler, Verantwortliche und Fans einen Haken hinter die einmal mehr so unbefriedigende Saison machen können. Lange hielt sich die Mannschaft in Schlagdistanz zu den europäischen Plätzen auf, bevor eine seltsame Lähmung die Runde machte, von der bis heute fast alle Profis im Kader betroffen sind. Union stellt in der Rückrunde die schlechteste Defensive und die zweitschwächste Offensive – auch diese Zahlen lügen nicht.

Der 1. FC Köln braucht ebenfalls noch einen Sieg, um nur noch ganz theoretische Restzweifel im Bezug auf den Klassenerhalt haben zu müssen. Vor einigen Wochen wurde Lukas Kwasniok an der Seitenlinie durch René Wagner ersetzt, der in der vergangenen Saison noch Co-Trainer von Steffen Baumgart bei Union war. Als Baumgart im Spiel gegen die Bayern gesperrt von der Tribüne aus zusehen musste, stand der 37-Jährige einen Tag im Rampenlicht. Seine Sache machte der gebürtige Dresdner nicht nur da richtig gut.


