Die Corona-Pandemie ist zwar zu Ende und verschiedene Ausschüsse in Bundestag und Landtagen versuchen sie aufzuarbeiten, aber manch einer bekommt die Folgen seines Verhaltens auch jetzt noch zu spüren. Einer von ihnen: Journalismusprofessor Michael Meyen. Er hatte in der Pandemie eine kritischere Berichterstattung über die Maßnahmen eingefordert.
Der Kommunikationswissenschaftler ist von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München vorzeitig in den Ruhestand versetzt worden. Damit endet ein jahrelanger Konflikt zwischen dem Professor, staatlichen Stellen und seiner Universität.
Mitteilung per Post und Uni schweigt
Zuerst hatte das Portal Apollo News über die Entscheidung der Universität berichtet. Eine ausführliche offizielle Stellungnahme der LMU liegt bislang nicht vor.
Auch eine Anfrage der Berliner Zeitung blieb zunächst unbeantwortet, später schrieb eine Sprecherin der Universität: „Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass wir in persönlichen Angelegenheiten aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Auskunft geben können.“
Meyen selbst bestätigte die Entscheidung der Universität indirekt. Persönlich äußern wollte er sich auch auf Anfrage nicht, verwies aber in einer Mail auf einen Blog-Beitrag vom 1. April auf seiner Website. Dort beschreibt er den Zeitpunkt des Empfangs bewusst: „Auf den Tag genau 24 Jahre nach der Berufung endet meine Laufbahn als Hochschullehrer an der Ludwig-Maximilians-Universität München.“
Die Mitteilung über seine Versetzung habe er, wie schon die Berufung einst, am 28. März erhalten, diesmal per Postzustellung.
Gesundheitliche Gründe im Raum
In seinem Blog weist Meyen darauf hin, seit einiger Zeit krank zu sein. Die Entscheidung komme daher für ihn nicht überraschend. Der Rechtsanwalt und Publizist Ulrich Vosgerau sagte dazu gegenüber der Berliner Zeitung, vieles spreche dafür, dass die Versetzung auf eine längerfristige Dienstunfähigkeit aus gesundheitlichen Gründen zurückgehe. Zugleich habe die Universität damit möglicherweise einen Weg gefunden, die Auseinandersetzungen zu beenden.
Der Ruhestand folgt auf mehrere Disziplinarverfahren. Dabei ging es unter anderem um öffentliche Aktivitäten Meyens während einer Krankschreibung sowie um seine publizistische Arbeit. In diesem Zusammenhang wurde bereits eine Gehaltskürzung verhängt. Weitere Verfahren schlossen sich an.
Bekannt geworden in der Corona-Zeit
Über die Fachwelt hinaus bekannt wurde Meyen vor allem während der Corona-Pandemie. Er trat wiederholt als Kritiker staatlicher Maßnahmen und der Medienberichterstattung auf. Zugleich war er einige als Mitherausgeber der Zeitung Demokratischer Widerstand aktiv. Das Blatt entstand im Umfeld der Proteste gegen die Corona-Politik.
Die Einschätzungen des Falls gehen auseinander. Während einige Medien und Unterstützer von einem politisch motivierten Vorgehen sprechen, verweisen andere auf dienstrechtliche Fragen und die Rolle eines Professors im öffentlichen Raum.
Werdegang und Bilanz
Meyen wurde auf Rügen geboren, studierte Journalistik in Leipzig und kam 2002 an die LMU München. In seinem Blog blickt er auf diese Zeit zurück – von den Unsicherheiten vor seiner Berufung bis zu Konflikten im universitären Alltag. In seinem Buch „Wie ich meine Uni verlor“ hat er seine Sicht auf die Entwicklungen bereits ausführlich dargestellt.





