Ex-Trainer wollte keine Verabschiedung

„Fand ich nicht richtig“: Was Urs Fischer bei seiner Union-Rückkehr missfallen hat

Im Januar kehrte Urs Fischer erstmals als Trainer zurück nach Berlin-Köpenick. Im Vorfeld hatte es um den neuen Mainzer Coach Diskussionen gegeben.

Urs Fischer (r.) traf beim Spiel des FSV Mainz 05 im Januar in der Alten Försterei auch auf Union-Präsident Dirk Zingler.
Urs Fischer (r.) traf beim Spiel des FSV Mainz 05 im Januar in der Alten Försterei auch auf Union-Präsident Dirk Zingler.Michael Taeger/imago

Zum ersten Pflichtspiel dieses Kalenderjahrs empfing der 1. FC Union Berlin am 10. Januar den FSV Mainz 05. Es war seinerzeit nicht bloß das Duell des Tabellenachten gegen den Letzten, sondern vielmehr auch die erstmalige Rückkehr des langjährigen Erfolgstrainers Urs Fischer. Der Schweizer hatte Union 2019 nicht nur in die Fußball-Bundesliga, sondern anschließend auch in sämtliche europäische Vereinswettbewerbe geführt. Die Teilnahme an der Champions League 2023/24 war die Krönung der erfolgreichsten Zeit in der Klubgeschichte.

Nur logisch, dass die Eisernen den früheren Publikumsliebling gerne im Rahmen der Rückkehr offiziell vor Publikum verabschiedet hätten. Dazu kam es allerdings nicht, Fischer wollte aufgrund der sportlich prekären Situation seines neuen Arbeitgebers den Fokus voll und ganz auf die Partie legen.

„Ich habe mich auf das Spiel gefreut. Ich fand auch, dass das Ganze wirklich gut ablief. Wichtig war vor allem für mich, dass wir etwas mitgenommen haben – vielleicht sogar ein bisschen zu wenig (Mainz verspielte beim 2:2 eine zwischenzeitliche 2:0-Führung; Anm. d. Red.). Das hatte mit Respekt gegenüber Mainz zu tun, dass wir vor dem Spiel nicht noch eine Verabschiedung hatten. Es passte jetzt nicht zur Situation, in der sich Mainz befindet“, erklärte der 59-Jährige nun noch einmal in einem Interview mit der Bild.

Gleichzeitig kritisierte er aber auch den Umgang – zumindest medial – mit seiner Entscheidung: „Ich habe eine Überschrift gelesen, dass Fischer Union die kalte Schulter zeigt. Das fand ich nicht richtig.“

Ein Bild aus erfolgreichen Tagen beim 1. FC Union Berlin: Urs Fischer (r.) mit Kapitän Christopher Trimmel.
Ein Bild aus erfolgreichen Tagen beim 1. FC Union Berlin: Urs Fischer (r.) mit Kapitän Christopher Trimmel.IMAGO/Michael Taeger

Mittlerweile hat sich die sportliche Situation der Rheinhessen merklich verbessert. Zwar hängt Mainz als Tabellen-16. noch immer tief im Abstiegskampf fest, allerdings sind die Mannschaften unmittelbar davor deutlich näher gerückt. Mit einem Sieg am Sonnabend (15.30 Uhr) im Heimspiel gegen den FC Augsburg dürfte Mainz die bedrohte Zone im Klassement erstmals seit dem 5. Spieltag wieder verlassen.

Urs Fischer in Mainz: „Der Druck ist nicht geringer geworden“

„Der Druck ist nicht geringer geworden. Es stehen noch 14 Spieltage aus. Aber wenn man gewinnt, kann das einem helfen. Zumindest haben wir einen Anschluss hergestellt. Da nimmt man ein bisschen Zuversicht mit“, sagte Fischer, der seit Beginn der Woche auch auf die Dienste von Sheraldo Becker zählen kann. Der Stürmer war Teil des Union-Höhenflugs, zuletzt allerdings glücklos in Spanien bei Real Sociedad und bei CA Osasuna.

Beim 1. FC Union Berlin wurde derweil im Rahmen des 60. Vereinsgeburtstags vor zwei Wochen eine Legendenelf der Fans gewählt, in die mit Torhüter Frederik Rönnow, Christopher Trimmel und Michael Parensen drei Akteure berufen wurden, die Fischer trainiert hatte. „Ich habe das mitbekommen. Ich glaube, dass das weniger mit mir zu tun hat, sondern mit den Jungs selbst. Man darf ihnen gratulieren. Dafür haben sie viel aufgewendet. Man macht das eine oder andere richtig, wenn einem eine solche Ehre zuteil wird“, so Fischer.