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„Klimawandel als Mittel gegen Überbevölkerung“: Was ein Berliner Forscher mit Epstein diskutierte

Er gilt als einer der klügsten Köpfe der KI-Szene. Interne Mails zeigen nun, wie der Berliner Joscha Bach und Jeffrey Epstein über die Effizienz des Faschismus sinnierten.

Blick in den Abgrund: Die 2025 veröffentlichten Epstein-Mails dokumentieren Bachs radikale Thesen zu Faschismus und Eugenik.
Blick in den Abgrund: Die 2025 veröffentlichten Epstein-Mails dokumentieren Bachs radikale Thesen zu Faschismus und Eugenik.Jon Elswick/AP/dpa

Die Beziehungen des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein reichen bis in die Berliner Wissenschaftsszene. Aus neu veröffentlichten Dokumenten geht eine enge Verbindung zu dem KI-Wissenschaftler Joscha Bach hervor, die Fragen aufwirft. Wer ist der Berliner, der offenbar jahrelang von Epstein finanziell unterstützt wurde?

Bach erhielt demnach Forschungsförderung von Epstein und besuchte dessen Privatinsel. In den oft langen, technisch-philosophischen Nachrichten diskutierten die beiden zudem Konzepte, die weit über übliche akademische Themen hinausgingen und in Bereiche von „Rassenrealismus“ und Eugenik vordrangen.

Bereits im November 2025 machte das US House Oversight Committee rund 20.000 Seiten aus dem Nachlass von Jeffrey Epstein öffentlich. Darunter befanden sich umfangreiche E-Mails aus dem Jahr 2016 zwischen Joscha Bach und Epstein.

Klimawandel als „guter Weg zur Bewältigung der Überbevölkerung“

Bach äußerte in den Mails unter anderem die Behauptung, dass schwarze Kinder in den USA eine „langsamere kognitive Entwicklung“ aufwiesen, die sie „nie aufholen“ würden, während sie gleichzeitig eine „schnellere motorische Entwicklung“ zeigten. Er kritisierte Studien, die dies auf soziale Faktoren zurückführten, als unzureichend belegt. Auch zum Thema Geschlechterrollen vertrat Bach gegenüber Epstein provokante Ansichten: Frauen fänden abstrakte Systeme wie die Mathematik „intrinsisch langweilig“, da diese im Gegensatz zu sozialen Beziehungen keine „soziale Aufmerksamkeit“ generierten.

Besonders brisant sind Bachs Ausführungen zu politischen Systemen. Er bezeichnete den Faschismus in einer Nachricht als den „wahrscheinlich effizientesten und rational stringentesten Weg“, eine Gesellschaft zu organisieren. Ergänzt wurden diese Gedankenspiele durch Überlegungen, ob der Klimawandel ein „guter Weg zur Bewältigung der Überbevölkerung“ sein könnte – ein Austausch, der in US-Medien als Diskussion über „Population Culling“ (Bevölkerungsauslese) eingeordnet wurde.

Bachs Reaktion: Verteidigung der „radikalen Offenheit“

Joscha Bach reagierte auf die Veröffentlichungen in einem Beitrag auf seinem Substack-Blog. Er distanzierte sich von rassistischen und sexistischen Wertungen und bezeichnete es als „verabscheuungswürdig“, Menschen nach ihrer Herkunft oder ihrem Geschlecht zu beurteilen. Die Inhalte der E-Mails ordnete er als Teil eines intellektuellen Stils der „radikalen Offenheit“ ein, der in den Kreisen, in denen Epstein verkehrte, gepflegt worden sei.

In diesen Runden habe man bewusst gegen öffentliche Tabus verstoßen, um „alle Möglichkeiten durchzudenken“, ohne sie notwendigerweise zu unterstützen. Er rechtfertigte den anhaltenden Kontakt zu Epstein damit, dass namhafte Wissenschaftler diesen als rehabilitiert ansahen und zur Annahme der Gelder geraten hatten. Seine heutige wissenschaftliche Position sei, dass biologische Merkmale wie die „Rasse“ kein kausaler Faktor für Intelligenzunterschiede seien.

Aktuelle Positionierung und wissenschaftlicher Fokus

Trotz der Kontroversen bleibt Bach eine einflussreiche Figur in der KI-Landschaft. Er fungiert derzeit als Gründungsdirektor und CEO des California Institute for Machine Consciousness (CIMC). Dort arbeitet er gemeinsam mit Wissenschaftlern wie Stephen Wolfram und Karl Friston an testbaren Theorien zum Maschinenbewusstsein. Parallel dazu berät er das Start-up Liquid AI bei der Entwicklung effizienter neuronaler Netzwerke. In seinen aktuellen Vorträgen, etwa bei TEDAI 2025, konzentriert er sich primär auf die Philosophie des Geistes und die Frage, ob und wie KI-Systeme ein echtes Verständnis für ihre Umwelt entwickeln können.