Nach ihrer Positionierung in der Spritpreis-Debatte erntet die Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) aus der eigenen Partei scharfe Kritik. Vertreter des CDU-Sozialflügels fordern ihre Ablösung, weil sie SPD-Vorschläge zu staatlichen Eingriffen bei hohen Spritpreisen – etwa eine Übergewinnsteuer – ablehnt und damit den Konflikt in der Regierung verschärft.
Auslöser ist Reiches klare Absage an eine Übergewinnsteuer sowie ihre Kritik an SPD-Plänen zur Entlastung von Verbrauchern. Stattdessen setzt sie auf gezielte Maßnahmen für Pendler und Unternehmen. Teile der CDU halten diesen Kurs für sozial unausgewogen.
„Auswechslung“ sei erforderlich
Besonders deutlich äußerte sich der Vizevorsitzende des CDU-Arbeitnehmerflügels, Christian Bäumler. Eine „Auswechslung“ der Ministerin sei notwendig. Er warf Reiche vor, sich gegen die Linie von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu stellen und einen Kompromiss mit der SPD zu blockieren. Wer sich so verhalte, wolle „eine Koalition mit der AfD“.
Merz hatte beide Seiten aufgefordert, gemeinsame Vorschläge zur Entlastung vorzulegen. Aus seinem Umfeld hieß es zuletzt, man sei „befremdet“ über den öffentlichen Streit.
Reiche: „Schluss mit Selbsttäuschung“
Die Kritik an Reiche geht inzwischen über die Spritpreis-Debatte hinaus. In der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) verteidigte die Ministerin jüngst ihre energiepolitische Linie und forderte „Schluss mit der Selbsttäuschung in der Energiepolitik“.
In ihrem Gastbeitrag warnte vor stark steigenden Systemkosten der Energiewende von inzwischen mehr als 36 Milliarden Euro jährlich und kritisierte die bisherigen Ausbaupfade als ineffizient und zu wenig auf Kosten und Netzkapazitäten abgestimmt.
Zwar hält Reiche an den Ausbauzielen für erneuerbare Energien fest, fordert jedoch eine stärkere Ausrichtung an Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Systemstabilität.
Der Beitrag von Katharina Reiche in der FAZ vor ein paar Tagen machte auf frappierende Weise die Grenzen des politischen Diskurses im Rahmen des geltenden "Elitenkonsenses" deutlich. Denn im Artikel wurde deutlich, daß Katharina Reiche offenbar nicht "verblendet" ist, ihr scheint… https://t.co/kTaex1qcpI pic.twitter.com/GSDJn6oSwo
— Ulrich Vosgerau (@UlrichVosgerau) April 11, 2026
Kritik aus SPD und Energiewirtschaft
Die Aussagen lösten deutlichen Widerspruch aus – nicht nur bei Grünen und in der Branche der erneuerbaren Energien, sondern auch beim Koalitionspartner SPD. Die energiepolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Nina Scheer, warf Reiche laut FAZ vor, „faktenfremd“ zu argumentieren und Klimaziele zu relativieren.
Vertreter der Branche der erneuerbaren Energien kritisierten zudem, dass inhaltliche Einwände an der Ministerin abprallten – etwa Vorschläge zur besseren Netzintegration, zur Flexibilisierung des Stromsystems oder zur Digitalisierung, die bislang kaum aufgegriffen würden.

Richtungsstreit in Regierung und CDU
Der Konflikt dreht sich damit grundsätzlicher um die wirtschafts- und energiepolitische Ausrichtung der Regierung. Während die SPD stärker auf staatliche Eingriffe zur Entlastung setzt, warnt Reiche vor zusätzlichen Belastungen für Unternehmen und plädiert für marktwirtschaftliche Lösungen.



