Die Eskalation zwischen Washington und Teheran erreicht einen kritischen Punkt. Der 26-jährige Erfan Soltani steht nach Angaben seiner Familie unmittelbar vor der Hinrichtung oder ist bereits tot. Ein iranisches Gericht verhängt das Todesurteil nach einem Schnellverfahren von nur zwei Tagen. Der Fall wird zur politischen Auslöseschwelle.
US-Präsident Donald Trump formuliert das Ultimatum öffentlich. In einem Interview mit dem Fernsehsender CBS kündigt er „sehr starke Maßnahmen“ an. „Wenn sie sie hängen, werden Sie einige Dinge sehen“, sagt er. „Wir werden sehr starke Maßnahmen ergreifen, wenn sie so etwas tun.“ Die Drohung bleibt bewusst offen, ist aber eindeutig adressiert: Weitere Hinrichtungen könnten eine militärische Antwort nach sich ziehen.
Gleichzeitig reißen diplomatische Kanäle ab. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters ist der direkte Kontakt zwischen Irans Außenminister Abbas Araghchi und dem US-Sondergesandten Steve Witkoff unterbrochen. Irans Verteidigungsminister Aziz Nasirzadeh erklärt, jeder Angriff werde „mit voller Kraft und bis zum letzten Blutstropfen“ beantwortet. Teheran droht mit Vergeltungsschlägen und schließt dabei ausdrücklich auch Angriffe auf US-Stützpunkte in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, der Türkei und Katar nicht aus.
Beschleunigte Hinrichtungsjustiz als Machtdemonstration
Irans oberster Justizbeamter Gholamhossein Mohseni-Ejei fordert im Staatsfernsehen schnelle Prozesse gegen Tausende Festgenommene. Abschreckung müsse sofort wirken. Die in den USA ansässige Human Rights Activists News Agency beziffert die Zahl der Todesopfer auf mindestens 2571 und die der Festnahmen auf mehr als 18.000. Aufgrund der Internetsperre gelten die Zahlen als unvollständig. Israel übermittelt den USA nach Angaben eines amerikanischen Regierungsbeamten gegenüber Axios eine eigene Einschätzung von mindestens 5000 getöteten Demonstranten.
Awyar Shekhi, Sprecher der kurdischen Menschenrechtsorganisation Hengaw, erklärt gegenüber BBC Radio 4, man habe „noch nie erlebt, dass ein Fall so schnell voranschreitet“. Soltanis Schwester, selbst Anwältin, versuche vergeblich zu intervenieren. Die Behörden erklärten, es gebe nichts zu verfolgen. Seit seiner Festnahme habe der Verurteilte keinen Kontakt zu seiner Familie.
Militärische Ziele liegen auf Trumps Tisch
Die britische Zeitung Daily Mail berichtet, eine amerikanische Gruppe habe dem Weißen Haus ein Dossier mit 50 militärischen Zielen übermittelt, darunter das Hauptquartier der Revolutionsgarden im Teheraner Stadtteil Tarall sowie zahlreiche Stützpunkte der Basij-Milizen. EU-Beamte bestätigen, so kolportiert, gegenüber der Washington Post, dass die USA gezielt Informationen über mögliche Zielobjekte in Iran anfordern.
Flugbeobachter registrierten in der Nacht mindestens acht Tankflugzeuge vom Typ KC-135R, die in Honolulu landeten. Drei Diplomaten berichten Reuters, dass Teile des Personals auf der US-Luftwaffenbasis Al-Udeid in Katar angewiesen werden, den Stützpunkt rasch zu verlassen.
Eingeschränkter Handlungsspielraum: Saudis verweigern Luftraum für Angriffe
Saudi-Arabien teilt Washington mit, dass es seinen Luftraum nicht für US-Militäraktionen gegen Iran öffnen wird. Diese Botschaft dient dazu, eine direkte Verwicklung des Königreichs in einen möglichen Konflikt zwischen den USA und Teheran zu verhindern und die Stabilität der Region zu wahren. Riad betont, Eskalation könne Energieexportrouten gefährden und wirtschaftliche Konsequenzen nach sich ziehen. Nach Angaben des Wall Street Journal raten Saudi-Arabien, Katar und Oman der US-Regierung in informellen Gesprächen von Militärschlägen gegen Iran ab.
Das Nachrichtenportal Politico berichtet, die militärischen Optionen der Trump-Regierung seien begrenzter als noch vor einem Jahr. Der Flugzeugträger „USS Ford“ operiert nach dem Venezuela-Einsatz in der Karibik. Die Träger „Vinson“ und „Nimitz“ haben die Region verlassen.
Ein Patriot-Raketenabwehrsystem kehrt im November nach Südkorea zurück. Ein ehemaliger Verteidigungsbeamter warnt, bei einem längeren Schlagabtausch könne die Zahl der verfügbaren Abfangraketen zum Schutz der rund 10.000 US-Soldaten schnell knapp werden.
Der frühere Vizeadmiral John Miller erklärt gegenüber Politico, man solle keinen großen Truppenaufbau erwarten. Ein möglicher Angriff komme entweder von Stützpunkten im Golf oder als globale Mission aus den USA. Ziel seien Kommandozentralen, Militäreinrichtungen und Kommunikationsknoten der iranischen Führung.
Dynamik der Proteste geht in Richtung Bewaffnung
Tamir Morag, diplomatischer Korrespondent des israelischen Fernsehsenders Channel 14, behauptet auf X, ausländische Akteure hätten Demonstranten mit scharfen Schusswaffen ausgestattet. Dies könne nach seiner Darstellung die hohe Zahl getöteter Sicherheitskräfte erklären. Welche ausländischen Akteure gemeint sind, lässt Morag offen. Unabhängige Bestätigungen für diese Aussagen liegen nicht vor.
Der frühere US-Außenminister und CIA-Direktor Mike Pompeo schrieb am 2. Januar auf X: „Frohes neues Jahr an alle Iraner auf den Straßen – und auch an jeden Mossad-Agenten, der neben ihnen geht.“ Unabhängige Belege dafür, dass tatsächlich Mossad-Agenten physisch an den Protesten beteiligt sind, liegen allerdings nicht vor.
Parallel berichtet Axios über ein geheimes Treffen zwischen Steve Witkoff und Exil-Kronprinz Reza Pahlavi. Der Sohn des 1979 gestürzten Schahs positioniert sich als Übergangsfigur, sollte der Umsturz erfolgen. US-Beamte zeigen sich überrascht, dass Demonstranten in mehreren Städten seinen Namen skandieren.
Unterdessen versammeln sich nahe der Universität Teheran Zehntausende zur Beisetzung von mehr als 100 getöteten Sicherheitskräften. Oppositionskräfte sprechen von einer Inszenierung der Mullahs.
Die Ölpreise steigen, Brent notiert bei etwa 65 Dollar pro Barrel. Die israelische Armee erklärt erhöhte Alarmbereitschaft. Russland verurteilt externe Einmischung. Irans Cyberspace-Kommando erwägt, die Internetsperre um weitere zwei Wochen zu verlängern.




