Der ZDF-Moderator und Satiriker Jan Böhmermann ist juristisch erfolgreich gegen die Plattform X vorgegangen. Das Landgericht Köln erließ eine einstweilige Verfügung gegen die Plattform und untersagte die weitere Verbreitung des Profils „Jan Boehmermann (Parody) ZDF Neo Royale“. Die Berliner Zeitung konnte den Nutzer ausfindig machen und mit ihm sprechen.
Rückblick: Anfang Februar war der Account „Jan Boehmermann (Parody) ZDF Neo Royale“ plötzlich verschwunden. Ohne Vorwarnung oder konkrete Begründung sperrte die Plattform X das Profil eines Nutzers. Das Konto hatte unter dem Namen des Satirikers agiert und ein Profilbild des Moderators verwendet. Obwohl es als „Parodie“ gekennzeichnet war, entschied das Gericht, dass keine erkennbare satirische Auseinandersetzung mit der Person oder dem Werk Böhmermanns stattgefunden habe.

Berliner Zeitung macht Nutzer ausfinding
„Der Account wurde am 2. Februar gesperrt, ohne Angabe von Gründen. X hält sich da sehr bedeckt“, sagt der User hinter dem Account der Berliner Zeitung. Was genau zur Sperrung führte, bleibt nach wie vor unklar. „Ich habe dann mehrfach Einspruch eingelegt, aber zunächst keine Antwort erhalten. Am vergangenen Freitag, 13.02., kam dann eine kurze, knappe Mail, dass der Account nicht wieder freigegeben wird“, beklagt der User, der weiterhin anonym bleiben möchte. Ob er juristisch dagegen vorgehen wird, steht noch nicht endgültig fest.
Die Unsicherheit sei groß gewesen. „Dass Jan Böhmermann dahintersteckt, war mir überhaupt nicht bewusst“, ergänzt der Nutzer des gesperrten Parody-Accounts. Konkrete Belege für eine Beteiligung des Satirikers liegen bislang nicht vor. Erst über die Presse wusste der Nutzer Bescheid.
Über die einstweilige Verfügung gegen Elon Musks Plattform X berichtet als Erstes der Spiegel und schreibt, dass das Landgericht Köln untersagt habe, ein „von Böhmermann betriebenes Fake-Profil auf der Seite zu verbreiten oder öffentlich zugänglich zu machen“. Der Beschluss liege dem Nachrichtenmagazin vor.
Inhalte des Accounts
Der Account veröffentlichte teils mehrfach täglich Beiträge und erweckte dabei in Tonfall und Aufmachung den Eindruck, vom ZDF-Moderator selbst zu stammen. Besonders in der mobilen Ansicht von X war der Zusatz „Parody“ nicht auf den ersten Blick erkennbar.
Inhaltlich griff das Profil aktuelle Ereignisse auf und kommentierte sie in einer Weise, die Nutzer offenbar für authentisch hielten. In den Kommentarspalten wurde Böhmermann vielfach direkt adressiert oder beschimpft – ein Umstand, der durch die algorithmische Verbreitung zusätzlich verstärkt wurde. Der Account war bis Herbst 2025 privat und zählte 2000 Follower. Ab Herbst stellte der Nutzer auf den Satire-Account um. Zuletzt folgten dem Konto mehr als 6000 Menschen.
Böhmermann kümmert sich um sein Recht
Vertreten wird Böhmermann von der Kanzlei Jun um den Anwalt Chan-jo Jun, wie der Spiegel schreibt. Nach Angaben der Juristen sei X mehrfach zur Löschung des Profils aufgefordert worden. Die Beiträge des Fake-Accounts hätten wiederholt darauf abgezielt, Hass gegen Böhmermann zu schüren und ihn in ein politisch umstrittenes Umfeld zu rücken.
Böhmermann selbst betont, es gehe ihm nicht in erster Linie um den anonymen Betreiber des Kontos, sondern um eine grundsätzliche Frage der Rechtsdurchsetzung gegenüber großen Plattformen. Auch internationale Konzerne müssten sich an deutsches und europäisches Recht halten.


