1:2-Pleite gegen den Letzten

Die Union-Einzelkritik: Trimmel sorgt für Gefahr, Querfeld kommt zu spät

Der 1. FC Union Berlin muss sich spät geschlagen geben. Rani Khediras dritter Saisontreffer reicht nicht aus, um gegen Heidenheim zu gewinnen.

Christopher Trimmel vom 1. FC Union Berlin fiel gegen Heidenheim immer wieder mit präzisen Bällen auf.
Christopher Trimmel vom 1. FC Union Berlin fiel gegen Heidenheim immer wieder mit präzisen Bällen auf.Renner/City-Press

Der 1. FC Union Berlin wird gegen den 1. FC Heidenheim mit zwei ganz späten Treffern geschockt und verliert im Stadion An der Alten Försterei 1:2 (1:0). Die ausführliche Einzelkritik zur Leistung der Köpenicker.

Herausragend

Kein Unioner.

Gut zu Fuß

Christopher Trimmel (bis 79.): Der beste Unioner an diesem Tag. Immer wieder sorgte er mit präzisen Bällen nach vorne, meist auf Oliver Burke, für Gefahr im Spiel der Gastgeber. So auch beim 1:0, als seine Vorarbeit fast von der Mittellinie von Ilyas Ansah zum Assist für Rani Khedira verwertet werden konnte. Auch seine Ecken fanden regelmäßig Abnehmer, jedoch ohne zum Tor zu führen. Defensiv ließ der Kapitän nichts zu, die Gegentore fielen erst nach seiner Auswechslung.

Rani Khedira: Mit seinem dritten Saisontor, einem strammen Schuss aufs kurze Toreck, brachte der Vize-Kapitän die Eisernen in Führung – und stellte einen neuen persönlichen Torrekord innerhalb einer Union-Saison auf. Bislang hatte der Weltmeister-Bruder nur zwei Treffer binnen einer Spielzeit bei den Eisernen erzielen können. Trotzdem: In der 70. Minute war es seine falsche Entscheidung, die das mögliche 2:0 für Union verhinderte. Statt selbst zu schießen, hätte er hier auf den mitgelaufenen Wooyeong Jeong abspielen müssen. Außerdem sah er seine fünfte Gelbe Karte und fehlt so am kommenden Wochenende beim VfL Wolfsburg.

Oliver Burke (bis 61.): Zwar traf der ehemalige Bremer selbst nicht, durch seine Läufe bot er aber immer wieder eine gute Anspielstationen an. Auch als vorderster Anläufer stresste er die Heidenheimer Defensive immer wieder. Sein Zuspiel auf Aljoscha Kemlein in der 42. Minute hätte ein Tor verdient gehabt.

Ilyas Ansah: Konnte in der 43. Minute stark den Ball im Strafraum der Heidenheimer behaupten und ermöglichte so erst den Treffer von Khedira. Konnte sich mehrfach in Offensivzweikämpfen durchsetzen und den Weg in den Strafraum finden – jedoch ohne für echte Gefahr zu sorgen. Traf in Umschaltsituationen hier und da nicht die richtige Entscheidung.

Mit Eifer dabei

Frederik Rönnow: Der Torhüter müsste in diesem Spiel eigentlich außerhalb der Wertung laufen. Bis kurz vor Schluss kam kein einziger Ball auf sein Tor, dann musste er schuldlos zweimal hinter sich greifen.

Diego Leite: Der linke Innenverteidiger machte eine gute Partie. Häufig lief der Spielaufbau über seine Seite und auch unter Druck fand er stets gute Lösungen für den Ball. Defensiv war er lange kaum gefordert, sprang jedoch beim 2:1 für Heidenheim nicht hoch genug. Der Ball flog über den Portugiesen hinweg, sodass Querfeld erst spät reagieren konnte und letztendlich zu spät kam, um den Treffer zu verhindern.

Aljoscha Kemlein (bis 79.): Viel unterwegs bot der Mittelfeldspieler sich immer wieder als Anspielstation an und verdichtete gegen den Ball die Räume für den Gegner. Mit etwas Glück hätte es für den U21-Nationalspieler zu einem Treffer gereicht, doch sein Schuss in der 42. Minute wurde abgewehrt. Mehrfach war Kemlein außerdem nur Zentimeter davon entfernt, nach Standardsituationen noch gefährlich an den Ball zu kommen.

Luft nach oben

Leopold Querfeld: Er spielte bis zur 90. Minute eine souveräne Partie. War im Aufbauspiel stets eingebunden und baute, auch weil er kaum angelaufen worden war, in Ruhe das Spiel der Unioner auf. Kam dann allerdings zweimal zu spät: Erst kam Schimmer ihm zuvor und schoss zum 1:1 ein, nachdem Tom Rothe die Flanke von Traoré nicht verhindern konnte. Dann verlor Querfeld das Kopfballduell gegen Jan Schöppner zum Siegtor für Heidenheim. Zu seiner Verteidigung sei gesagt, dass Schöppner zuvor Alex Král als Gegenspieler abgewimmelt hatte. Pech für Querfeld, der so doppelt unglücklich aussah.

Danilho Doekhi: Der Niederländer hatte Glück, dass Schiedsrichter Patrick Ittrich keinen Elfmeter gab, als er in der 10. Minute den Ball mit der Hand gespielt hatte – und dann nochmal, als der Ball von seiner Hand zu Mathias Honsak sprang und der aus elf Metern frei zum Abschluss kam, doch nur die Latte traf. Insgesamt mit mehreren Unsicherheiten am Ball und in der ersten Halbzeit schlechter in Kopfballduellen als zuletzt. Bekam in der zweiten Hälfte mehr mit der Heidenheimer Offensive zu tun und fand besser ins Spiel.

Andrej Ilić (ab 60.) Der weiter torlose Stürmer konnte nach seiner Einwechslung keine Akzente mehr setzen. Er gewann einige Luftduelle und wurde bei seinen, mal mehr, mal weniger guten, Laufwegen oft übersehen.

Unterdurchschnittlich

Wooyeong Jeong (bis 73.): Der Südkoreaner lief enorm viel, allerdings häufig ohne Ziel und Plan. Es war ihm anzumerken, dass es ihm an Spielpraxis mangelt und er mit seiner Rolle im System von Union fremdelte. Am Ball trat der Südkoreaner so gut wie gar nicht in Erscheinung, sodass seine Nachteile in der Physis gegenüber Ilic, der statt ihm auf der Bank saß, nicht durch seine Ballfertigkeit ausgeglichen wurden. In der zweiten Halbzeit war er etwas mehr ins Spiel eingebunden, ohne jedoch Gefahr fürs Heidenheimer Tor entwickeln zu können.

Derrick Köhn (bis 73.): Konnte selbst keine Punkte für sich sammeln im Konkurrenzkampf auf der Linksverteidigerposition gegen Tom Rothe. Sollten seine technischen Fähigkeiten und seine genauen Flanken ihn eigentlich hervorheben, klappte beides gegen Heidenheim kaum. Mehrfach vertändelte der Nationalspieler Ghanas den Ball leichtfertig, keine seiner fünf Flanken kam bei einem Mitspieler an.

Zu spät gekommen

Tom Rothe, Alex Král (beide ab 73.), András Schäfer und Janik Haberer (beide ab 79.).