Die große Bühne scheut Livan Burcu nicht. Bei der Feier zum 60. Vereinsgeburtstag des 1. FC Union Berlin wurde er vor zwei Wochen von Stadionsprecher Christian Arbeit ans Mikrofon geholt. 4000 Mitglieder im Festzelt jubelten dem 21-Jährigen zu, da reichte schon ein einfaches „Was geht ab, Unioner?“ des Angreifers.
Weitaus mehr Menschen konnten am vergangenen Wochenende sehen, wie sich Burcu nach Abpfiff der Partie bei der TSG Hoffenheim (1:3) noch auf dem Platz ein Wortgefecht mit Trainer Steffen Baumgart lieferte. Der genaue Inhalt ist nicht überliefert, die Reaktion des Coaches dagegen schon: „Wenn zwei emotionale Menschen aufeinandertreffen, der eine ist 54 und der andere hat aus meiner Sicht noch nicht alle Haare am Sack, hoffe ich, dass er die Klappe hält.“ Die deutliche Ansage von Baumgart dürfte ihre Wirkung nicht verfehlt haben. Zu Beginn der Woche sollen sich die beiden Streithähne ausgesprochen haben, der Zwist beigelegt worden sein.
Wie Burcu damit umgehen wird, könnte sich womöglich schon am Freitag (20.30 Uhr) im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt zeigen. Der Deutsch-Türke, der sieben Jahre in der Jugendabteilung der Hessen spielte und in Frankfurt geboren wurde, wird gegen einen seiner Ausbildungsvereine besonders motiviert sein. Ob er allerdings ausreichend Zeit auf dem Rasen bekommt – fraglich.
In seinen bislang acht Pflichtspieleinsätzen in der laufenden Saison kam Burcu sechsmal von der Bank. Nur gegen Mainz (2:2) und in Stuttgart (1:1) schickte ihn Baumgart von Beginn an aufs Feld. In diesen Partien zeigte Burcu zwar gute Ansätze, viel davon war aber eher für die Galerie als für die Anzeigetafel.
Horst Heldt stärkt Livan Burcu den Rücken
„Ich finde, dass Livan uns ganz viel bringt. Leider kam im vergangenen Sommer der lange Ausfall, der jeden Spieler, gerade in jungen Jahren, zurückwirft. Jetzt ist er auf dem Niveau, auf dem er zu Beginn der Saison hätte sein sollen. Er hat Eigenschaften, die uns flexibler machen“, hat Horst Heldt ihn keinesfalls aufgegeben. Im Gegenteil: „Ich bin sehr, sehr zufrieden mit ihm. An und mit ihm werden wir noch ganz viel Spaß haben.“
Der Manager wirbt darum, Burcu Zeit zu geben. Mit der Vision, dass der Offensivdribbler eine Investition in die nächsten Jahre sein könnte, hatte Heldt ihn vor eineinhalb Jahren von Drittligist SV Sandhausen nach Köpenick geholt, um ihn unmittelbar danach für ein Jahr in die 2. Bundesliga zum 1. FC Magdeburg zu verleihen. Burcu brillierte, Burcu ragte nicht selten heraus und allen Beteiligten dürfte relativ schnell klar gewesen sein, dass solch ein Spieler auch eine Etage höher zumindest hin und wieder den Unterschied ausmachen könnte. Eine Verletzung, die ihn gleich zu Beginn der Vorbereitung ereilte, bremste ihn danach vier Monate aus.


