Israel

„Gut, dass bald ein neuer kommt“: Israels Außenminister greift deutschen Botschafter an

Ein Post, zwei Realitäten: Israel und das Westjordanland. Gideon Sa’ar kritisiert Seibert, weil der Opfer und Siedlergewalt nebeneinanderstellt, und bekommt dabei Zuspruch.

Zoff im Netz: Steffen Seibert, Botschafter Deutschlands in Israel, steht in der Kritik des Außenministers Gideon Sa’ar.
Zoff im Netz: Steffen Seibert, Botschafter Deutschlands in Israel, steht in der Kritik des Außenministers Gideon Sa’ar.Michael Kappeler/dpa

Ein Post auf X hat einen diplomatischen Schlagabtausch ausgelöst: Israels Außenminister Gideon Sa’ar hat den deutschen Botschafter Steffen Seibert öffentlich angegriffen und dessen baldiges Ausscheiden aus dem Amt begrüßt. „Gut, dass bald ein neuer kommt“, so Sa’ar.

Der Auslöser: Ein Post, der auf zu viel hinwies

Auslöser des Netz-Eklats war ein Post auf der Social-Media-Plattform X vom Botschafter Steffen Seibert nach gewaltreichen Tagen in der Region. Darin beklagte der Botschafter israelische Opfer: den Tod eines Avocadofarmers durch die libanesische Hisbollah sowie mehr als hundert Verletzte im Zentrum und Süden nach iranischem Raketenbeschuss. Und dann – fast im selben Atemzug – wies er auf die zunehmende Gewalt israelischer Siedler im Westjordanland gegen Palästinenser hin.

Für Sa’ar, der als Teil der rechten Regierung Netanjahu ein entschiedener Gegner einer Zwei-Staaten-Lösung ist, war das zu viel. Er warf Seibert vor, Angriffe auf Israelis grundsätzlich nicht verurteilen zu können, ohne gleichzeitig die Palästinenser ins Spiel zu bringen. Seine „Besessenheit“ mit den jüdischen Bewohnern von Judäa und Samaria – der israelischen Bezeichnung für das Westjordanland – hindere ihn sogar daran, den Tod eines Juden durch einen Palästinenser schlicht zu verurteilen. Er unterstrich: Er freue sich auf Seiberts Abgang. Der Botschafter selbst schwieg – zumindest öffentlich.

Auch aus Amerika kommt Gegenwind

Rückendeckung erhielt Sa’ar aus dem konservativen Lager der USA. Marc Zell, Vorsitzender von Republicans Overseas Israel und Trump-naher Anwalt in Israel, legte nach. Er berichtete, Seibert habe im Januar in Jerusalem eine Keynote-Rede gehalten – frei gesprochen, ohne Manuskript. Dabei sei der Ton herablassend und entwürdigend gewesen, selbst dort, wo der Botschafter den Holocaust erwähnte. Zell schrieb, er habe nicht schweigen können und seinen gesamten Redeanteil genutzt, um zu kontern. Dass nun Stimmen aus dem Trump-Umfeld auf Seibert einschlagen, gibt dem Ganzen eine politische Dimension, die über eine bilaterale Verstimmung weit hinausgeht.

Ende mit Knall?

Seibert, einst das bekannteste Gesicht der Bundesregierung als Sprecher von Angela Merkel, wird seinen Posten in Tel Aviv noch in diesem Jahr planmäßig räumen. Dass sein letzter großer Auftritt im Amt nun von einem öffentlichen Kommentar des israelischen Außenministers begleitet wird, dürfte in Berlin als das wahrgenommen worden sein, was es ist: ein Abgang mit lautem Echo.

Seiberts Nachfolger wird Alexander Graf Lambsdorff. Der 59-jährige FDP-Politiker und ehemalige Bundestagsabgeordnete, der bislang als Botschafter in Moskau tätig war, hat laut der Jüdischen Allgemeinen bereits bestätigt, den Posten in Tel Aviv übernehmen zu wollen. Bundesaußenminister Wadephul hatte ihn persönlich gefragt. Sein Credo für die neue Stelle klingt dabei bewusst konziliant: „Wenn wir mit den Israelis bei einem Thema mal nicht einer Meinung sind, wird das ausdiskutiert.“

Siedlergewalt: Ein unbequemes Thema

Palästinensischen Medienberichten zufolge griffen israelische Siedler erneut Dörfer im Westjordanland an. Dabei sollen Häuser und Fahrzeuge in Brand gesetzt sowie Fahrer mit Steinen beworfen worden sein. Der Palästinensische Rote Halbmond meldete sieben Verletzte.

Dies ist kein Einzelfall. Nach Einschätzung von Human Rights Watch markierte 2025 bereits einen 20-Jahres-Höchststand der Siedlergewalt – 2026 drohe diesen Wert noch zu übertreffen. Was Seibert skizzierte, ist damit eine belegbare Entwicklung.