Bundesliga

Die Einzelkritik zum Union-Debakel: Slapstick und ein katastrophaler Auftritt

Der Tiefpunkt einer bislang so schwachen Rückrunde: Union unterliegt Bremen klar und rutscht in den Abstiegskampf. Die ausführliche Einzelkritik.

Aljoscha Kemlein, Leopold Querfeld, Stanley Nsoki und Rani Khedira (v.l.n.r.) erwischten mit dem 1. FC Union Berlin gegen Werder Bremen einen rabenschwarzen Abend.
Aljoscha Kemlein, Leopold Querfeld, Stanley Nsoki und Rani Khedira (v.l.n.r.) erwischten mit dem 1. FC Union Berlin gegen Werder Bremen einen rabenschwarzen Abend.IMAGO/Sebastian Räppold/Matthias Koch

Die 1:4 (1:2)-Niederlage gegen Werder Bremen kommt für den 1. FC Union Berlin vor allem wegen der über 70-minütigen Unterzahl zustande. Trotzdem zeigen die Köpenicker auch mit einem Mann weniger keine gute Leistung, ein Spieler fällt dabei noch ab. Die ausführliche Einzelkritik.

Herausragend

Kein Unioner.

Gut zu Fuß

Kein Unioner.

Mit Eifer dabei

Frederik Rönnow: Unmittelbar nach dem Platzverweis parierte er den Flachschuss von Jens Stage noch stark (22.), bei den beiden Gegentoren, die kurz darauf fielen, konnte er dem Ball jeweils nur hinterherschauen. Ein wieder mal sehr undankbares Spiel für den Keeper, weil er seine Klasse kaum unter Beweis stellen konnte.

Danilho Doekhi: Auch der Niederländer hat zweifellos schon bessere Tage erlebt. Bei ihm hatte man aber zumindest das Gefühl, dass er in vielen Situationen noch Herr der Lage war. Slapstick allerdings, wie er Wooyeong Jeong vor dem dritten Gegentor anköpfte.

Ilyas Ansah (bis 70.): Ganz stark, wie er gegen Niklas Stark den Elfmeter herausholte, der zur Führung der Eisernen führte. Der Pfiff war trotzdem schmeichelhaft, fand der entscheidende Kontakt des Bremer Abwehrspielers doch vor dem Strafraum statt. In Unterzahl war der Weg für Ansah zum gegnerischen Tor etwas zu weit.

Luft nach oben

Derrick Köhn: Den Elfmeter zum zwischenzeitlichen 1:0 verwandelte er souverän und mit viel Präzision. Danach ließ der gebürtige Hamburger den möglichen zweiten Treffer liegen (26.) und fiel mit zwei ganz schwachen Freistößen auf (38., 45.+7). Gerade diesen Situationen kam mit einem Mann weniger noch mehr Bedeutung zu als ohnehin schon.

Andrej Ilic: In vorderster Front ist der Serbe im Union-Spiel oft ziemlich auf sich allein gestellt, diesmal war dies noch mehr der Fall. Er versuchte, Bälle zu verlängern, seinen Körper irgendwie so geschickt einzusetzen, dass seine Mitspieler nachrücken konnten. Ertrag brachte das aber nicht.

Leopold Querfeld: Der Abwehrchef, der in der laufenden Saison noch keine Minute verpasst hat, wird am kommenden Wochenende beim Auswärtsspiel in Freiburg fehlen. Mitte der zweiten Halbzeit holte er sich seine fünfte Gelbe Karte ab, hatte dabei sogar noch Glück, nicht vom Platz zu fliegen, weil er in dieser Szene letzter Mann war. Insgesamt kein guter Auftritt des Österreichers.

Janik Haberer (bis 82.): Im Vergleich zur Niederlage in Mönchengladbach bekam der 31-Jährige den Vorzug vor Kapitän Christopher Trimmel. Beim zweiten Gegentor verlor er beim Eckball Torschütze Stage aus den Augen (35.).

Aljoscha Kemlein (bis 63.): Fahriger Auftritt des Youngsters. In der Anfangsphase spielte er 25 Meter vor dem eigenen Tor unbedrängt einen Fehlpass, aus dem Werder noch kein Kapital schlagen konnte. Beim Ausgleichstreffer von Olivier Deman konnte er den Abschluss nicht blocken.

Rani Khedira: Ohne die Unterstützung von András Schäfer wirkte er im Zentrum ziemlich verloren. Khedira kam fast nie in die Zweikämpfe, weil die Gäste die Kugel geschickt und äußerst ballsicher zirkulieren ließen.

Wooyeong Jeong (ab 63.): Keine drei Minuten nach seiner Einwechslung stand er bei der versuchten Klärungsaktion von Danilho Doekhi unglücklich im Weg, leitete so den Treffer zum zwischenzeitlichen 1:3 ein. In der Schlussphase wurde ein Schuss von ihm abgeblockt, ansonsten zeigte seine Hereinnahme auf dem Feld keine Wirkung.

Unterdurchschnittlich

Stanley Nsoki (bis 82.): Ein katastrophaler Auftritt. In der letzten Linie wirkte er in vielen Situationen völlig überfordert, ob mit oder ohne Ball am Fuß.

András Schäfer: Die Rote Karte gegen den Ungarn ließ das Spiel zugunsten der Gäste kippen. Sein Einsteigen gegen Stage nur eine Minute nach dem Führungstreffer war fies. Der Platzverweis von Schiedsrichter Timo Gerach war eine harte, letztlich aber vertretbare Entscheidung. Seinen Teamkollegen erwies er damit einen Bärendienst.

Zu spät gekommen

Tim Skarke (ab 70.), Christopher Trimmel und Oliver Burke (beide ab 82.).