Rechtsextremismus

Kahl geschoren in Herrenkleidung: Die seltsame Geschichte von Marla-Svenja Liebich

Die Staatsanwaltschaft Halle wartet auf die Auslieferung von Marla-Svenja Liebich. Die bekannte Rechtsextremistin wurde zu einer Haftstrafe verurteilt – und tauchte im Ausland ab.

Marla-Svenja Liebich wurde jetzt in Tschechien gefasst.
Marla-Svenja Liebich wurde jetzt in Tschechien gefasst.dpa

Im vorerst letzten Posting auf X vergleicht sich die Person, die sich Marla-Svenja Liebich nennt, mit Hans und Sophie Scholl. Diese seien wegen Meinungsverbrechen zum Tode verurteilt worden, schrieb die Person noch am Donnerstag. Am selben Tag wurde sie im tschechischen Krásná (Schönbach bei Asch) von Polizisten festgenommen.

Monatelang hatte die Staatsanwaltschaft Halle nach Liebich per europäischem Haftbefehl fahnden lassen. Gegenwärtig werde ein Auslieferungsverfahren nach Deutschland in die Wege geleitet, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Liebich, 55 Jahre alt und damals noch der bekannte Rechtsextremist Sven Liebich, war vom  Amtsgericht Halle wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Beleidigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden. Zwischenzeitlich ließ die Rechtsextremistin ihren Geschlechtseintrag in „weiblich“ umändern und legte sich den Vornamen Svenja-Marla zu.

Neue Stufe der Provokation: Koscheres Essen im Knast

Fortan ließ Liebich per Anwalt jedes Medium abmahnen, das den alten Vornamen benutzte und diese Person als Mann bezeichnete. Liebich trat nun mit breitkrempigem Damenhut und Kleid sowie mit Sonnenbrille und Schnurrbart auf. Der Fall fachte die Debatte über das von der Ampelkoalition verabschiedete Selbstbestimmungsgesetz erneut an, das die Änderung des Geschlechtseintrags erleichtert. Viele Fachleute hatten die Ampelkoalition immer wieder vor dem Selbstbestimmungsgesetz gewarnt: Es öffne Missbrauch Tür und Tor, etwa durch den Zugang für Männer zu Schwimmbädern oder Frauengefängnissen.

Die Provokation erreichte eine neue Stufe, als Liebich vor dem geplanten Haftantritt im Netz ein Schreiben an die Justizbehörde veröffentlichte, in dem sie behauptete, sie sei jetzt jüdischen Glaubens und verlange in der Haft koscheres Essen: „Ich bin gläubige Jüdin und nehme ausschließlich koschere Speisen zu mir.“ Auf Bildern zeigte sich Liebich mit Davidsternkette.

Ende August hätte Liebich die Haftstrafe im Frauengefängnis Chemnitz antreten sollen. Weil Liebich den Haftantritt über X angekündigt hatte, fand sich vor der Haftanstalt ein größeres Medienaufgebot ein. Doch da war Liebich schon abgetaucht und meldete sich regelmäßig per X mit zum Teil KI-generierten Bildern. „Frau Liebich“ postete pausenlos ihre Meinungen zur politischen Lage und behauptete, dass sie sich in Russland aufhalte. Laut einem Bericht der Mitteldeutschen Zeitung war Marla-Svenja Liebich bei der Festnahme in Tschechien kahl rasiert und trug Herrenkleidung.