Kunstmesse

Kulturstreit um Biennale eskaliert: EU-Kommission greift wegen Russland-Teilnahme ein

Russlands Teilnahme an der Biennale von Venedig sorgt für Streit. Die EU-Kommission stellt die Förderung infrage, während Selenskyj in Rom erwartet wird.

Die geplante Teilnahme Russlands an der Kunstbiennale in Venedig 2026 sorgt für hitzige Debatten.
Die geplante Teilnahme Russlands an der Kunstbiennale in Venedig 2026 sorgt für hitzige Debatten.Felix Hörhager/dpa

Die EU-Kommission hat bestätigt, dass sie die Finanzierung der Biennale von Venedig im Zusammenhang mit der geplanten Wiederzulassung des russischen Pavillons kritisch überprüft und eine Einstellung der Förderung in Aussicht stellt.

„Kulturelle Veranstaltungen, die mit europäischen Steuergeldern finanziert werden, sollten demokratische Werte wahren sowie offenen Dialog, Vielfalt und Meinungsfreiheit fördern – Werte, die im heutigen Russland nicht geachtet werden“, erklärte EU-Sprecher Thomas Regnier am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur Ansa.

Nach Ansicht der Kommission verstoße die Teilnahme Russlands zudem gegen die EU-Sanktionen, die nach dem Angriff auf die Ukraine verhängt wurden.

Russland auf der Biennale: Meloni politisch unter Druck

Seit 2022 war der russische Pavillon geschlossen. „Ich kann bestätigen, dass die Exekutivagentur Bildung und Kultur (EACEA) der Stiftung ein Schreiben zukommen ließ, in dem wir unsere Absicht mitteilen, eine laufende Förderung in Höhe von zwei Millionen Euro auszusetzen oder zu widerrufen“, so Regnier.

Biennale-Präsident Pietrangelo Buttafuoco sieht die Entscheidung Entscheidung als „Raum des Friedens“ und kündigte Projekte an, die dem Dissens gewidmet sind. Von seinem Kurs scheint er nicht abrücken zu wollen; eine Änderung wäre vermutlich nur durch politischen Druck möglich. Die italienische Regierung um Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Kulturminister Alessandro Giuli vermeidet bislang jedoch eine offene Konfrontation – nicht zuletzt im Hinblick auf die politische Bedeutung Buttafuocos im rechten intellektuellen Spektrum. Die Eröffnung der Biennale ist für den 9. Mai geplant.

Die Entscheidung zur russischen Teilnahme hatte bereits unmittelbar nach ihrer Bekanntgabe scharfe Kritik ausgelöst. In einer Stellungnahme verurteilte die EU-Kommission den Schritt „aufs Schärfste“ und betonte, dass sich Kulturinstitutionen in der EU an den politischen Vorgaben der Union orientieren müssten. Diese habe sich eindeutig gegen Russlands völkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf die Ukraine positioniert.

Selenskyj in Rom: Gespräche über Ukraine-Finanzierung

Die Kommission verweist auf das Sanktionsregime. Mitgliedstaaten und Institutionen seien verpflichtet, im Einklang mit den EU-Sanktionen zu handeln und sicherzustellen, dass keine Personen eine Plattform erhalten, die die Aggression des Kremls aktiv unterstützen oder rechtfertigen. Vor diesem Hintergrund sei die Entscheidung der Biennale „nicht vereinbar mit der kollektiven Reaktion der EU auf die brutale Aggression Russlands“.

Für die Regierung Meloni entsteht damit ein politisches Spannungsfeld. Einerseits droht im Konfliktfall der Rückzug des Biennale-Präsidenten, andererseits steht die Kürzung von Fördermitteln für eine der renommiertesten Kunstveranstaltungen Europas im Raum. Unterdessen wird der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Mittwoch in Rom erwartet, nachdem er zuvor Berlin besucht hat. Dort wirbt er für ein bislang blockiertes EU-Hilfspaket in Höhe von 90 Milliarden Euro.