Vor zwei Wochen war Christopher Trimmel mal wieder gefeierter Held beim 1. FC Union Berlin. Aufmerksamkeitswirksam hatte er ein weiteres Mal seinen Vertrag um ein Jahr verlängert. Nicht etwa im Büro von Manager Horst Heldt oder Präsident Dirk Zingler, sondern beim 60. Geburtstag des Vereins vor 4000 Mitgliedern. Trimmel, das ist schon lange kein Geheimnis mehr, ist in Köpenick mehr als nur Spieler und Kapitän, sondern eine Symbolfigur für Vereinstreue. Genau das, was vielen Fans im modernen Fußball schon lange fehlt.
Klar, der Österreicher will nicht als Maskottchen betrachtet werden, sich durch Leistung auf dem Platz seine Einsatzminuten verdienen. Aber auch das hat in der laufenden Saison hervorragend geklappt. Weil Positionskonkurrent Josip Juranovic lange verletzt fehlte und ansonsten seiner einstigen Bestform weit hinterherhinkt, war Trimmel auf der rechten Schiene gesetzt. An elf der ersten 13 Spieltage stand er in der Anfangsformation, lediglich beim torlosen Remis gegen den SC Freiburg kam er von der Bank, eine Woche später, beim 2:2 gegen den FC Bayern, saß er eine Gelbsperre ab.
Im neuen Jahr kommt der Routinier allerdings nicht in Tritt. Einzig beim Last-minute-Remis in Augsburg (1:1) ließ ihn Trainer Steffen Baumgart von Beginn an ran, drei Wochen vor seinem 39. Geburtstag saß er am Wochenende bei der Niederlage in Hoffenheim (1:3) 90 Minuten auf der Bank. Janik Haberer erhielt ein weiteres Mal den Vorzug.
„Habi macht es im Moment gut. Wir setzen keine Jungs auf die Bank, nur weil sie es schlecht machen, sondern stellen Spieler auf, wenn sie gut sind“, wollte Baumgart nach der Pleite im Kraichgau von einer Degradierung Trimmels nichts wissen, stellte vielmehr die aus seiner Sicht guten Leistungen von Haberer in den Vordergrund. „Trimmi ist dabei, Trimmi ist wichtig für uns“, schob der Trainer noch hinterher.
Startet Christopher Trimmel, holt Union mehr Punkte
Die nackten Zahlen liefern die Information, dass die Eisernen ohne ihren Kapitän in der Startelf in dieser Saison im Schnitt einen Punkt holten, mit ihm 1,3 Punkte. Trimmel hat zwei Tore vorbereitet, Haberer eines. Ein Tor haben beide noch nicht erzielt. Viel wichtiger ist aber der nicht messbare Wert, dass Trimmel die Mannschaft führt, er auf dem Platz auch mal ordnende Hand sein kann. Genau aus diesem Grund setzte Baumgart ihn beim zurückliegenden Heimspiel gegen Borussia Dortmund zumindest in der Schlussphase ein, als nach dem dritten Gegentreffer noch eine Klatsche drohte. Stürmer Dmytro Bogdanov, der an der Seitenlinie bereits für sein Bundesliga-Debüt bereitstand, wurde dafür wieder auf die Bank beordert.
Es ist das zweite Mal in der 13-monatigen Amtszeit von Baumgart, dass der Publikumsliebling eine persönlich schwierige Phase durchlebt. Vor knapp einem Jahr spielte Trimmel keine Rolle. Bei den desaströsen Niederlagen in Dortmund (0:6) und gegen Kiel (0:1) kam er nicht zum Einsatz. Baumgart setzte ihn erst wieder beim Sieg in Frankfurt ein, der für Union die Wende Richtung Klassenerhalt bedeutete. Den zwischenzeitlichen Ausgleich von Leopold Querfeld bereitete Trimmel damals vor, darüber hinaus war er an diesem Tag bester Spieler der Gäste.

Ausgerechnet Eintracht Frankfurt ist nun der nächste Gegner des 1. FC Union Berlin. Am Freitag (20.30 Uhr) sind die Hessen zur Eröffnung des 21. Spieltags im Stadion An der Alten Försterei zu Gast. Baumgart steht vor der schwierigen Entscheidung, Trimmel ein weiteres Mal außen vor zu lassen oder den von ihm gelobten Haberer aus der Mannschaft zu nehmen. Ein Modell mit beiden Akteuren in der Startformation scheint momentan ausgeschlossen, weil im zentralen Mittelfeld – Haberers angestammter Position – Rani Khedira und Eigengewächs Aljoscha Kemlein ein funktionierendes Duo bilden. Erster Ersatzkandidat war hier in den vergangenen Wochen András Schäfer.


